Fingerzinken / Offene Fingerzinkung in 5 schnelle Schritte

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Fingerzinken – stabil, schick und sie sind leicht herzustellen.

Wie man eine normale Zinkenverbindung mit Schwalben herstellen kann, hatte ich schon in diesem Beitrag näher beschrieben. In diesem Artikel geht es also um eine leichtere Art um Zinken herzustellen: einfache Fingerzinken (oder auch „offene Fingerzinkung“ genannt).

Warum „einfach“?

Die Einteilung und Ausarbeitung bei der Zinkenverbindung ist durch die Schwalbenschwänze und den Zinken doch um einiges umständlicher als bei den Fingerzinken.

Fingerzinken haben nur parallel laufende Flächen, während die die Zinkenverbindung immer schräg angeordnet ist.

Nachfolgend die einzelnen Schritte um diese Holzverbindung herzustellen. Und als Bonus gibt es noch ein paar Tricks wie man beim Holzwerken noch effektiver arbeiten kann.

Schritt 1: Hölzer richten und Dimensionen festlegen

Als erster Schritt musst du die Dimensionen der jeweiligen Hölzer festlegen und vorbereiten. Wichtig ist hier das du korrekt arbeitest und alle Hölzer abgerichtet werden und alle die gleiche Holzstärke haben.

In meinem Fall nutze ich folgende Dimensionen:

Das oben angeführte Brett-Beispiel:

  • Brettbreite: 170 mm
  • Brettdicke (oder Brettstärke): 15 mm

Schritt 2: Zinken- bzw. Zapfeneinteilung

Der nächste Schritt: wir müssen die Zinken und Zapfen rechnerisch bestimmen. Dafür gibt es bewährte Formeln.

Ich nutze folgende Formel:

  • Holzbreite / Holzstärke = Anzahl der Teile
  • Oder in Worten: Holzbreite durch Holzstärke ist gleich die Anzahl der Teile

In meinem Beispiel wären das folgende Maße:

  • 170 mm / 15 mm = 11,33333333333 Teile
  • 11,33333333333 = 11 Teile

Wusstest du schon?

Wir brauchen für diese Verbindung immer eine ungerade Zahl. Für mein Beispiel würden 10 bzw. 12 Teile nicht gehen. Es muss eine ungerade Zahl sein. Also 11 Teile. Und: wie wird auf bzw. abgerundet?

Ab einer Nachkommastelle von 6 wird aufgerundet. Alles drunter wird abgerundet.

In meinem Beispiel wird 11,33333333333 zu 11.

In meinem Beispiel kommt jedoch noch eine weitere Regel hinzu:

Wenn die Teilbreite größer ist als die Materialstärke, dann muss man 2 Teile dazurechnen.

Meine Materialstärke beträgt 15 mm. Meine Teilbreite beträgt 15,5 mm (170 mm / 11 Teile = 15,45 bzw. 15,5 = Teilstärke). Ich muss also zwei Teile dazurechnen.  Für mein Fall sind es also nicht 11 Teile, sondern 13 Teile.

Das entspricht dann also:

  • 6 Zapfen
  • 7 Zinken

Schritt 3: Streckeneinteilung und das Anzeichnen

Als nächsten Schritt zeichne ich die Teile auf das Brett. Wenn ich das rein rechnerisch machen müsste, wäre das sehr kompliziert und eigentlich unmöglich anzuzeichnen.

Warum?

Wenn ich meine 170 mm durch 13 teile, kommt folgendes raus:

Wie soll ich das anzeichnen? 🙂

Das geht nicht.

Und deswegen gibt es einen kleinen Trick:

Auf die Diagonale zeichne ich jetzt immer 20 mm an. Dann ziehe ich parallel zu den Kanten und den angezeichneten Markierungen einen leichten Riss.

Schnell und präzise sind 13 Teile gleichmäßig und auf dem Brett angezeichnet:

Schritt 4: Brettstärke und Zapfen anzeichnen

Im nächsten Schritt wird die Brett- bzw. Materialstärke angezeichnet:

Danach musst du die Trennungslinien auf alle Seiten übertragen. Diese bilden später die Zapfen bzw. die Zinken:

Zum Schluss werden die Zinken festgelegt. Bei den vielen Strichen kann man sich leicht verlieren. Schraffiere am besten die Teile, welche später ausgearbeitet werden müssen.

Sobald du alle Teile angezeichnet hast, müssen nur noch die Maße auf das andere Brett übertragen werden. Dafür nutzt du am besten ein Streichmaß.

Ein Streichmaß wird beim Holzwerken bzw. Tischlern sehr oft eingesetzt. Dieses Messwerkzeug sollte also in keiner Werkstatt fehlen.

Schritt 5: Ausarbeiten

Am Ende werden die Zapfen und Zinken mit einer Säge eingeschnitten und mit einem Stecheisen ausgestemmt.

Die Zapfen bzw. die Zinken müssen sehr exakt ausgearbeitet werden. Aus dem Grund solltest du die bei dieser Arbeit viel Zeit lassen. Holzwerken ist eine Kunst. Und Kunst brauch Zeit und Leidenschaft.

Alternativ kann man die Fingerzinken auch mit einer Oberfräse oder einer Kreissäge ausarbeiten. Dabei sollte alles so eingestellt sein, dass nichts ausfranzen kann.

Du kannst zum Beispiel hinter den Zapfen ein Brett klemmen. Damit beugt man das Ausfranzen aus. Auch beim stemmen ist diese Technik sehr wirkungsvoll.

Am Ende sieht es dann so aus:

Arbeiten mit der Oberfräse

Es gibt Schablonen für Oberfräsen die es dir ermöglichen diese Verbindungen noch schneller herzustellen.

Dabei wird die Schablone mit speziellen Schraubzwingen befestigt. Als Werkzeug für die Oberfräse nutzt du am besten einen Nutfräser. Danach wird die Oberfräse auf die Höhe eingestellt.

Nachdem alle Einstellungen erfolgreich vorgenommen wurden, kann man mit gleichmäßiger Geschwindigkeit die einzelnen Zapfen und Zinken ausarbeiten.

Fazit

Fingerzinken lassen sich schnell und einfach einteilen. Im Gegensatz zu normalen Zinken nimmt diese Verbindung deutlich weniger Zeit in Anspruch.

Die Enden werden die Kontaktflächen mit Leim miteinander verbunden. Wichtig ist, dass diese unter Druck verleimt werden.

Ob man eine Oberfräse, Kreissäge oder eine Handsäge nutzt: diese Verbindungsart ist sehr praktisch und sieh einfach gut aus.

8 Gedanken zu „Fingerzinken / Offene Fingerzinkung in 5 schnelle Schritte“

  1. Hi Samuel,

    nochmal zur geraden Teilerzahl: Man könnte oben und unten doch immer einen halben Zinken machen. Habe ich schon öfters gesehen. Oder ist das zu instabil?

    Gruß

    Sven

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    • Servus Sven,

      ich habe mit einem Schreiner über das Thema gesprochen und es ist tatsächlich üblich. Ästhetik und Stabilität sind zwar noch andere Fragen, aber grundsätzlich ist das möglich. Es kommt halt wirklich darauf an wie stark die Teile sind.

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  2. Tolle Erklärung! Mag ja kleinkariert sein, aber außer optische Gründe will mir nicht einleuchten, was gegen eine gerade Anzahl von Zinken sprechen sollte. Wo liegt mein Denkfehler?

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    • Hallo Sascha,

      würde man eine gerade Anzahl von Zinken wählen, dann würde das am Ende nicht mehr mit dem Anfang „übereinstimmen“. Du startest mit einem Zinken und solltest damit auch aufhören. Das stimmt also: Das hat hauptsächlich ästhetische Gründe.

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  3. „Meine Materialstärke beträgt 15 mm. Meine Teilbreite cs 15,5mm. Ich muss also zwei Teile dazurechnen. Für mein Fall sind es also nicht 11 Teile, sondern 13 Teile.“
    Was Materialstärke ist, verstehe ich. Aber was ist denn die Teilbreite, in deinem Bsp.: cs 15,5mm???
    Antwort wäre toll.

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    • Hallo Reiner,

      in meinem Beispiel beträgt die Brettstärke 170 mm.

      Daraus entsteht die Rechnung:
      170 mm / 11 Teile = 15,45 bzw. 15,5 = Teilstärke.

      Zum besseren Verständnis habe ich das Ganze noch in den Beitrag eingefügt.

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  4. Hallo Samuel,
    Tolle Beschreibung. Ich habe lange gegoogelt, um mich über das Zinken fräsen zu informieren. Aber nicht mal die vielen YouTube Videos waren so gut beschrieben wie dein Beitrag. Danke und Gruß
    Heike

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