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Hausbau und die Natur: Die großen Fragezeichen

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Vor ein paar Wochen klingelte mein Handy. Kein Kontakt, nur eine Nummer wurde angezeigt. Als ich abnahm, war ich ziemlich baff, denn es meldete sich mein Klassenkamerad:

Dennis aus der Berufsschule.

Den habe ich seit dem Ende der Ausbildung (boah, ist das jetzt wirklich schon sooo lange her?) nicht mehr gesehen hatte.

Natürlich lud ich ihn zu mir ein und wir redeten über Gott und die Welt. Irgendwann kamen wir auf das Thema Hausbau.

Er will ein „natürliches“ Haus bauen.

Eines, in dem nichts steckt, was ihm oder der Natur die Gesundheit demoliert. Als bekennender Fachwerk-oholiker war ich natürlich Feuer und Flamme. Und als wir Ideen sammelten, fiel uns erst mal auf, wie viele Baumaterialien rein vom ökologischen Standpunkt her ziemlich fragwürdig sind und welche Umwege man gehen muss. Schau es dir mal selbst an:

Zement

Fangen wir mal beim Grundlegendsten an, was auf wirklich jeder Baustelle mindestens im Fundament zum Einsatz kommt. Weißt Du, woraus Zement so besteht? Natürlich ist das nicht gerade, auch wenn dabei viel recycelt wird:

  • Der besteht aus diversen Silikaten und Kalk
  • Hüttensand. Das sind die fein zermahlenen Überreste aus Hochöfen
  • Ein Mix aus Vulkangesteinsarten, die mehlfein gemahlen werden sowie solche, die aus den Filtern von Kohlekraftwerken stammen
  • Gebrannter Schiefer, der wiederum aus Ölschiefer hergestellt wird

Alles davon muss abgebaut werden bzw. benötigt nicht gerade umweltfreundliche Prozesse, zum Entstehen. Besonders kritisch ist dabei der Ölschiefer. Der wird im Tagebau gewonnen und ist ebenso endlich wie beispielsweise Erdöl.

Das bedeutet also, wenn wirklich maximal ökologisch gebaut werden soll, muss Beton extrem sparsam eingesetzt werden. Denn selbst der benötigte Sand ist eine endliche Ressource, die mittlerweile sogar in Dubai importiert werden muss.

Steine

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Zugegeben, das, was die heutigen Maurer auftürmen, ist ein echtes Wunderwerk der Technik. Denn so gut wie Leichtbau- Bims- oder Porenbetonsteine dämmen, verbraucht ein so gebautes Haus schon ohne jegliche weitere Dämmung nur einen Bruchteil an Wärmeenergie.

Aber, Du kannst es dir vielleicht schon denken:

Auch diese Steine sind im ökologischen Bauen ein No-Go. Denn nachhaltiges Bauen ist ein extrem breitgefächertes Themengebiet, in dem die Bausteine ob ihrer Masse eine zentrale Rolle neben Dämmung, Wärmeerzeugung und sogar den Finanzen spielen. Und da bleiben nur wenige Elemente übrig:

  • Das ist der wohl älteste künstliche Stein. Und er besteht aus wenig mehr als Lehm, Wasser und Zuschlagstoffen wie Stroh. Alles luftgetrocknet und Natur pur.
  • Auch hier kommt nur Lehm oder Ton zum Einsatz, bloß dass die Ziegelsteine anschließendbei fast 1000°C gebacken werden.
  • Klar, was im Steinbruch aus dicken Felsen gewonnen oder aus Lava-Ablagerungen gebrochen wurde, braucht keine weiteren Herstellungsschritte.

Und dabei muss man trotz aller Ökologie bedenken, dass von diesen drei Möglichkeiten nur die Ziegel so hergestellt werden können, dass sie eine zeitgemäße Eigendämmung liefern. Lehm dämmt kaum und Natursteine ebenso wenig. Ohne Mauerwerksdämmung geht es also fast nicht mehr.

Putz

Keine Mauer ohne Putz.

Doch auch da kommt wieder ziemlich oft Zement zum Einsatz. Zudem gibt es auch noch Leichtputze, in denen Mikro-Styroporkügelchen stecken.

Auch das ist weit von Natur-schonenden Bauweise  entfernt.

Aber gerade in den vergangenen Jahren habe ich am Rande meiner Arbeit erfreut festgestellt, dass wieder mehr Bauherrn zu traditionellen Putzen tendieren.

Mein Favorit: Der Lehmputz.

Denn der ist nicht nur buchstäblich so leicht zu verarbeiten, als wenn Kids im Matsch spielen, sondern sorgt auch für ein großartiges Raumklima, weil er diffusionsoffen ist.

Der Nachteil allerdings: Er ist nicht sonderlich wetterfest und daher eher etwas für den Innenbereich.

Wer außen maximale Unbedenklichkeit will, kommt nicht um Kalkputz herum. Der ist zwar auch nicht wirklich natürlich, kommt aber ohne Zement aus und ist sogar CO2-neutral, weil er das beim Brennen des Kalks ausgasende Kohlendioxid beim Trocknen wieder aufnimmt.

Dämmung

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Ganz klar, wenn Du maximal ökologisch bauen willst (und natürlich auch die Vorgaben von EnEv und Co. beachtest) dann kommst Du bei der Verwendung von unbedenklichen Mauersteinen wie bereits angemerkt nicht umhin, eine Wanddämmung zu installieren.

Doch gerade das ist ein glühend heißes Thema. Denn billig wird dieses Vorhaben mit Sicherheit nicht. Denn alles, was günstig ist, ist eine ökologische Todsünde, wenn man es so nennen will.

  • EPS (Styropor) besteht letztendlich aus Erdöl, denn es handelt sich dabei um Polystyrol, einen ziemlichen Chemie-Cocktail. Und wie Du vielleicht weißt, brennt und schmilzt das Zeug auch ziemlich schnell.
  • Hartschaumplatten sind ähnlich, nur dass sie aus Polyurethan bestehen.
  • Glas- und Steinwolle basieren zwar auf natürlichen Materialien, müssen aber wiederum in einem ziemlich energieintensiven Verfahren hergestellt werden, weil dabei immense Mengen an Hitze notwendig sind.

Doch gerade weil die Diskrepanzen zwischen Dämmpflicht und der Bedenklichkeit vieler Dämmstoffe wohlbekannt sind, haben sich in den vergangenen Jahren auch diverse natürliche Dämmstoffe etabliert.

Die können alles, was auch die künstlichen Dämmstoffe können. Leider aber sind sie meist wesentlich teurer, weil die Herstellungsmarge (noch) vergleichsweise gering ist.

  • Bestehen aus nichts weiter aus Unmengen an feinst-geschreddertem Altpapier. Wird einfach in Hohlräume eingeblasen.
  • Holzfaserdämmplatten sind so fest wie Hartschaumplatten. Sie bestehen aber aus ganz fein gemahlenem Restholz und können ganz ähnlich wie klassische Dämmwollen und -platten verarbeitet werden.
  • Hanf- und Flachsfasern sind die superschnell nachwachsenden Rohstoffe, um daraus ebenfalls verfilzte und relativ feste Dämmplatten zu pressen. Großer Vorteil: Beide Stoffe sind sehr gut fürs Raumklima.

Mein neuer Favorit ist aber Wiesengras.

Ganz richtig gelesen, denn das wird buchstäblich draußen gemäht, wird dann vergoren, gereinigt, getrocknet und zermahlen.

Am Ende steht ein Stoff, der wie Papier ebenfalls aus Zellulose besteht und eingeblasen wird. Als Dennis mir davon erzählte, hätte ich ihm fast einen Exklusiv-Liefervertrag gemacht. Mit dem, was ich jährlich auf meinem Rasen wegmähe, könnte man nämlich ein Mehrfamilienhaus dämmen. 🙂

Und wie sieht das ökologische Haus nun aus?

Als wir alles weggestrichen hatten, was wegen seiner ökologischen Bedenklichkeit sicher nicht in einem solchen Haus verbaut werden sollte, skizzierten mein Bekannter und ich mal ein Haus, so wie wir es beide bauen würden. Als wir das Ergebnis sahen, mussten wir schmunzeln, denn das Haus wurde teils sehr oldschool:

  • Fundament und Bodenplatte aus Beton. Einfach der bedingungslosen Stabilität wegen. Aber das soll der einzige Punkt sein, an dem Beton verbaut wird.
  • Keller und Parterre aus Lehmziegelsteinen gemauert, im Keller außen mit einem wasserdichten Ton-Anstrich versehen.
  • Zwischenböden aus Holzbalken, darauf schwimmend ein Dielenboden, der auf einer Zelluloseschüttung aufliegt.
  • Ab Unterkante erstes Stockwerk eine klassisch verbundene Fachwerkkonstruktion. Die Zwischenräume werden mit Lehmsteinen ausgefüllt und das Holz mit Holzteer gegen Feuchtigkeit behandelt.
  • Alle Innenräume werden mit Lehmputz versehen.
  • Außendämmung mit Holzfaserplatten. Darauf ein grober Kalkputz, der für einen rustikalen Charakter sorgen soll (das Fachwerk ist danach nicht mehr sichtbar, doch eine Innenraumdämmung würde zu viel Raum einnehmen).
  • Dreifach verglaste Holzfenster rundum.
  • Ein Dachstuhl, der mit einer Hanf-basierenden Einblasdämmung gedämmt und außen mit Tondachziegeln eingedeckt wird.
  • Für den Außenanstrich eine witterungsbeständige Wandfarbe auf Kasein-Basis, also Milcheiweiß.

Auf das Dach kommt eine moderne Photovoltaik-Anlage, die nach Möglichkeit einen Großteil der Stromversorgung des Hauses übernehmen soll.

Als Ergänzung planten wir zudem entweder an der Fassade oder auf dem Garagendach noch Solarthermie-Platten ein, welche die Heizung unterstützen bzw. im Alleingang die Warmwasserbereitung übernehmen können.

Lange überlegt haben wir indes bei der Heizung. Ich war für eine Holzscheitheizung, weil ich dabei erstklassig Holzreste verfeuern könnte. Dennis hingegen wollte eine Pelletheizung, des Komforts wegen. Später fanden wir dann heraus, dass es am Markt bereits einige Scheitheizungen mit automatischer Beschickung gibt.

Fazit

Nur weil ein Haus heute ziemlich energiesparend ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch ökologisch ist.

Wenn Du bei allen Baumaterialien sicherstellen willst, dass Mutter Natur nicht mehr als unbedingt nötig darunter leidet, musst Du konsequent alles vermeiden, was erst durch umfangreiche (Abbau-)Prozesse zum Baumaterial wird.

Unterm Strich kann man sich dabei an Althergebrachtem orientieren. Denn früher gab es die umweltschädigenden Techniken noch nicht. Zusammen mit modernem Know-How lässt sich so jedoch ein echt ökologisches Häuschen zimmern.


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