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Lindenholz

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Kaum ein Baum ist so eng mit Brauchtum und Mythologie verknüpft wie Tilia, die Linde. Seit Jahrhunderten wurde unter Lindenbäumen Gericht gehalten, es gab Tanz- und Kirchlinden und die Bäume galten allgemein als Schutzsymbol. Schnitzereien aus Lindenholz fanden sich nahezu in jeder Kirche.

Jeder noch so kleine Ort hatte seine Linde. Schon lange vor Telefon und Internet wurde sie als wichtige Kommunikationszentrale und Versammlungsstätte in der Mitte des Dorfes angesehen. Man traf sich dort auf einen Plausch und ging mit den neuesten Informationen wieder nach Hause. Insbesondere für Verliebte war die Linde der Anlaufpunkt Nummer Eins.

Fakt 1: Vorkommen und Eigenschaften

In Europa existieren insgesamt drei Lindenarten: Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die Winterlinde (Tilia cordata) sowie eine Kreuzung der beiden – die holländische Linde (Tilia x europaea). Letztere wird allerdings als reiner Park- und Straßenbaum kultiviert und wird nicht als Nutzholzlieferant gebraucht.

Die Winterlinde deckt mit ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet Nord-, Mittel- sowie Osteuropa ab, wobei der Ural und das Schwarze Meer die Verbreitungsgrenze bilden. Die Sommerlinde übernimmt den südlichen Teil Europas bis zum Kaukasus und den deutschen Mittelgebirgen im Norden. Beide Arten werden jedoch in ganz Europa als Holzlieferant kultiviert, wobei die Winterlinde ein etwas härteres und dichteres Holz liefert.

Wusstest du schon? Linden eignen sich sehr gut als Stadtbäume, da sie recht unempfindlich in Bezug auf Krankheiten und Schäden ist. Außerdem kann sie mit Stammverletzungen gut umgehen und gilt als tolerant und anspruchslos.

Linden können 25 bis 40 Meter hoch werden, wenn sie im Bestand wachsen – freistehend erreichen sie keine solchen Höhen. Stattdessen gehen sie mehr in die Breite und bilden wunderschöne Baumkronen und Wuchsformen aus. Natürlich ist ein Baum dieser Wuchsform mit seinem kurzen Stamm für die Holzverarbeitung nicht weiter nutzbar und sieht einfach nur dekorativ aus. Die Bäume werden hunderte von Jahren alt, einige wenige sogar bis zu 1000.

Wusstest du schon? Früher dienten Linden oft als Tanzbäume, das Parkett befand sich teilweise sogar direkt im Geäst des Baumes. Durch seine herzförmigen Blätter galt der Baum in der Vergangenheit als Symbol für die Liebe.

Technische Daten

  • Dauerhaftigkeitsklasse: 5 (nicht dauerhaft)
  • Rohdichte: 0,53 g/cm³
  • Druckfestigkeit: 44 – 52 N/mm²
  • Biegefestigkeit: 90 – 106 N/mm²
  • Scherfestigkeit: 4,5 N/mm²
  • Zugfestigkeit: 85 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: 7.400 N/mm²

lindenholz-bauteil-schnitzereiFakt 2: Verwendung

Lindenholz ist von sehr weicher, zähler Qualität und besitzt eine dichte Struktur. Es splittert nicht, daher eignet es sich hervorragend zum Schnitzen und Drechseln. Es kann in jeder Richtung bearbeitet werden und Sägen sowie Hobeln klappt mühelos.

Die Verwendungsmöglichkeiten sind zahlreich und von Haushaltsgeräten bis hin zu Bilderrahmen und Spielzeug (beispielsweise Marionettenpuppen) werden viele Dinge aus Lindenholz gefertigt. Üblich sind auch Frontpartien von Kuckucksuhren, Holzpantoffeln, Zeichenbretter und Holzköpfe für Hutmacher. Auch die charakteristischen Stuhllehnen im Münchner Hofbräuhaus sind aus Lindenholz geschnitzt.

Wusstest du schon? Schon seit dem Mittelalter finden sich in vielen Kirchen zahlreiche sakrale Kunstwerke aus Lindenholz, die ihm den Namen „Lignum Sacrum“ (heiliges Holz) einbrachten. Nach wie vor wird Lindenholz für das Schnitzen von Krippenfiguren, Kreuzen und Heiligenbildnissen verwendet.

Da das Holz gewöhnlich von Holzwürmern gemieden wird, kann es auch gut zum Bau von Instrumenten eingesetzt werden. Klaviertastaturen, Harfen sowie die Zungen von Orgelpfeifen sind oft aus Linde, einige Gitarrenmodelle haben einen Korpus aus Lindenholz. Auch Zeichner schätzen die Linde sehr, denn aus ihrem Holz kann man ausgezeichnete Zeichenkohle machen.

Aufgrund der geringen Dauerhaftigkeit wird Lindenholz ausschließlich im Innenbereich eingesetzt. Oft verwendet man es als Absperrfurnier oder Blindholz bei der Herstellung von Möbeln, sowie als Nussbaumimitation.

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Fakt 3: Maserung

Am Holz sind die verschiedenen Lindenarten nicht voneinander zu unterscheiden. Alle Linden besitzen helles Kernholz ohne farbliche Absetzung zum Splintholz. Manchmal besitzt das weiß-gelbliche Holz eine rötliche Tönung, sowie grünlich gefärbte Bereiche. Die Jahresringe sind nur schwach erkennbar. Im Vergleich zu anderen Holzarten wirkt das Lindenholz recht einheitlich und zeichnet sich nur durch einen schwachen Seidenglanz aus.lindenholz-maserung

Fakt 4: Schwindung und Trocknung

Lindenholz zählt zu den stärker schwindenden Hölzern. Um Risse zu vermeiden, muss das Holz sehr langsam und sorgfältig getrocknet werden. Wenn Du die Rinde erst nach der Trocknung entfernst, vermeidest du Seitenrisse. Bei Feuchteschwankungen ist getrocknetes Lindenholz stabil und arbeitet generell wenig.

  • Axiales Schwindmaß 0,3 %
  • Radiales Schwindmaß 5,5 %
  • Tangentiales Schwindmaß 9,1 %

Fakt 5: Beständigkeit und Qualität

Aufgrund seiner Eigenschaften wird Lindenholz als nicht dauerhaft eingeordnet. Für den Außenbereich ist es ungeeignet, da sich bei Nässe Pilze darauf ansiedeln und es im Sonnenlicht unschön vergilbt. Bei Kontakt mit Metall entstehen in Verbindung mit Feuchtigkeit grauschwarze Verfärbungen.

Es ist zwar möglich, das Holz zu spalten, allerdings entstehen dadurch keine glatten Flächen. Ansonsten kannst Du Lindenholz problemlos verarbeiten – Du kannst es ohne Mühe messern, schälen, schnitzen, drechseln, hobeln, schneiden und biegen. Mit allen diesen Möglichkeiten eignet es sich hervorragend für Modellbau und Schnitzarbeiten. Auch mit dem Polieren, Einfärben und Beizen hast Du Deine Freude, dieses Holz ist gleichmäßig feinporig und macht alles mit. Nägel und Schrauben halten zur Verbindung gut, allerdings ist das Verleimen etwas schwierig.

Fakt 6: Pflege

Unbehandelte Schnitzereien aus Lindenholz sollten drinnen bleiben, im Außenbereich leiden sie durch Temperaturschwankungen und Sonne. Auch sollte sich die Feuchtigkeit in Grenzen halten, sonst leidet Deine Schnitzerei. Ansonsten ist dieses Holz pflegeleicht und braucht nur nach Bedarf abgestaubt werden. Dazu genügt ein weiches Tuch oder ein Pinsel.

Fazit

Lindenholz bietet sich überall dort an, wo ein weiches, sauber zu bearbeitendes Holz verlangt wird, das man gut färben kann. Für Schnitzereien ist es der ideale Rohstoff und ist als Rund- und Schnittholz im Handel erhältlich. Auch kann es problemlos über das Internet bestellt werden.

Aus Kunst und Geschichte ist die Linde und ihr Holz nicht wegzudenken, sie wird für immer in der Kultur Europas fest verwurzelt bleiben.



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