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Latthammer / Zimmererhammer im persönlichen Test

Als Zimmerer habe ich in meiner Ausbildung den Latthammer (oder auch Zimmererhammer) quasi jeden Tag genutzt. Und auch jetzt gehört dieser Hammer in jede Zimmererkiste und wird auch häufig von anderen Gewerken wie zum Beispiel Tischlern genutzt. Nachfolgend habe ich einige Modelle zusammengestellt und näher ausgetestet. Dieser Test soll dir bei der Wahl helfen, den richtigen Latthammer auszuwählen.

Allgemeine Latthammer-Qualitätskriterien

Bevor ich mit den einzelnen Modellen starte, möchte ich nachfolgend erstmal einige Qualitätskriterien für Hammer bzw. Latthammer auflisten. Das hilft dir persönlich bei der Wahl des richtigen Zimmererhammers, falls du selbst entscheiden musst, welches Produkt gut oder schlecht ist.

Härterwert

Starten wir mit dem Härtewert des Hammerkopfes. Je nach Hersteller werden mindest-Härtewerte festgelegt. Diese liegen in der Regel zwischen 50 und 85 HRC (Rockwell = internationaler Härtewert für Werkstoffe). Die Einhärtungstiefe sollte mindestens 3mm betragen. Das kann man natürlich sehr schwierig herrausfinden, aber Hersteller wie zum beispiel Picard setzen diese Werte bei jedem Produkt um.

Kantenbruch

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Fase an der Pinne und der Bahn

Mir ist das persönlich schon mal passiert, dass ein Splitter vom Hammer durch die Luft gesaust ist. Wenn dieser Splitter dein Auge trifft wird es gefährlich. Bei mir ist zum Glück nichts passiert. Diese Fase oder dieser 45° Kantenbruch an der Hammerbahn und an der Pinne verhindern solches Absplittern. Hat der Hammerkopf eine Fase wie es hier recht am Bild zu sehen ist? Das ist ein wichtiges Qualitätskriterium das man schnell selbst testen kann.

Stiel

Es gibt mittlerweile unzählige Modelle mit den verschiedensten Stielen. Da sind zum Beispiel Stiele die aus Chrom-Molybdän-Stahl hergestellt sind und mit dem Hammerkopf verbunden werden. Andere Latthammer werden aus einem Teil gegossen und bieten dadurch noch höhere Stabilität. Und andere Modelle nutzen Glasfaser Stiele die in dem Hammerkopf eingelassen werden. Es gibt also verschiedene Arten um so ein Stiel herzustellen. In aller Regel gilt jedoch: wackelt der Stiel: weg damit. Das kann nichts Gutes sein.

Oft vernachlässigt wird dabei auch folgendes: sitzt der Kunstoffgriff wirklich? Das kann man ganz leicht testen: greife dabei den Hammerkopf und versuche den Kunstoffgriff vom Stahlrohr um die eigene Achse zu drehen. Wenn es sich drehen sollte dann gilt auch hier: Finger weg.

Die Kennzeichnung: nach DIN-Norm

Die Anforderungen an Latthammer werden in der DIN-Norm 7239 festgelegt. Darin wird festgelegt wie die Bauform und Größe aber auch das Material dieser Hämmer sein muss. Sogar die Mindest-Abzugskräfte die der Griff und der Hammerkopf aushalten müssen, sind festgelegt. Ebenfalls festgelegt ist, wie die Kennzeichnung dieses Werkzeugs erfolgen muss.

Checkliste

Um dir die ganzen Punkte zu erleichtern habe ich hier eine kleine Checkliste zusammengestellt:

  • Ist der Hersteller klar und deutlich erkennbar?
  • Hat die Pinne und die Bahn eine Fase?
  • Sitzt der Hammerstiel fest am Hammerkopf?
  • Drehprobe am Griff: Löst sich der Kunststoffgriff vom Stiel?

Sicherheits-Hinweise

An dieser Stelle möchte ich noch auf einige Sicherheits-Hinweise eingehen:

  • Nutze den Hammer niemals als Hebel
  • Benutze nur die vorgesehenen Arbeitsflächen (z.b. die Bahn zum nageln, nicht die Hammerkopfläche)
  • Bei Gefahr von Splittern: bitte Schutzbrille tragen
  • Die Verbindung zwischen Hammerkopf und Stiel überprüfen
  • Niemals zwei Hämmer aufeinander schlagen. Die Gefahr der Absplitterung ist sehr hoch.
  • Den Hammer in trockenen Bereichen Lagern. Feuchtigkeit, kann die Verbindung am Hammerkopf angreifen.
  • Und zum Schluss: verwende nur passende Latthammer für entsprechenden Arbeiten (Für Nägel = Latthammer; Balken aushebeln = Geißfuß).
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Die Modelle im „Latthammer-Test“

Nachfolgend möchte ich meine persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen mit verschiedenen Latthammer Modellen näher erläutern. Dafür habe ich mir folgende Modelle ausgesucht:

Natürlich gibt es da draußen noch sehr viel mehr Latthämmer. Aber mit diesen Modellen sind die wichtigsten Modelle abgedeckt. Zum einen Latthämmer die aus einem Stahl geschmiedet wurden, Latthämmer mit einem Glasfaserstiel und ein ganz „normalen“ Latthammer.

Nach welchen Kriterien bin ich bei diesem Test vorgegangen? Zum einen habe ich versucht die oben erwähnten Qualitätskriterien zusammen zu tragen. Zum anderen möchte ich zu den einzelnen Produkten meine eigene Meinung weitergeben. Natürlich ist der persönliche Geschmack bei jedem anders, aber im großen und Ganzen hilft dieser Test bei der Suche nach dem richtigen Produkt.

Der Picard Latthammer 298

Dieses Modell nutze ich fast jeden Tag. Der Kopf besteht aus gehärtetem Stahl und hat eine DIN Kennzeichnung am Hammerkopf. Der Stiel besteht aus einem Chrom-Molybdän-Stahl. Der Hersteller garantiert den Mindest Härtewert von 50 HRC. Der Kunstoffgriff sitzt wie gegossen und lässt sich auch mit vier Händen nicht lösen. Jetzt komme ich zur Kopfsicherung: die Verbindung am Auge zwischen Stahlrohr und Hammer sitzt auch tadellos. Obwohl der Hersteller darauf hinweist, dass man diesen Hammer nicht zum hebeln nutzen sollte habe ich es trotzdem ausprobiert: und auch das hält der Latthammer tadellos aus (Bitte nicht nachmachen). Das Gewicht beträgt 599g und das Modell liegt sehr gut in der Hand. Vom Design her, ist dieses Modell eher ein Standardprodukt, aber für eine Baustelle reicht es alle mal aus.

Für dieses Modell vergebe ich 8 von 10 Punkten.

Der Picard Latthammer 790 1/2

Dieses Modell gehört zur so genannten Meisterlinie von Picard. Am 19. April hat dieses Modell (und das 790) eine Auszeichnung erhalten. Der Red Dot Award vergibt jedes Jahr verschiedene Auszeichnungen für erstklassiges Produktdesign. Und das kann ich nur unterstreichen: dieserer Zimmererhammer ist ein Prachtstück. Während andere Modelle auf verschiedene Materialien setzen, wurde dieser Latthammer aus einem Stück geschmiedet. Das ist natürlich ein großer Pluspunkt, den man so schnell nicht toppen kann. Der Griff besteht aus Leder und am Hammerkopf ist natürlich ein starker Magnet integriert. Das Gewicht beträgt zwar 800g aber das Modell liegt super in der Hand.

Für dieses Modell vergebe ich 10 von 10 Punkten.

Stanley Latthammer 1-51-937

Jetzt komme ich zu einem anderen Hersteller: Stanley. Seit 1843 wird an Werkzeugen geschraubt und gefeilt. Das merkt man ganz besonders an diesem Modell. Dieser Latthammer hat so einige Finessen: der Hammerkopf und der Stiel ist aus einem Stück geschmiedet. Das besondere daran: der Stiel hat eine Stimmgabelform. Dadurch wird der Aufschlag abgedämpft. Ich persönlich habe das nicht bemerkt, aber gut das der Hersteller darauf hinweist. An diesem Hammer gefällt mir besonders der Griff. Dieser besteht aus einem Anti-Rutsch-Material, was besonders bei feuchten Händen sehr praktisch ist. Der Latthammer wiegt 600g und ist damit um einiges leichter als das Modell von Picard. Ich persönlich habe nichts, was gegen dieses Modell sprechen sollte. Es liegt gut in der Hand und wurde sehr gut verarbeitet.

Für dieses Modell vergebe ich 9 von 10 Punkten.

Der Peddinghaus Latthammer 5129280001

Zum Schluss komme ich zu einem speziellen Modell von Peddinghaus. Dieses Modell ist 570g leicht und das aus einem besonderen Grund: der Stiel besteht aus Glasfaser. Dadurch verringert sich das Gewicht am Stiel und die Wirkung am Hammerkopf wird erhöht. Das ist vom Prinzip her sehr toll, aber ich persönlich bin kein großer Fan davon. Ich habe leider zu viele Glasfaser-Modelle gesehen, die irgendwann abgebrochen sind. Natürlich liegt das vor allem an der Handhabung, aber ich bin von diesen Modellen einfach nicht überzeugt. Alles andere passt zwar soweit, aber das mit dem Glasfaserstiel bereitet mir immer Bauchschmerzen.

Für dieses Modell vergebe ich 5 von 10 Punkten.

Fazit zu diesem persönlichen Test

„Halt! Kannst du verschiedene Modelle miteinander vergleichen und dann einen Testsieger krönen?“

Nein, natürlich nicht. Ich habe hier vier Modelle verglichen, die sehr unterschiedlich sind. Während der Picard 790 1/2 und der Stanley aus einem Teil geschmiedet wurden, bestehen die anderen Modelle aus zwei Materialien. Das sind natürlich krasse Unterschiede die man so nicht miteinander vergleichen kann.

Aber dieser kleine Test soll eins betonen: es gibt nicht DEN besten Hammer. Zu einem großen Teil entscheidet bei jedem einzelnen oft auch der Preis. Und natürlich kann ich keinen 25 Euro Hammer mit einem 80 Euro Latthammer vergleichen. Aber durch diese Übersicht hast du jetzt einen besseren und klareren Blick in die Welt der Latthämmer.



Kommentare

Jonas 14. Oktober 2016 um 12:11

Hallo,

warum hat ein Zimmererhammer so eine lange Spitze?

Antworten

Samuel Schneider 17. Oktober 2016 um 17:21

Hallo Jonas,

das hat mehrere Gründe. Zum einen kann man mit der Spitze Bauteile wegstemmen (ähnlich wie bei einem Hebeleisen). Und zum anderen lassen sich Nägel leichter herausziehen (mit der Spitze lassen sich zum Beispiel tiefsitzende Nägel herausschlagen). Für ein Zimmerer oder Maurer ist so ein Hammer genau das richtige Werkzeug.

Hilft dir das weiter?

Antworten

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