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Pultdach

Ein Fertighaus mit Holzschalung und Pultdach

Ein Fertighaus mit Holzschalung und Pultdach

Was ist ein Pultdach?

Vor meiner Ausbildung konnte ich mir darunter nicht viel vorstellen. Mittlerweile habe ich viele Vorteile an dieser Dachform gefunden.

Ein Pultdach bildet eine Schräge. Dabei heißt die obere Kante „Dachfirst“ und die untere „Dachtraufe“. Die Dachneigung ist meistens relativ gering.

Die Wand die am Dachfirst anliegt wird „hohe Wand“ genannt. Diese ist die höchste Wand des Hauses.

Früher wurden Pultdächer mehr für Anbauten genutzt. Aber ist ein Pultdach auch für Wohngebäude einsetzbar?

Es wird sogar immer beliebter!

Warum das so ist möchte ich dir in diesem Beitrag erklären.

Ein Dach für Praktiker – warum?

Das Pultdach lässt sich leicht planen und günstig umsetzen. Ob als Gartenlaube, Carport oder Wohnhausdach – das Pultdach ist im Kommen. Im Folgenden drei große Vorteile dieser Bauweise.

Vorteil Nr.1: Möglichkeiten zur alternativen Energie

Pultdach der Feuerwehr mit Solaranlage

Pultdach der Feuerwehr mit Solaranlage

Diese Dachform biete beste Möglichkeiten für Photovoltaik-Anlagen.Die komplette Dachfläche bietet bei dieser Dachform eine Auflagefläche für solche Konstruktionen. Damit sie die sinnvollste Wahl wenn eine Solaranlage installiert werden soll.

Davon hängt es auch ab in welche Richtung das Dach gerichtet werden sollte.

Möchtest du eine Solaranlage auf auf deinem Pultdach installieren, solltest du es zur Sonnenseite ausrichten. Wenn nicht ist es sinnvoller das Dach zur Wetterseite hin abzuschrägen.

Entscheidest du dich dafür keine Solaranlage zu installieren gibt es sehr viele Möglichkeiten für die Abdeckung eines Pultdaches.

Du kannst das Dach natürlich mit gängigen Dachziegeln belegen. Möglich ist aber auch eine Schiefer- Bitumen- Teer- oder Metallabdeckung.

Vorteil Nr.2: Kleiner Preis – großer Wohnraum

Ein Fertighaus mit Pultdach in Niedrigenergiebauweise

Ein Fertighaus mit Pultdach in Niedrigenergiebauweise

Eine gute Nachricht für Sparfüchse: durch die Einfachheit solcher Pultdächer halten sich auch die Konstruktionskosten in Grenzen. Bei einem Pultdach wird im Vergleich zu anderen Konstruktionen nur wenige Material verbraucht.

Durch eine eingebaute Solaranlage können die Stromkosten gesenkt werden. Außerdem kann das Regenwasser leichter aufgefangen und als Nutzwasser aufbereitet werden.

Trotz der niedrigeren Konstruktionskosten punktet das Pultdach mit Leistung: Es ermöglicht sehr viel Wohnraum. Durch die geringe Neigung des Daches entsteht viel Stellfläche im Obergeschoss. Außerdem wird die begehbare Fläche auf der hohen Seite des Daches durch die Schräge kaum eingeschränkt.

Vorteil Nr.3: Helles Ambiente

Bessere Lichtverhältnisse: Bei einem Satteldach müssen meistens Dachfenster eingebaut werden. Im Gegensatz dazu können bei einem Pultdach auch im Obergeschoss Standardfenster eingebaut werden. Das senkt ebenfalls die Konstruktionskosten und sorgt zusätzlich für bessere Lichtverhältnisse.

Die Neigung für ein Pultdach berechnen

Zur Berechnung der Neigung benötigst du die Länge deines Daches und die Höhe der Front- und Rückwand.

Die Dachhöhe rechnest du indem du die Differenz zwischen Front und Rückwand für berechnest. Diese Dachhöhe muss durch die Länge des Daches geteilt werden. Das ergibt die Neigung. Dieser Wert muss mit 100 multipliziert werden.

Hier eine Beispielrechnung:

Frontwand Höhe: 700 cm
Rückwand Höhe: 550 cm
Länge Pultdach: 650 cm

(700 cm-550 cm)/650 = 0,23          0,23 x 100% = 23 %

Das Pultdach in unserer Beispielrechnung hat eine Neigung von 23%.

Die Umrechnung von Prozent wird mit dem Arcustangens berechnet. Um das alles zu erleichtern, habe ich dir hier eine Tabelle zum Umrechnen eingestellt:

Grad Prozent Grad Prozent Grad Prozent
1 1,8 17 30,5 33 64,9
2 3,4 18 32,5 34 67,4
3 5,2 19 34,4 35 70
4 7 20 36,4 36 72,6
5 8,8 21 38,4 37 75,4
6 10,5 22 40,4 38 78,9
7 12,3 23 42,4 39 80,9
8 14,1 24 44,5 40 83,9
9 15,8 25 46,6 41 86
10 17,6 26 48,7 42 90
11 19,4 27 50,9 43 93
12 21,2 28 53,1 44 96,5
13 23 29 55,4 45 100
14 24,9 30 57,7
15 26,8 31 60
16 28,7 32 62,4

Das Pultdach in unserer Beispielrechnung hat also einen Neigungswinkel von 42,4°.

Aber auch wenn du die optimale Neigung deines Daches berechnet hast, musst du auf die Angaben der Ziegelhersteller achten. Diese schreiben meist eine Mindest-Neigung von 22 Grad vor.

Tipps und Tricks – Lass dich nicht übers Ohr hauen!

Nachteile des Pultdaches

Allerdings hat diese Bauform auch ihr Nachteile. Wie das Flachdach, muss auch das Pultdach gut abgedichtet werden. Nur bei guter Wartung bleibt die Wohnung immer schön trocken.

Je nach Neigungswinkel kann sich die Wohnung unter einem Pultdach auch sehr aufheizen. Das gilt besonders im Sommer.

Alles beginnt mit dem Aufbau

Ein Pultdach muss richtig berechnet werden. Stimmt die Neigung nicht kann es in der Wohnung schnell feucht werden.

Pultdächer die mit zu geringer Neigung ausgeführt wurden benötigen meist wasserdichte Unterdächer oder andere Konstruktionen. Das macht das Ganze unnötig teuer.

Ein Ringpultdach an einem sakralen Gebäude

Ein Ringpultdach an einem sakralen Gebäude

Offiziell beginnt ein Pultdach Neigung von 11 Grad. Nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Es ist auch möglich ein Pultdach mit 60° zu bauen.

Bei der Planung der Dachneigung muss auch schon die Dacheindeckung berücksichtigt werden. Dachziegel zum Beispiel brauchen meistens eine Dachneigung von mindestens 22 Grad.

Ein Trapezblech dagegen kann sogar noch bei einer Dachneigung von unter 10 Grad eingesetzt werden. Diese werden in den verschiedensten Farben angeboten.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Dachneigung desto besser reinigt das Regenwasser das Dach. So werden Verunreinigungen besser abgespült.

Die Selbstreinigung des Daches kann aber auch durch die Muster auf der Eindeckung gesteuert werden.

  • Enge Wellenmuster bewirken dass das Regenwasser auf kurzer Strecke mehr Kraft entwickelt.
  • Bei breiten Wellenmustern und geringer Dachneigung muss ein Pultdach meistens zweimal im Jahr gereinigt werden. Das geht am besten mit einem Hochdruckreiniger.

Beim Kauf von Dachziegeln, beispielsweise von Braas oder Creaton solltest du unbedingt die Angaben beachten die zur Dachneigung gemacht werden.

Auch die Abdichtung des Daches muss gut geplant werden. Dabei wird ähnlich vorgegangen wie bei einem Flachdach.

Besonders heikel ist die Stelle zwischen der Hohen Wand und dem Dach. Wird diese nicht richtig abgedichtet tritt schnell Feuchtigkeit ein.

Energie erzeugen oder einsparen?

Du musst dich auch im Vorhinein entscheiden ob du Energie einsparen oder erzeugen möchtest.

Ist die hohe Wand Richtung Süden ausgerichtet, wird das Haus schnell von der Sonne aufgewärmt. Das ist die Möglichkeit Energie einzusparen.

Wird das Dach Richtung Süden heruntergezogen, kann dort eine Solaranlage installiert werden. So kann Energie erzeugt werden.

Gut gedämmt ist schon gespart!

In Häuser mit Pultdach kann ich die obere Etage als Wohnraum genutzt werden. Dazu ist es nötig diese gut zu dämmen.

Fehlt die Dämmung, heizt sich der Raum im Sommer schnell auf und im Winter geht viel Energie verloren.

Wird der Dachraum noch nicht als Wohnraum genutzt, können auch einfach trittfeste Dämmplatten verlegt werden. Diese sind um einiges günstiger und sind für die Dämmung der unteren Etagen ausreichend.

Für den Ausbau als Wohnraum gibt es folgende Möglichkeiten der Dämmung:

  • Die Aufsparrendämmung wird auf die Dachbalken gelegt. Diese Dämmung muss vor dem Dach aufgebracht werden.Der Vorteil dieser Dämmung ist, dass sie wärmebrückenfrei verlegt werden kann. Allerdings ist sie die teuerste Variante.
  • Die Zwischensparrendämmung wird zwischen die Dachbalken gelegt. Deshalb kann sie auch nach dem Decken des Daches angebracht werden.Die Dämmwirkung ist allerdings bei dieser Methode etwas niedriger. Dafür ist sie auch etwas günstiger.
  • Die Untersparrendämmung wird meist nur ergänzend zu einer der anderen Dämmungen genutzt.Damit kann allerdings auch ein unbewohnter Dachboden gedämmt werden wenn zusätzlich Dämmplatten auf dem Boden verlegt werden.

Bei einem Pultdach mit geringer Neigung kann auch eine Flachdachdämmung installiert werden.

Dazu gehört beispielsweise die Schütt – oder Einblasdämmung. Möglich ist auch ein Umkehr- oder Kaltdach.

Ein Pultdach – wie hoch sind die Kosten?

Ein selbstgebautes Pultdach als Carport

Ein selbstgebautes Pultdach als Carport

Ein gut geplantes Pultdach es grundsätzlich günstiger als ein Satteldach. Der Grund ist die einfache Konstruktion.

Ein Pultdach hat ungefähr 30% weniger Dachfläche als ein Satteldach auf dem selben Haus.

Zusätzlich wird bei Dachrinnen und Fallrohren eingespart da diese nur auf einer Seite gebraucht werden.

Bei einem Haus mit einem einer Grundfläche von 75 Quadratmetern, kannst du mit Gesamtkosten von circa 15000 € rechnen.

Wenn du ein Pultdach für ein Gartenhaus oder Carport baust, kannst du alles selbst machen. Daher wird dich das Ganze nur ein paar Hundert Euro kosten – je nach Material.

Fazit

Warum brauchen Praktiker ein Pultdach?

Es liegt auf der Hand: Diese Dachform bietet praktische Vorteile:

  • Die Möglichkeit zum Ausbau einer Solaranlage
  • Großer Wohnraum auf kleinem Grund und Boden
  • Helles Ambiente durch die Möglichkeit große Fenster anzubringen

Ich finde diese Bauart sehr praktisch für Wohnungen. Sehr gut einsetzbar ist das Pultdach auch bei Anbauten oder Carports.



Kommentare

Mia 12. März 2018 um 5:30

Hallo, mein Onkel hatte seine Garage auch mit Trapezblech gedeckt. Das Dach hat kaum Neigung, aber es fließt alles schön ab. Ich muss schon sagen gut aussehen tut es zudem auch.

Antworten

Samuel Schneider 12. März 2018 um 19:55

Hi,

danke für deinen Kommentar.

Antworten

Hemlut Tanzinger 12. August 2017 um 13:07

Sehr geil! Du bist der beste Bauexperte 🙂

Antworten

Samuel Schneider 14. August 2017 um 17:07

Hi,

der beste bestimmt nicht, aber danke für das Lob.

Antworten

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