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Zinkenverbindungen

zinkenverbindung-zinken-schwalbenDa einige Leser wissen wollten wie man Zinkenverbindungen herstellen kann, möchte ich in diesem Artikel Schritt für Schritt darauf eingehen.

In dieser Anleitung zeige ich dir wie du die Zinken rechnerisch einteilen kannst. Als Special gibt es aber noch ein Insidertipp wie du die Zinken ohne umständliche Berechnung auf jedes Brett anreißen kannst.

Dimensionen

Um die Zinken auf dem Brett gleichmäßig aufteilen zu können müssen wir als erstes ein wenig rechnen.

Grob gesagt müssen wir als erstes die Schwalben berechnen, dann müssen wir diese auf das Brett anzeichnen und dann den Zinkenwinkel bestimmen.
zinkenverbindung-offener-zinken

Das oben angeführte Brett-Beispiel:

  • Brettbreite: 170 mm
  • Brettdicke (oder Brettstärke): 15 mm

Schritt 1: Schwalben berechnen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Systeme die Anzahl der Schwalben zu berechnen. Eine sehr wirkungsvolle Arbeitsweise ist folgende Formel:

  • Anzahle der Schwalben = Holzbreite / (3 x 1/2 Holzstärke)
  • Oder in Worten: Anzahl der Schwalben ist gleich Holzbreite durch 3, mal die halbe Holzstärke
Hinweis
Die Anzahl der Zinken müssen immer auf- bzw. abgerundet werden. Es gibt keine 3/4 Zinken.

In meinem Beispiel wären das folgende Maße:

  • Anzahl der Schwalben = 170 mm / (3 * 7,5 mm)
  • Anzahl der Schwalben = 7,5
  • Anzahl der Schwalben = 7
Hinweis
Nachkommastellen: eine Nachkommastelle ab 7 wird aufgerundet. Eine Nachkommastelle von 1 bis 6 wird abgerundet.

Je nach Brettstärke und Brettbreite kann die Zahl deutlich höher ausfallen. Hier muss man aber besonders auf die vorhandenen Werkzeuge achten.

Wenn ein Zinken am Ende nur noch 2 mm Luft hat, wird das Ausarbeiten sehr mühsam. Diese Formel bietet also einen Richtwert, aber keine Regel.

Am Ende entscheiden Ästhetik und vorhandene Werkzeuge.

Als nächsten Schritt müssen wir die Teile bestimmen.

Schritt 2: Streckeneinteilung und das Anzeichnen

Um die Anzahl der Teile zu bestimmen, nutzt man folgende Regel: 1 Teil für einen Zinken und zwei Teile für  Schwalben.

In meinem Beispiel sind das also 8 Teile + 14 Teile = 22 Teile

Und hier nochmal zum Nachrechnen:

  • 8 Zinken = 8 Teile
  • 7 Schwalben = 14 Teile
  • 8 Teile + 14 Teile = 22 Teile
Hinweis
Logischerweise muss es immer einen Zinken mehr geben als Schwalben. In meinem Fall habe ich sieben Schwalben und acht Zinken.

Als nächsten Schritt zeichne ich die Teile auf das Brett. Wenn ich das rein rechnerisch machen müsste, wäre das sehr kompliziert und eigentlich unmöglich anzuzeichnen.

Warum?

Wenn ich meine 170 mm durch 22 teile, kommt folgendes raus:

\frac{170 mm}{22}= 7,7272727272727

Wie soll ich das anzeichnen? 🙂

Das geht nicht.

Und deswegen gibt es einen kleinen Trick:

Streckeneinteilung (Zinkenverbindung)

Streckeneinteilung

Ich zeichne eine Diagonale auf mein Brett, deren Länge durch 22 teilbar ist. In meinem Fall 440 mm (du kannst jede beliebige Zahl nehmen, Hauptsache sie ist teilbar). Diese Diagonale zeichne ich auf das Brett an.

Auf die Diagonale zeichne ich jetzt immer 20 mm an. Dann ziehe ich parallel zu den Kanten und den angezeichneten Markierungen einen leichten Riss. Die Hilfslinien müssen nicht über das gesamte Brett angezeichnet werden. Es genügt, wenn du im Bereich der späteren Verbindung die jeweiligen Hilfslinien markierst.

Und zack: meine 22 Teile sind gleichmäßig und exakt auf dem Brett angezeichnet.

Schritt 3: Streckeneinteilung übertragen

Als nächster Schritt werden die Zinken und Schwalben mit einem Schreinerwinkel übertragen:

Übertragung der Streckeneinteilung

Übertragung der Streckeneinteilung

An dem obigen Beispiel sieht man, wie ich die relevanten Kanten übertragen habe. Es sind nicht alle Teile notwendig. Am Ende brauchst du nur die Markierungen die für die zuständige Schwalbe bzw. dem Zinken notwendig ist.

An meinem Beispiel habe ich zum besseren Verständnis alle Linien durchgezogen. Das ist auf deinem Werkstück aber nicht notwendig. Ein kleiner Riss, der in etwa der Brettstärke entspricht, reicht völlig aus.

Schritt 4: Mittelriss auf die Kante

Der nächste Schritt?

Wir brauchen einen Mittelriss auf der Kante, und zwar dort wo später die Zinken bzw. Schwalben enstehen:

Mittelriss auf der Kante

Mittelriss auf der Kante

Wie kann man das am besten anzeichnen?

Am genausten geht das mit einem Streichmaß. Es geht zwar auch mit einem Lineal, aber wenn du mehrere Bauteile herstellen möchtest, dann lohnt sich ein Streichmaß alle mal.

Wie stellt man ein Streichmaß richtig ein?

Als erstes stellst du an der Markierung die hälfte der Brettstärke ein. Dann markierst du einen kleinen Riss von der einen und von der einen Seite.

Ist der Strich deckungsgleich?

Gut, dann hast du genau die Mitte. Wenn nicht musst du nachjustieren, bis die Risse von beiden Seiten genau übereinstimmen.

So erhälst du exakt die Mitte des Brettes.

Im Optimalfall sind alle deine Bretter gleich dick und du kannst dein Streichmaß für alle Bretter nutzen.

Schritt 5: Trennungslinien anzeichnen

Als nächsten Schritt werden die Trennungslinien angezeichnet:

zinkenverbindung-uebertrag

Trennungslinien

Zum besseren Verständnis habe ich alle Linien durchgezogen. An deinem Bauteil ist das nicht notwendig. Hier reicht einfach ein kleiner Riss aus, weil dieser Trennungsriss später unbedeutend wird.

Schritt 6: Zinkenwinkel anzeichnen

Bei diesem Schritt zeichnen wir die eigentlichen Zinkenwinkel an:

zinkenverbindung-zinkelwinkel

Zinkenwinkel

So langsam nimmt unsere Zinkenverbindung Form an: mit einer Zinkenschablone, einem Winkelmesser oder einer Schmiege musst du den Winkel am Hirnholzende anzeichnen.

Wie wird der Zinkenwinkel bestimmt?
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Aber am Ende entscheidet wieder das Werkzeug und die Ästethik.

Variante 1: eine Verhältnis von 6 zu 1 (oder 9,46°)

Variante 2: ein Verhältnis von 7 zu 1 (oder 8,8°)

Das sind herkömmliche Varianten. Hier entscheidet jedoch wieder das Aussehen und unser verfügbares Werkzeug. Ein zu starker Winkel kann das Ausarbeiten sehr mühsam gestalten. Oder: die Zinken sehen einfach nicht gut aus.

In meinem Beispiel habe ich den Winkel etwas abgeändert: ich nutze 14°.

Wusstest du schon?

Bei Weichholz sollte man eher größere Schwalben wählen. Bei Hartholz kann man auf kleinere Schwalben zurückgreifen.

Beim Anzeichnen der Zinken musst du darauf achten, dass die schmale Seite nach außen zeigt. Die breite Seite sollte dann logischerweise nach innen zeigen.

Zu kompliziert?

Dann versuch es doch mal mit Fingerzinken. Diese Verbindung kann man leichter anreißen und ausarbeiten. Und die Fingerzinken sehen auch sehr gut aus. Lies dir einfach diese Anleitung durch.

Schritt 7: Brettstärke anzeichnen

Dieser Schritt ist einfach und schnell gemacht. Zeichne die Brettstärke von der Außenkante des Brettes her an:

zinkenverbindung-brettstärke

Brettstärke anzeichnen

Hierfür würde ich auch wieder ein Streichmaß empfehlen. Damit lassen sich alle nötigen Bretter schnell und präzise anreißen.

Diese Markierung ist auf beiden Seiten notwendig um die exakte Tiefe der Schwalbenschwanz Verbindung herstellen zu können.

Beim Ausarbeiten sollte man lieber etwas weniger abtragen und Stück für Stück nachbearbeiten.

Schritt 8: Alle Schwalben und Zinken anzeichnen

Und zum Schluss werden alle relevanten Linien miteinander verbunden:

 

zinkenverbindung-schwalben-zinken

Bei diesem Schritt werden alle Linien umgewickelt. Zum jetzigen Zeitpunkt hast du wahrscheinlich einige Hilfslinien auf dem Brett. Damit du nicht durcheinander kommst, empfehle ich dir die relevanten Hilfslinien bzw. Risse zu schraffieren.

Alle relevanten Hilfslinien sind jetzt vorhanden um eine perfekte Zinkenverbindung herstellen zu können.

Im besten Fall sieht das Ganze dann so aus:

zinkenverbindung-zinken-schwalben

Möglichkeit 2: Zinkenberechnung

Bei der Festlegung der Zinken gibt es noch eine andere Möglichkeit:

Beispiel:

\frac{170 mm}{15 mm}=11,3 (Zinken)

Die 11,3 wird in diesem Fall auf 11 abgerundet.

Jetzt teilen wir die Brettbreite durch die Anzahl der Zinken:

\frac{170 mm}{11 Zinken}=15,4mm

Unsere Zinkenbreite beträgt also 15 mm mit einem Restüberstand.

Berechnung der Außen- bzw. Eckzinken

Die Außenzinken werden hier gleichmäßig aufgeteilt. Logischerweise werden die Zinken jetzt etwas kleiner als die „normalen“ Zinken.

Wie berechnet man das?

Dazu teilt man die Zinke durch zwei und teilt den errechneten Restüberstand gleichmäßig auf beide Außenzinken auf.

Oder: 1/2 Zinkenbreite + 1/2 Restüberstand = Breite der Außenzinke

Das würde dann für unser Beispiel so aussehen:

 \frac{15}{2}=7,5 (Halber Zinken)
 \frac{4}{2}=2 (Halber Restueberstand)

Und fertig ist der Außenzinken: 9,5 mm

Hinweis!
Dieser wird auch halber Zinken genannt. Aber nicht weil dieser halbiert wird, sondern weil es nur eine halbe Schräge gibt.

Diese Zeichnen wir wie im obigen Beispiel an und fertig sind die Zinken.

Ich persönlich bevorzuge jedoch die erste Variante.

Fazit

Eine Zinkenverbindung herzustellen ist nicht schwierig. Man braucht zwar etwas Zeit und Ausdauer, aber die Ergebnisse lassen sich sehen. Vor allem beim Anreißen und Ausarbeiten sollte man sich Zeit lassen.

Für sichtbaren Bauteilen ist das eine sehr schicke und elegante Methode um Eckverbindungen herstellen.

Du suchst nach weiteren Methoden um Holz zu verbinden? Dann empfehle ich dir den Artikel zum Thema Holzverbindungen.

Ist dir das zu kompliziert? Dann versuch es doch erstmal mit den Fingerzinken. Diese sind auch sehr elegant und sind sehr viel leichter herzustellen.



Kommentare

Simone Goller 13. November 2018 um 12:57

Hallo Samuel,
danke für Deine tolle Webseite! Derzeit recherchiere ich über die Holzständerbauweise, da ich ein Buch übersetze und mir leider nur wenig Begriffe aus diesem tollen Handwerk geläufig sind. Da wolle ich dich fragen: Wie könnte ich die Eckverbindungen mit den Zinken und Schwalben nennen, gibt es dafür einen Fachbegriff oder würdest du einfach sagen, das sind Ecken mit Zinkenverbindungen? Liebe Grüße und Danke für Deine Hilfe! Simone

Antworten

Samuel Schneider 14. November 2018 um 18:59

Hallo Simone,

meinst du die Verbindung an einer Schwelle? Dann meinst du vielleicht das französische Blatt (oder auch Druckblatt bzw. schräges Eckblatt)? Siehe hier oder hier.

Antworten

Gideon 28. September 2017 um 5:54

Guten Morgen,

Ich bin ein Tischlerazubi und mein Meister möchste das ich ihm folgende Frage beantworte: wieso und weshalb wird die Zinkenteilung 1:7 bei Hartholz und 1:6 bei Weichholz angewandt, des weiteren hab ich im Netz gesehen das dies auch umgedreht wird ( 16: Harthilz 1:7 Weichholz). Hoffe das du die Antwort weißt.

Die seite is gut, solche findet man selten im Netz, weiter so.

Antworten

Samuel Schneider 3. November 2017 um 22:22

Hi Gideon,

wow schon so lange her und ich hab immer noch nicht geantwortet. Das lag an zwei Sachen: hier ist grad sehr viel los und ich konnte deine Frage auf Anhieb nicht beantworten.

Ich hab sogar mit zwei Tischler-Kollegen über das Thema geredet, aber auch da keine Antwort gefunden. Wir nutzen immer einen Winkel von 1:6 und im Grunde merkt man den einen Grad bei einer Dicke von ca. 2cm fast gar nicht. Oder was hast du herausgefunden?

Antworten

Wolfgang 18. August 2017 um 9:47

Hallo , ich möchte gern eine Wiege bauen bei der 3 von 4 Korpusseiten schräg auseinander laufen. Diese sollen mit Schwalbenzinken verbunden werden. Wie Muß ich die Zinken an den beiden “schrägen“ Ecken sägen? Die Schrägen liegen bei 40cm Brettbreite auf 10cm Winkel. So wie es hier erklärt wird oder muß ich den Winkel verändern?
Du hast hier eine tolle Webseite erstellt. Sehr informativ und lehrreich. Hut ab dafür.

Antworten

Samuel Schneider 18. August 2017 um 16:39

Hallo Wolfgang,

was du wahrscheinlich suchst, nennt sich Trichterzinkung. Dafür habe ich noch keine Anleitung, aber in Google wirst du bestimmt fündig.

Und danke für das Lob, ich wünsch dir viel Erfolg!

Antworten

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