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Fichtenholz

Eine Fichte in Österreich

Eine Fichte in Österreich

Als gebürtiger Schwarzwälder bin ich quasi mit Fichtenholz aufgewachsen. Das Holz der Fichte wird in Deutschland sehr häufig verwendet. Das hat mehrere Gründe, auf die ich näher eingehen möchte. Ich werde in diesem Artikel die Eigenschaften dieser Holzart und deren Nutzung im Handwerk näher beleuchten.

Auf folgende Fragen werde ich ebenfalls eingehen: was unterscheidet Fichtenholz von Tannenholz? Und: Woran erkennt man eine Fichte und woran eine Tanne?

Fakt 1: Vorkommen und Eigenschaften

Es gibt etwa 40 verschiedene Fichtenarten. Die Fichte ist vor allem in Asien, Europa und Nordamerika beheimatet. Allein in Westdeutschland beträgt der Fichtenanteil ca. 30% der Gesamtwaldfläche. Das sind immerhin ca. 3 Mio Hektar Waldfläche. Im Osten Nordamerikas ist die Rotfichte zu finden. Diese Fichte findet man vor allem in den Höhenlagen.

Die Rinde ist  bräunlich-rötlich und relativ dünn. Im Alter blättert die Rinde ab.

Wusstest du schon?
Die pyramidenförmigen Fichten können bis zu 60 Meter hoch werden. Der Durchmesser beträgt in der Regel zwischen 0,3 bis 1,2 Meter.

Technische Daten

  • Dauerhaftigkeitsklasse: 4
  • Rohdichte (14% Holzfeuchte): 300 bis 640 kg/m³
  • Druckfestigkeit liegt bei 40 N/mm²
  • Biegefestigkeit hat folgenden Wert: 68 N/mm²
  • Scherfestigkeit: 6,7 bis 7,5 N/mm²
  • Zugfestigkeit: 80 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: 10.000 N/mm²

Unterschiede zur Tanne

Zu Beginn hatte ich erwähnt, dass ich auf den Unterschied zwischen der Fichte und der Tanne eingehen möchte. Obwohl die Eigenschaften der beiden Holzarten recht ähnlich sind, gibt es beim Aussehen einige Unterschiede.

Nadeln sind um den ganzen Zweig angeordnet.

Fichte: Nadeln sind um den ganzen Zweig angeordnet.

Unterschied: Nadeln

Die Nadeln der Fichte sind um den ganzen Ast wie bei einem Flaschenputzer verteilt. Die Tannennadeln sind dagegen eher in einer Scheitelform angeordnet.

Die Nadeln der Fichte sind außerdem sehr spitz. Die Nadeln der Tanne sind eher stumpf und stechen bei Berührung kaum.

Unterschied: Zapfen

Fichten: hängende Zapfen

Bei Fichten: hängende Zapfen

Die dunkelbraunen Zapfen der Fichte hängen nach unten. Die Zapfen der Tanne dagegen stehen aufrecht nach oben. Das ist wohl das markanteste Merkmal.

Ein anderes „Zapfen-Merkmal“ ist folgender Punkt: Zapfen die am Boden liegen sind Zapfen von Fichten. Tannen behalten ihre Zapfen. Nur kleine Teile fallen zu Boden.

Wusstest du schon?
Der älteste Baum der Welt ist nach einigen Angaben eine Fichte in der schwedischen Provinz Dalarna im Nationalpark Fulufjället. Die Fichte soll weit über 4000 Jahre alt sein.

Fakt 2: Verwendung

Die Verwendung von Fichtenholz ist in Europa sehr verbreitet. Ob Bauholz, Bretter, Dielen, Balken oder sogar Furnierholz, die Produktpalette ist sehr vielschichtig. Das Fichtenholz wird auch für Holzwerkstoffe wie Sperrholz, Spanplatten, Faserplatten oder Leimholz verwendet.

Wusstest du schon?
Die „Fichte“ wurde von dem Fachbeirat und dem Kuratorium der Dr. Silvius Wodarz-Stiftung – Menschen für Bäume im Jahr 2017 zum „Baum des Jahres“ gewählt.

In der Zimmerer Ausbildung und auf den Baustellen ist das Fichtenholz das meist eingesetzte Holz. Schwellenhölzer, Pfosten, Riegel, Pfetten, Sparren, Gratsparren, Kehlsparren oder Dachlatten: das Fichtenholz ist fast überall einsetzbar. Sogar für den Bau von Musikinstrumenten wird Fichte verwendet.

Als Brennholz wird die Fichte auch sehr gerne eingesetzt. Der Brennwert liegt bei 4,5 kWh/kg bzw. 1.500 KWh/rm. Das Holz sorgt zwar für eine schöne helle Flamme, aber dafür ist es auch recht schnell verbrannt.

Viele glauben, dass sie zu Weihnachten ein Tannenbaum im Wohnzimmer stehen haben. Das ist aber eher selten der Fall. Junge Tannenbäume sind teurer und werden seltener verwendet. Meistens werden auch hier Fichtenbäume verwendet.

Die Fichte ist außerdem der Grundstoff für Kolophonium und Pech.

Fensterbau

Holzfenster sollten aus Holz mit einer hohen Festigkeit und gutem Stehvermögen hergestellt werden. Neben diesen Aspekten sollte das Holz auch gegen Pilz- und Insektenbefall beständig sein, eine gute Lackhaftung haben und ein gutes Trocknungsverhalten aufweisen. Außerdem sollte es natürlich auch gut zu bearbeiten sein.

Alle diese Aspekte sind wichtig. Und deswegen hat man für den Fensterbau spezielle Klassen eingeführt. Das Fichtenholz schneidet zwar nicht ganz so schlecht ab (ähnlich wie die Eiche), aber anderes Holz wie zum Beispiel Teak Holz ist noch besser. Trotzdem wird das Holz der Fichte auch im Fensterbau eingesetzt.

Fakt 3: Maserung

Das Holz ist im Vergleich zur Eiche oder den tropischen Hölzern recht hell. Der Farbton liegt bei weißlich bis gelb-weißlich. Das Kern- und Splintholz unterscheidet sich nur schwach voneinander. Das Fichtenholz hat sehr viele Harzkanäle.

Wenn man das Holz im Freien (bei Regen und Sonne) stehen lässt, wird es recht schnell gräulich. Bei Sonneneinstrahlung bekommt das Holz einen gelb-bräunlichen Farbton.

Gelagertes Fichtenholz

Gelagertes Fichtenholz

Fakt 4: Schwinden und Trocknung

Das radiale Schwindmaß liegt bei 3,6%. Das tangentiale Schwindmaß liegt bei 7,8%.  Das Axiale Schwindmaß beträgt 0,3%. Also ganz ähnliche Werte wie bei der Tanne. Diese Schwindmaße sind vor allem bei der Trocknung entscheidend. Langes Lagern und fachmännische Trocknung ist unbedingt notwendig.

Fakt 5: Beständigkeit und Qualität

Das Holz der Fichte hat keine so hohe Langlebigkeit wie es die Eiche oder das Ipe-Holz hat. Je größer die Jahresringe sind, desto geringer ist die Dichte. In Deutschland ist die Größe sogar in der DIN-Norm verankert. Diese DIN (DIN4074-1) besagt, dass auschließlich 4 bis 6 mm breite Jahresringe als Bauschnittholz zugelassen sind. Die Praxis sieht natürlich meist anders aus.

Fakt 6: Pflege

Wie schon erwähnt, ist das Holz der Fichte in Freien sehr anfällig. Eine chemische Behandlung für den Außeneinsatz ist ein Muss. Je nach Material und Lage sollte man das Holz jedes Jahr überprüfen und neu behandeln.

Im Innenbereich, zum Beispiel bei Möbeln, kann das Holz auch einfach mit Wachs behandelt werden. Bauholz sollte richtig gelagert werden, am besten überdacht.

Fazit

Das Fichtenholz gehört zu den wichtigsten und vielseitigsten Holzarten in Deutschland bzw. Europa. Es ist günstig, relativ Formbeständig und bei guter Pflege hat das Holz eine sehr hohe Lebensdauer.

Jeder Schreiner, Zimmerer oder Handwerker der mit Holz arbeitet wird irgendwann die Fichte in der Hand halten. Es lohnt sich, dass man sich mit einigen Eckdaten und Besonderheiten dieser Holzart beschäftigt.



Kommentare

Lukas 13. Oktober 2016 um 17:37

Hallo Samuel,

Kennst du dich in den Preisen aus? Wie viel kostet in der Regel Fichtenholz?

Danke für deine Hilfe!

Antworten

Samuel Schneider 13. Oktober 2016 um 17:42

Hallo Lukas,

je nach Trocknung variiert der Preis. Baubretter, Schalbretter und Baudielen beim Sägewerk ca. 390 bis 410 Euro/m³. Im Baumarkt bekommst du diese günstigen Preise jedoch nicht. KVH ist teurer.

Wenn du an Brennholz denkst, dann liegt der Preis pro Raummeter bei 70-80 Euro.

Hilft dir das weiter?

Antworten

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