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Erste Hilfe gegen Feuchtigkeit im Haus

Um ein trockenes Haus zu haben musst du nur einige Tricks beachten

Um ein trockenes Haus zu haben musst du nur einige Tricks beachten

Um Nässe zu bekämpfen, gibt es tausenderlei technische Möglichkeiten. Doch wenn man Feuchte entdeckt, will und sollte man direkt handeln.

Es könnte schlicht der Klimawandel-induzierte Starkregen schuld sein. Oder vielleicht eine unzureichende Trocknungspause während des Rohbaus, oder, oder, oder.

Wir spüren die extreme Feuchtigkeit besonders in unserem Haus in Südamerika.

Gründe, warum ein Haus oder Teile davon feucht sind, gibt es eine Menge. Und natürlich hat jeder davon auch seine ganz eigene Technik zur Bekämpfung.

Allerdings sind das Langzeit-Arbeiten, die häufig Fachpersonal benötigen und Geld kosten. Kein Wunder, dass Hausbesitzer oft erst einmal selbst aktiv werden möchten.

Damit das aber nicht zu kopfloser „Nässe-Panik“ verleitet, die im besten Fall nichts bringt, im schlimmsten Fall jedoch alles noch problematischer macht, zeigt der folgende Artikel einige universell gültige Vorgehensweisen, die jeder selbst bewerkstelligen kann.

Warum sind Feuchtigkeit und Nässe so gefährlich?

Eine berechtigte Frage, denn im Endeffekt ist es ja „nur Wasser“.

Doch Wasser kann unglaubliche Schäden hervorrufen. Eine Wand, die dauernd feucht ist, neigt dazu Salzausblühungen zu produzieren.

Die auch als Salpeter bezeichneten Gebilde, werden häufig für Schimmel gehalten. Das sind sie zwar nicht, aber dennoch nicht unproblematisch. Denn Salpeter ist im Endeffekt eine mineralische Auswaschung der Bindemittel aus Beton und/oder Steinen.

Im Klartext also der „Kleber“, wenn man so will, der vom Wasser aus den Mauern gewaschen wird. Und das kann auf die Dauer die Bausubstanz gründlich ruinieren.

Des Weiteren ist das an sich harmlose Wasser aber in der Tat ein Gesundheitsproblem.

Warum?

Feuchtigkeit ist ein Nährboden für unterschiedlichste Schimmelpilzarten. Und deren Sporen sind das Tückische.

Sie sind lungengängig und verursachen im Körper eine Reihe von Symptomen und Krankheiten wie etwa:

  • Atemwegserkrankungen
  • Bronchitis
  • Fieber
  • Augenreizungen
  • Hautinfekte
  • Muskelschmerzen
  • Chronische Müdigkeit

Hier ist die Dauer das entscheidende Kriterium.

Denn je kürzer die Einwirkzeit, desto unwahrscheinlicher ist es, dass durch die Schimmelsporen überhaupt Probleme entstehen.

Schimmel an der Wand kann sehr gefährlich sein

Schimmel an der Wand kann sehr gefährlich sein

Ersthilfe-Maßnahmen

Deshalb ist es notwendig, sofort zu handeln. Denn jeder Tag, den das Wasser mehr Zeit hat, Mineralien auszuwaschen oder Schimmelpilze zum Blühen zu bringen, ist ein verlorener Tag.

Die wichtigste Regel dieses ganzen Artikels lautet demnach „Schnelligkeit ist Trumpf“.

Bitte nicht vergessen: Vieles von den hier genannten Dingen beseitigt nur die Symptome, nicht aber die Ursachen.

Das heißt, sobald man die Maßnahmen einstellt, wird das Feuchtigkeitsproblem mit einiger Wahrscheinlichkeit von vorne beginnen.

Dann hilft nur wirklich professionelle Hilfe.

  1. Die Quelle finden

Wenn sich an einer Stelle der Kellerwand ein feuchter Fleck bildet, ist die Problemstelle natürlich schnell lokalisiert.

Doch in vielen Fällen heißt es erst einmal Suchen, denn die Gründe, warum Feuchtigkeit ins Haus gelangt, sind mannigfaltig.

Hinzu kommt, dass es auch gar kein „echter“ Schaden, kein „Baupfusch“ sein muss, sondern schlicht und ergreifend eine Realität des modernen Bauens.

Seit Jahrhunderten, bis in die frühen 2000er ging man in Deutschland bei Neubauten folgendermaßen vor:

Der Bau begann im Frühjahr und dauerte bis zum Beginn der Frostperiode an. Dann stand meistens der Rohbau samt Dach.

Im nächsten Frühling wurde das Haus dann fertiggestellt.

Früher hatte ein Haus Zeit gut durchzutrocknen

Früher hatte ein Haus Zeit gut durchzutrocknen

 

Genau diese winterliche Baupause konnte dafür sorgen, dass die abertausenden Liter an Bauwasser, die zum Mischen von Mörtel, Estrich usw. verwendet wurden, mehr als genug Zeit hatten, zu verdunsten – denn das funktioniert durch ein Phänomen namens Sublimation auch bei scharfem Frost.

Heute indes erlauben es moderne Baustoffe, auch während der Frostperiode zu bauen.

Gut für die Auftragsbücher der Bauunternehmer, schlecht für die Hausbesitzer. Denn diese haben nun die gleichen Wassermengen in den Mauern, müssen aber bereits darin wohnen.

So kann es dazu kommen, dass ohne fest definierte Quelle das Luftfeuchtigkeitslevel im Innenraum rasch über die Schimmelpilz-kritische Marke von 70% steigt.

In allen anderen Fällen sollte die Quelle jedoch, falls sie nicht direkt behoben werden kann, von nun an täglicher Beobachtung unterstehen, gerne auch mit fotografischen Abgleichen. Nicht nur als Nachweis, sondern auch als Hinweis darauf, wie effektiv die weiteren Maßnahmen sind.

  1. Möbel rücken

Ein steter Luftstrom ist der Feind von Feuchtigkeit, denn er sorgt dafür, dass die feucht-gesättigte Luft sich nirgendwo lange stauen und dort Dinge durchnässen kann.

Ein großes Problem im Haus sind die Möbel.

Denn wo sie, vielleicht nur durch zentimeterstarke Fußbodenleisten am vollständigen Kontakt mit der Wand gehindert werden, wird dahinter kaum Luft bewegt.

Die Maßgabe lautet also, sofern möglich, alle Möbel mindestens drei Zentimeter weit von der Wand wegzuziehen und so für den erwähnten Luftstrom zu sorgen.

Allerdings: Ohne weitere Maßnahmen ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

  1. Konsequent lüften

Wie bereits erklärt, ist sich stauende feuchte Luft der größte Problemfaktor und kann nur durch eines reguliert werden: Die feuchte Luft muss raus aus dem Haus.

Und zwar jeden Tag aufs Neue.

Das gilt vor allem für die erwähnten Neubauten, die so lange „ausdünsten“, bis das Bauwasser verdunstet ist, hat aber auch bei Feuchtigkeit, die nur nach Regenfällen ins Gebäude eindringt, ihre Bewandtnis.

Im Erdreich hält sich Wasser unter Umständen Tage und Wochen.

Die dauerhaft konsequenteste Lösung, insbesondere bei sehr dichten Neubauten, wäre es, technische Lüftungsanlagen installieren zu lassen.

Also Lüftungsschächte, Ventilator-betriebene Zuluft-Elemente oder Fensterfalzlüfter, die gewisse Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Wer (vorerst) jedoch seinen Geldbeutel schonen möchte, muss auf die altmodische Art vorgehen und die Fenster öffnen.

Nicht kippen, nicht „einen Spaltbreit“, sondern jedes Fenster komplett öffnen und konsequent stoßlüften. Die Dauer hängt von der Jahreszeit ab:

  • November bis März: 5-10 Minuten
  • Frühling und Herbst: 15-20 Minuten
  • Sommer: 25-30 Minuten

Dieser Vorgang sollte täglich mindestens zwei- besser dreimal wiederholt werden.

Allerdings gelten im Keller, insbesondere wenn dessen Wände ungedämmt sind, andere Regeln.

Hier muss nicht nur der Jahreszeit, sondern auch der Außen- und Innenluftfeuchtigkeit entsprechend richtig gelüftet werden.

Am besten funktioniert das, wenn das Untergeschoss vom Rest des Hauses abgetrennt werden kann – eine Tür reicht dazu schon.

  1. Tür auf, Tür zu

Je weniger sich Luft irgendwo stauen kann, desto besser.

Und in diesem Sinne muss ihr auch die Möglichkeit gegeben werden, sich frei im Haus zu verteilen, damit sich keine Schwerpunkte bilden.

Im Haus sollte man deshalb auch während der Heizperiode darauf verzichten, die Zimmertüren zu schließen.

Am besten sind sie rund um die Uhr weit geöffnet. Nebenbei erhöht das auch die Effizienz beim Stoßlüften.

Allerdings gilt diese Regel nicht unbegrenzt, denn sie endet dort, wo zusätzliche Feuchtigkeit produziert wird.

Genauer gesagt beim Duschen, beim Kochen usw. Diese Zimmer müssen während dieser Tätigkeiten vom restlichen Haus per Türe abgetrennt werden – und direkt danach muss die nun eingebrachte Luftfeuchtigkeit direkt per Stoßlüften entfernt werden, bevor man den Raum verlässt.

Beim Duschen die Türe schließen

Beim Duschen die Türe schließen

  1. Wärme pur

In Laienkreisen gibt es seit Jahren eine Mundpropaganda, die, befeuert durch Skandal-Internetartikel, für einen ziemlich weit verbreiteten und hartnäckigen Irrglauben sorgte und sorgt.

Nämlich, dass moderne Hausdämmungen dafür verantwortlich seien, dass es zu Feuchtigkeitsproblemen kommt – weil „die Häuser jetzt luftdicht sind“.

Nichts könnte falscher sein.

Denn gerade die Dämmung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Feuchtigkeitsschäden kommt.

Und den Beweis kann jeder selbst erbringen, der eine eiskalte Getränkedose aus dem Kühlschrank nimmt.

Was passiert?

Es bilden sich daran Tropfen aus kondensierter Luftfeuchtigkeit!

An einer warmen Dose passiert das nicht.

Nichts Anderes macht die Dämmung: Sie sorgt dafür, dass die Wand warm bleibt und sich deshalb daran keine Feuchtigkeit niederschlagen kann.

Bloß muss man dies bei Feuchtigkeitsproblemen durch konsequentes Heizen unterstützen.

Die Maßgabe lautet deshalb, in Neubauten und kernsanierten Altbauten im ersten Jahr nach Abschluss der Arbeiten absolut in keinem Raum an der Heizung zu sparen. Dazu gehört:

  • Die Heizung niemals herunterregeln
  • Konsequent die Rollläden nachts schließen
  • Regelmäßig Außentür- und Fensterdichtungen überprüfen
  • Heizkörper korrekt entlüften, damit jeder gleich warm ist

In Verbindung mit den geöffneten Raumtüren sorgt dies dafür, dass die Luftfeuchtigkeit nirgendwo einen kühlen Nährboden findet, auf dem sie sich niederschlagen kann.

Dann entsteht auch kein Schimmel, bzw. dort, wo er bereits in der Entstehung war, wird er ausgetrocknet.

  1. Keine Feuchtigkeit einbringen

Was wäre bei einem überfluteten Keller die denkbar schlechteste Vorgehensweise?

Genau, den Gartenschlauch hineinhalten.

Ganz ähnlich, wenngleich nicht so gravierend, sieht es auch bei Feuchtigkeitsproblemen aus.

Denn selbst mit konsequentem Lüften wird sich noch genug Wasser in der Luft befinden.

Das Äquivalent zum Gartenschlauch wäre es hier, noch weitere Feuchtigkeit in die Raumluft einzubringen.

Etwa dadurch, dass man die Wäsche im Haus trocknet. Oder, dass man das ganze Haus mit Zimmerpflanzen dekoriert – denn Pflanzen atmen dauerhaft die Feuchtigkeit aus, die man ihnen durch Gießen gegeben hat.

Bei sehr trockener Raumluft verbessert das das Klima, bei einem sowieso schon vorhandenen Feuchtigkeitsproblem machen sie es jedoch nur schlimmer.

Und auch die kleinen Dinge zählen.

So sollte man bei Regen seine Schuhe, Schirm und Jacke am besten gar nicht ins Haus lassen und sie höchstens im Flur belassen, falls dieser sich durch Türen abtrennen lässt.

Gleiches gilt auch für Haustiere, die man schon draußen konsequent abtrocknen sollte.

 

Fazit

Feuchtigkeitsprobleme haben immer eine Ursache.

Nur wenn diese konsequent abgestellt ist, wird ein Haus dauerhaft trocken.

So lange jedoch, sollte man sich nicht mit der Situation abfinden, sondern mit aller Kraft zumindest die Auswirkungen bekämpfen.

Richtiges Lüften ist der Schlüssel dazu.

Für sich allein sind die Maßnahmen zwar nicht ausreichend, sie sind aber so lange notwendig, bis die „echte“ Ursache beseitigt ist.


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