5 Tipps: Zapfenverbindung fräsen/herstellen

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Zapfenverbindung herstellen

Zapfenverbindungen sind im Holzbau und um Fachwerkbau sehr beliebt.

Wie fräst man solche Verbindungen ordentlich heraus? Wie stellt man eine Zapfenverbindung her? Was für Werkzeuge werden benötigt? Und: welche Alternativen gibt es? Diese Fragen gehe ich in diesem Beitrag näher auf den Grund. Ein Tipp wird dich besonders interessieren…

Eine Übersicht der wichtigsten Holzverbindungen findest du übrigens hier: baubeaver.de/holzverbindungen/

Tipp 1: Zapfenverbindungen richtig fräsen – welches Werkzeug solltest du parat haben?

Um eine ordentliche Zapfenverbindung auszufräsen sind in der Regel nicht sehr viele Werkzeuge nötig. Die Arbeitsschritte sind mit folgenden Utensilien recht einfach durch zu führen:

  • Handkreissäge (Alternativ eine Japansäge oder eine Gestellsäge)
  • Kettenstemmer (Alternativ: eine Bohrmaschine/Akkuschrauber mit einem Astflickbohrer/ Fortsnerbohrer)
  • Stecheisen
  • Hammer
  • Schraubzwinge
  • Meter
  • Bleistift

Mit diesen 7 Werkzeugen lassen sich also schöne Holzverbindung herstellen. Während du den Kettenstemmer hauptsächlich zum fräsen der Zapfenlöcher benötigst, ist die Handkreissäge für die Ausarbeitung des Zapfen vorgesehen.

Tipp

Vor allem beim Stecheisen solltest du darauf achten, dass es sehr scharf ist. Du kannst einen kleinen Test durchführen indem du ein Papier nimmst und versuchst das mit dem Stecheisen durchzutrennen. Gelingt es? Dann ist es scharf genug.

Tipp 2: Die richtige Holzdimension

In der Regel kommt das BSH (Brettschichtholz) oder das KVH (Konstruktionsvollholz) in einer größe. Dadurch das die Hölzer in der Sägerreich bearbeitet wurden, müssten die Dimensionen immer identisch sein. Durch die Holzfeuchte die maximal 20% haben dürfte, verändert sich am Holz eher wenig.

Trotzdem solltest du die Dimensionen überprüfen. Wenn du zum Beispiel eine Schwelle mit 14cm Breite hast und die Pfosten haben eine Breite vob 13,5cm dann wirst du Probleme bekommen. Wenn du zum beispiel eine Wand beplanken willst, dann würde dadurch eine Unebenheit entstehen. Zwar ist das nicht sehr viel, aber immerhin.

Schlimmer wäre es, wenn die Balken sichtbar bleiben. Zum Beispiel bei einem Balkon.

Um das vorweg zu nehmen: die Arbeitsschritte gehe ich mit einem Fichtenbalken durch. Eiche und anderes Hartholz ist nicht nur teuer, sondern wird kaum noch im Bau verwendet. Es sei denn da hat jemand zu viel Geld. 😉

Tipp

Es ist wichtig das die Hölzer die gleichen Dimensionen haben. Vor allem in sichtbaren Bauwerken kommt es auf Millimeter an.

Tipp 3: richtig Anreisen muss gelernt sein

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie oft wir das in der Ausbildung (und natürlich später auf dem Bau) geübt haben: richtig anreißen.

Anreißen: früher haben die alten Zimmererleute die Holzbalken mit einer Reißnadel gekennzeichnet. Metaller nutzen das noch heute. Der Begriff „anreißen“ meint also: Balken anzeichnen. Wo wird etwas ausgestemmt, abgesägt, angesägt usw.

Was solltest du beim anreißen beachten?

Zuerst musst du eine Bundseite wählen. Die Bundseite ist (in der Regel) die schönste Seite eines Balkens. Der Schritt ist besonders wichtig, wenn du eine sichtbare Kontruktion hast.

Warum?

Je nach Holzdimensionen passen die Bauteile nicht sauber. Wenn du jedoch deine Maße immer von der Bundseite einmisst, dann passt zumindest immer eine Fläche. Eine Bundseite kann sollte so kennzeichnen:

bundseite-zapfenlöcher-fräsen-herstellen

Die Zapfenbreite beträgt 1/3 der Holzstärke. Ist dein Balken 13cm stark, dann wäre deine Zapfenbreite 4cm dick. Falls du jedoch sehr viele Zapfen austemmen musst, solltest du darauf achten, dass dein Werkzeug zum Zapfenloch passt.

Beispiel: du nutzt einen Kettenstemmer, der 4,5cm ausfräst, dann solltest du das auch am Zapfen anpassen. Um ganz sicher zu gehen, wie viel zum Beispiel der Kettenstemmer oder der Astflick ausfräst, würde ich einfach ein Abfallstück probeweise ausfräsen und das genaue Maß abnehmen. Wenn dein Astflick genau 4 cm ausbohrt, würde ich meinen Zapfen ebenfalls 4 cm stark lassen. Dieser Schritt ist wichtig – ansonsten musst du unnötigerweise viel von Hand ausstemmen bzw. nacharbeiten.

Wenn du es besonders schick machen willst, kannst du den Zapfen einlassen. Also einfach längs noch ca. 1-1,5cm abschneiden. Der sogenannte „abgesteckt Zapfen“:

Zapfenverbindung herstellen

Das selbe solltest du dann natürlich auch am Zapfenloch vornehmen. Diesen Tipp solltest du vor allem bei sichtbaren Holzkonstruktionen anwenden. Bei nicht sichtbaren Bauteilen ist das eher Zeitverschwendung.

Tipp

Selbst bei Hölzern die scheinbar ordentlich gehobelt wurden, solltest du den Winkel und das Einmessen immer von der Bundseite aus vornehmen. Das ist wichtig. Und achte darauf dass dein Bleistift sauber gespitzt ist. Überprüfe nochmal alle Maße.

Tipp 4: die Kunst an der Handkreissäge

Nachdem du also alle Bauteile ordentlich angerissen hast, geht es ans ausarbeiten (oder wie es im Fachchargon heißt: abbinden, das kommt vom Wort „Abbund“).

Musst du nur einige Zapfen ausarbeiten, dann genügt es ein Balken nach dem anderen ab zu arbeiten. Bei mehreren Bauteilen, lohnt es sich alle Balken mit einem großen Schraubzwinge oder einem Spanngurt zusammen zu zurren. Wichtig hierbei ist: miss mit einem Winkel ob alle Balken auch Parallel zueinander liegen. Alternativ kannst du dir einfach die parallel Längen ausmessen. Diese sollten identisch sein.

Das hat den Vorteil, dass man einen einzigen Schnitt für mehrere Bauteile durchführen muss. Ohne jedes einzelnen Bauteil in die Hand zu nehmen. Diesen Schritt kannst du mit allen 4 Seiten machen.

Das selbe könnte man auch an der Stirnseite durchführen.

Wichtiger Hinweis beim Stirnseiten Schnitt: Achte darauf, dass das Sägeblatt 1-2 mm höher eingestellt ist. Wenn das zu tief eingestellt ist, dann kann es am sichtbaren Bereich spuren hinterlassen. Das wäre vor allem bei der Massenanfertigung sehr ärgerlich.

Tipp

Die Kreissäge exakt einstellen. Bei vielen Bauteilen, die einzelnen Bauteile zusammenschnüren.

Tipp 5: den Zapfen fasen

Beim aufrichten ist es extrem wichtig, dass alles reibungslos abläuft. Wenn irgendwo etwas nicht passt oder ein Zapfen will nicht so passt wie es sein sollte, wird man über diesen Tipp sehr dankbar sein: An der nicht zu belastende Fläche solltest du den Zapfen abfasen.

Was ist die „nicht zu belastende Fläche“? Bei einem Zapfen an einer Balkenlage ist das Beispielsweise die kurze Fläche des Zapfen. Hier hat man keine Kräfte am wirken.

Warum darf man nicht rings herum eine Fase setzen?

Weil die Druckflächen der breiten Flächen schon sehr niedrig ist. Würde man hier noch mehr abtragen, könnte der Balken leichter verrutschen. Das Abfasen an der kurzen Fläche (in diesem Beispiel) hat den Vorteil, dass man es beim einführen des Zapfens in das Zapfenloch leichter hat.

Tipp

Den Zapfen abfasen.

Fazit

Eine Zapfenverbindung herstellen ist nicht schwer. Gutes Werkzeug und eine gute Planung ist das A und O. Beim Zapfen fräsen muss man lediglich darauf achten, dass man die richtige Größe auswählt. Und beim herstellen der Zapfen solltest du wach sein und gut mitdenken.

Ich habe etliche Zapfenlöcher hergestellt. Das ist eine schöne Arbeit. Hier gibt es übrigens viele weitere Möglichkeiten und Alternativen wie man einen Pfosten mit einer Schwelle verbinden kann. Die wichtigste Verbindung für Pfosten und Schwellen sind jedoch die Zapfenverbindungen.

26 Gedanken zu “5 Tipps: Zapfenverbindung fräsen/herstellen”

  1. Ich und mein Onkel haben letzte Woche versucht so eine Zapfenverbindung zu fräsen. Mein Onkel will mir nämlich beibringen sämtliche Fräsearbeiten selbst durchzuführen. Aber er sagt ich arbeite immer ungenau. Wenigstens liegt es nicht am Verständnis.

  2. Ich beschäftige mich noch nicht so lange mit Holzarbeiten und will mir erst einmal einen schönen Werktisch bauen (200×80). Das Grundgerüst soll aus Kanthölzern 8×8 cm sein. Bei den Eckpfosten würde der Zapfen (wenn ich richtig rechne) nur 2,6 cm eingelassen werden. Reicht das als Auflage?
    Danke für die Antwort.

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Die Tipps direkt aus der Zimmerei sind die Besten. Ich komme hier gerne vorbei, um mir neue Tipps zu holen.

  4. Ich habe einen Oberfräsen Grundkurs bei Dictum seit kurzen hinter mir. Fällt dir eine Möglichkeit ein Muster Frormen einfach zu fertigen die ich mit einer Kopierfräse schneller erstellen kann? Denn frei Hand zu Fräsen wird nicht so genau.

  5. Hallo. In deinem Tip „Zapfenverbindung fräsen/herstellen“ erwähnst Du einen „Astflikbohrer“ als Alternative zum Kettenstemmer. Leider finde ich nirgends was über einen solchen Bohrer. Kannst Du mir sagen wo ich solch einen Bohrer bekomme bzw. auch wie er aussieht??? Schonmal vielen Dank für Deine Info, Deine WebSeite gefällt mir wirklich gut…
    schönen Gruß
    Frank Reimann

  6. Hallo,
    warum sollte der Zapfen 1/3 der Holzstärke haben? Kann man den Zapfen auch breiter machen oder hat das irgendwelche Nachteile? Er bietet doch dann mehr Druckfläche und somit wird die Traglast erhöht – oder?
    Liebe Grüße

    • Hallo Marco

      der Zapfen soll ja nicht die Drucklast aufnehmen, sondern „nur“ die Scherkräfte. Der Zapfen liegt nicht auf dem Zapfenloch auf, sondern die Fläche des Pfostens. Und würde man es breiter machen, dann verliert man erst Recht die Stabilität.

      Entschuldige die späte Antwort, zur Zeit ist hier viel los.

  7. Hallo Samuel,
    sehr hilfreiche Erläuterung, vielen Dank für die Veröffentlichung!
    Eine Frage ist für mich noch offen: Wie bestimmt man die Tiefe eines Zapfens?

    • Hi Christian,

      das ist im deutschen Raum unterschiedlich. Ein 4 cm langer Zapfen und ein 4,5 cm tiefer Zapfenloch ist aber mehr als ausreichend. Im Modellbau kann man das natürlich wesentlich kleiner machen. Hier gibt es aber keine klare Regel.

  8. Hay, klasse Seite
    Ich suche eine Darstellung von einem Eckblatt mit einer aufgesetzten gezapften Verbindung, also- x-y-z Achse wobei in der x-y-Ebene die Überberblattung liegt.
    Habe ich da etwas übersehen?

  9. Hi,

    zum Thema den „Zapfen farsen“. Ich dachte ich könnte ganz gut Deutsch….aber farsen finde ich nicht mal über Google… Meintest Du den Zapfen anfasen bzw. die Kante brechen?
    Hilf mir mal auf die Sprünge, wo kommt das Wort den her und was bedeutet es?

    Danke,
    Axel

  10. Hallo Samuel,

    als Anfänger, hilft mir deine Zusammenfassung, sehr. Ich stehe genau vor dieser Aufgabe und weil ich natürlich kein Kettenstemmer besitze, wollte jetzt eine Alternative für den Zapfenloch ausprobieren. Allerdings weiß ich nicht, was ein „Astflikbohrer“ ist. In dem Fall hat Google auch nicht helfen können 🙂 . Mein Vorhaben: 2x Brettschiftholz 100×100 mm als Zapfen T-Verbindung zu erstellen. Danke für die Zusammenfassung!

  11. Danke bin grade in der 7. Klasse und haben bald in Technik eine KA – Arbeit. Daher ich nicht das ganze zeugs habe für die Arbeit habe ich diese Seite gefunden.Hat mir sehr weitergeholfen

    • Hi Oskar,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das freut mich sehr. Falls du irgendetwas brauchst oder ich deinem Lehrer Schulmaterial liefern soll: sehr gerne! Meld dich einfach…

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