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Kirschbaumholz

Kirschbaumholz

Kirschbaumholz

Kirschbaumholz gehört zu den Edelhölzern. Es wird schon seit mehreren Hundert Jahren in bevorzugter Weise für den Innenausbau und Möbelbau verwendet. Besonders in den Stilarten Louis-Seize, Biedermeier und Jugendstil vom Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, sind viele kunstvoll gefertigte Möbel bis zur Gegenwart erhalten geblieben.

Diese wertvollen Antiquitäten zeigen in eindrucksvoller Weise, welche Schönheit Kirschbaumholz entwickeln kann und wie gut es bei entsprechender Pflege überdauern kann. Auch in heutigen Zeiten ist das rötlich-braune Kirschbaumholz sehr beliebt. Dieses gilt sowohl für die industrielle Herstellung als auch für Einzelanfertigungen und Design-Möbeln von Profi- und Hobbyhandwerkern.

Fakt 1: Vorkommen und Eigenschaften

Das in Europa sehr verbreitete Kirschbaumholz entstammt der Gattung Prunus avium. Diese Kirschholzart ist bis in die Türkei, den Kaukasus und den Irak weit verbreitet. Diese Holzart wird auch als Süßkirsche oder Vogelkirsche bezeichnet. Insgesamt gibt es nahezu 200 verschiedene Kirschbaumarten, die in gemäßigteren Breitengraden wachsen. So wurden Kirschbaumarten auch in Nordamerika, Nordafrika, Vorderindien bis nach Japan angesiedelt und kultiviert. Eine bekannte Kirschbaumart aus Nordamerika wird nach Europa importiert, die „Black Cherry“ oder Prunus serotina.

Japanische und tibetische Kirschenarten werden hauptsächlich als Zierbäume gepflanzt. Dies sind zum Beispiel: die Tibet-Kirsche, die Bergkirsche, die Yoshino-Kirsche, die Sargents-Kirsche und die Japanische-Kirsche. Diese Kirschbäume werden oftmals in Parks und Gärten aufgrund ihrer üppigen weißen und rosafarbenen Blütenpracht angepflanzt, wie beispielsweise für das weltberühmte Hanami, das japanische Kirschblüten-Fest. Neben den kultivierten Kirschpflanzen gibt es viele verschiedene Mischarten und Wildpflanzen. Selbst bei den kultivierten Kirschbäumen existieren viele Arten, deren Herkunft und Ursprungspflanze aufgrund der langen Anbauzeit nicht mehr bekannt sind.

Wusstest du schon?

In der Gattung Prunus sind viele bekannte Obstbäume, Kultur- und Zierpflanzen versammelt, wie beispielsweise

  • Prunus cerasifera – die Kirsch-Pflaume, ein bis zu 8 Meter hoher Baum, der in Südeuropa häufig vorzufinden ist. Er stammt ursprünglich von der Krim und der Balkanhalbinsel;
  • Prunus persica – der sehr beliebte und häufig angepflanzte Pfirsichbaum, sein Ursprung liegt in China.
  • Prunus armeniaca – die Aprikose, der ursprünglich aus Zentralasien stammende Baum wird kultiviert häufig in Südeuropa angebaut, die Pflanze erreicht eine Höhe bis zu 10 Meter;
  • Prunus spinosa – Schlehe oder Schwarzdorn, dieser Baum wird bis zu 6 Meter hoch und ist an Waldrändern und Feldern häufig in ganz Europa häufig vorzufinden;
  • Prunus dulcis – der in der Region rund um das Mittelmeer häufig vorzufindende und kultivierte Mandelbaum.

Weitere Obstbaumarten aus der Gattung Prunus sind zum Beispiel Pflaumenarten, wie die Kultur-Pflaume oder Prunus domestica, verschiedene Mirabellen-Arten, die Sauerkirsche oder auch Kirschlorbeer und Andere. Die aus Nordamerika importierte „Black Cherry“ wird in Europa als Traubenkirsche angebaut.

Die Süß- oder Vogelkirsche (Punus avium), die oftmals als Holzlieferant für Kirschbaumholz dient, kann bis zu 30 Meter Höhe erreichen. Sie verfügt in den meisten Fällen über eine große gewölbte Baumkrone mit stark ausladenden Ästen. Die Astfreiheit liegt zwischen 5 Meter (bei kleineren Bäumen) bis zu ungefähr 10 Meter und höher. Von April bis Mai stehen die sommergrünen Kirschbäume dieser Art in voller Blüte. Unter den Kirscharten sind aber auch immergrüne Pflanzen zu finden. Der Stämme der Süßkirsche können zwischen 30 cm bis zu 100 cm Durchmesser erreichen. In einem Alter von ungefähr 70 Jahren werden die meisten Kirschbäume gefällt. Sie können ein Höchstalter von ungefähr 100 Jahren erreichen.

Technische Daten (Punus avium):

  • Dauerhaftigkeitsklasse: 3 bis 4 – mäßig bis wenig dauerhaft, Dauerhaftigkeitsklasse 3 (mäßig dauerhaft) bei Pilzbefall
  • Rohdichte (14% Holzfeuchte): 603 kg/m³
  • Druckfestigkeit liegt bei 98 N/mm²
  • Biegefestigkeit 98 N/mm²
  • Scherfestigkeit: 14,8 N/mm²
  • Zugfestigkeit: 45-55 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: 10.000 N/mm²

Fakt 2: Verwendung

Die Verwendung von Kirschbaumholz ist bis in die Gegenwart sehr vielfältig. Neben dem Möbelbau wird Kirschbaumholz von jeher sehr häufig für Decken- und Wandvertäfelungen, Furniere, Bodenparkett, Intarsienarbeiten und vieles andere verwendet. Auch kleine Wohnaccessoires, wie Schmuckschatullen und verzierte Kästen, Holzvasen, Holzskulpturen und kunsthandwerkliche Gegenstände werden aus Kirschbaumholz gern angefertigt. Da es sich sehr gut Drechseln und Schnitzen lässt, sind vielfältige Verzierungen an Möbeln oder der Innenausstattung aus Kirschbaumholz gefertigt. Oberflächen aus dem feinporigen Holz lassen sich sehr gut bearbeiten. Sie werden sehr glatt und entfalten durch ein Polieren einen schönen Glanz. Weiterhin findet Kirschbaumholz Verwendung im Instrumentenbau. So werden beispielsweise Holzblasinstrumente oder Klaviere aus Kirschbaumholz hergestellt. In der Autoindustrie wurde bis heute hochwertiges Kirschbaumholz gern für die Armaturenbretter von exklusiven und wertvollen Fahrzeugmodellen eingesetzt.

Durch diese hervorragenden Eigenschaften und ein gestiegenes Interesse von Käufern an hochwertigen Massivholzmöbeln ist das Kirschbaumholz auch bei modernen Möbeldesignern in seiner Beliebtheit wieder sehr gestiegen. Zu den bedeutendsten historischen Stilepochen, in denen Möbel besonders bevorzugt aus Kirschbaumholz gefertigt wurden, gehören

  • Louis-Seize – benannt nach dem französischen König Ludwig XVI., ungefähr in der Zeit von 1760 bis 1790,
  • Biedermeier – von 1815 bis 1848,
  • Jugendstil – um die Jahrhundertwende vom 19. und 20. Jahrhundert,
Wusstest du schon?
Kirschbaumholz ist als Edelholz entsprechend kostspielig. Aus diesem Grund wird es oftmals durch andere Holzarten gern imitiert. So können beispielsweise Birkenholz und andere schnellwüchsige kostengünstigere Holzarten für die Imitationen eingefärbt werden. Birkenholz lässt sich sehr gut beizen und kann so den für das Kirschbaumholz typischen rötlichen Farbton sehr gut annehmen. Allerdings lässt sich echtes Kirschbaumholz an einem schönen goldenen Farbton und Glanz erkennen, der mit dem Alter des Holzes eine gewisse „Tiefe“ gewinnt. Auch die Maserung des Kirschbaumholzes ist oftmals ausgeprägter als bei den Holzarten, die zur Imitation verwendet werden. So können kleine gold- und roséfarbene Holzstrahlen das Kirschbaumholz durchziehen, die gut zu erkennen sind.
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Fakt 3: Maserung

Maserung des Kirschbaumholzes

Maserung des Kirschbaumholzes

Das Splintholz des Kirschbaumholzes ist hellgelblich-weiß und setzt sich recht deutlich von dem rötlich-braunen Kernholz ab. Die Jahresringe können ausgeprägt sein und haben häufig eine grünliche und graue Abgrenzung. Porenringe sind bei jungem Kirschbaumholz sehr dicht beieinander zu finden. Bei späterem Holz können sie sich locker im Holzgewebe verteilen. Das Kirschbaumholz wird auch als „halbringporig“ bezeichnet und erhält hieraus einen großen Anteil seiner schönen Maserung. In dem Frühholz ist eine deutliche Abgrenzung der Jahresringe zu erkennen. Bei Längsschnitt sorgt diese für eine besonders schöne Zeichnung und Fladern des Holzes. Gleichmäßig verteilte und sehr gut sichtbare Holzstrahlen prägen das Erscheinungsbild des Kirschbaumholzes als sehr charakteristisch für diese Holzart. Einlagerungen oder dunklere Holzeinschlüsse können für feine dunklere Linien sorgen.

Fakt 4: Schwinden und Trocknung

Das Holz des Kirschbaums gilt als etwas stärker schwindend im Vergleich zu anderen Holzarten. Es kann sich bei zu schneller Trocknung verziehen. In der Fachsprache wird auch von „Werfen“ gesprochen. Auch die Bildung von Rissen ist möglich, wenn das Kirschbaumholz nicht sachgerecht gelagert und getrocknet wird. Zum Quellen neigt Kirschbaumholz jedoch nicht. Da es nicht witterungsbeständig ist und auch anfällig gegenüber Pilzen und Insekten, kann es bei einer Lagerung in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit oder Lagerung im Freien leicht stocken.

  • Axiales Schwindmaß (keine Angabe)
  • Radiales Schwindmaß 5,0 %
  • Tangentiales Schwindmaß 8,7 %

Fakt 5: Beständigkeit und Qualität

Kirschbaumholz gilt als ein mittelschweres, zähes bis hartes Holz mit guten Elastizitäts- sowie Festigkeitseigenschaften. Durch seine Feinporigkeit eignet es sich sehr gut für die Oberflächenbearbeitung. Für die Herstellung von Möbeln ist das Holz auch aufgrund seiner schönen rötlichen Farbe und seinem seidigen Glanz beliebt. Durch den Einfluss von Licht verändert sich die Holzfarbe im Lauf der Zeit und lässt auch sehr alte Möbelstücke auf den ersten Blick sehr wertvoll erscheinen. Kirschbaum ist ein Kernholz, dessen Kern sich vom Splintholz farblich unterscheidet. Die Farbe des Kirschbaumholzes kann in jungen Jahren von hell-gelblich-rötlich bis hell-rötlich-braun und später zu dunkel-rötlich-braun reichen. Auch einen schönen Goldton kann das edle Kirschbaumholz annehmen. Einen sehr dunklen rot-braunen Mahagoni-Farbton kann Kirschbaumholz mithilfe einer chemischen (alkalischen) Behandlung annehmen. Durch die Feinporigkeit des Holzes lässt es sich gut beizen und somit farblich beeinflussen.

Kirschbaumholz lässt sich sehr gut bearbeiten, wie beispielsweise Sägen, Schleifen, Hobeln, Messern, Schälen, Drechseln und Schnitzen. Auch zum Lackieren und Polieren eignet sich das Holz gut. Das Zusammenfügen der Holzteile durch Verleimen bringt keine Probleme mit sich. Nägel oder Verschraubungen halten bei Kirschbaumholz gut. Jedoch neigt das Holz bei Berührungen mit Metall, beispielsweise Eisen, zu Verfärbungen. Die verwendeten Nägel oder Schrauben sollten entsprechend geeignet sein. Für Konstruktionen oder Verwendungen im Außenbereich nicht gut geeignet, da es nicht witterungsbeständig und gegenüber Insekten sowie Pilzen anfällig ist.

Fakt 6: Pflege

Bei richtiger Pflege kann das atmungsaktive Kirschbaumholz Jahrhunderte überdauern. Nicht selten werden Möbel aus Kirschbaumholz in der Familie von einer Generation an die nächste Generation vererbt. Das Holz des Kirschbaums wird so sehr geschätzt, da es mit dem Alter durch die Lichtzufuhr an Schönheit gewinnt. Wie andere Hölzer auch sollte es mit entsprechenden Wachsen oder Holzölen behandelt werden. Die Wachse oder Öle, wie auch Leinöl, schützen das Holz, ohne die feinen Poren zu verschließen. Kirschbaumholz kann auch lackiert werden, verliert dann aber seine Atmungsfähigkeit.

Die Oberflächen sollten mit nur leicht feuchten Tüchern abgewischt werden. Es dürfen keine scharfen Reinigungsmittel verwendet werden. Wasser kann schnell Flecken hinterlassen. So sollte zum Beispiel auf Tischen aus Kirschbaumholz beim Abstellen von Wassergläsern immer ein Untersetzer benutzt werden, um Wasserränder zu vermeiden. Verschüttete Flüssigkeiten sollten sofort abgewischt werden. Besser ist es zur Pflege des Holzes eine entsprechende Reinigungspolitur zu verwenden. Die Reinigungspolitur kann für das Kirschbaumholz geeignete Farbstoffe enthalten, die den schönen rotbraunen oder goldbraunen Glanz des Holzes besonders schön zur Geltung bringen kann.

Fazit

Kirschbaumholz ist eine seit Jahrhunderten sehr beliebte Holzart für die Herstellung von Möbeln und Inneneinrichtungen, wie Vertäfelungen und Parkettböden. Es gehört zu den Edelhölzern. Besonders in den Stilepochen des Louis-Seize, Biedermeier und Jugendstil wurde Kirschbaumholz eingesetzt. Die schöne rotbraune Färbung und charakteristische Maserung lässt Kirschbaumholz auch in der Gegenwart nach wie vor zu einem sehr beliebten Material für vielfältige Verwendungen werden, wie zum Beispiel im Kunsthandwerk, im Instrumentenbau, als hölzerne Bestandteile im Innenraum von Edelfahrzeugen und Weiteres. Aufgrund seiner guten Eigenschaften lässt es sich sehr gut bearbeiten und ist auch für Hobby-Handwerker ein beliebter Werkstoff.



Kommentare

Tabea 30. September 2017 um 19:24

Hallo 🙂

Ich habe eine Frage. Ich baue dieses Jahr mein Abschlussmöbel und möchte gerne den Korpus mit Kirschholz furnieren. Meine Frage wäre nun, welches Holz farblich gut dazu passt, weil die ich Dehtüren und das Schubladendoppel gerne mit einem anderen Holz furnieren möchte.

Danke

Antworten

Samuel Schneider 3. November 2017 um 22:18

Hi,

Ebenholz? Schwarz-Rot Kombi geht ja immer gut.

Sorry für die späte Antwort – hier ist grad viel los.

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