Akazienholz

Veröffentlicht von

Akazienhonig kennen wir wohl alle. Hell, süß und lecker. Wusstest du aber dass die Bienen diesen gar nicht aus dem Nektar der Akazienblüten herstellen? Ach übrigens, auch Akazienholz ist oft nicht wirklich Akazienholz…

Tatsächlich ist der hierzulande als Akazie bezeichnete Baum nicht die echte Akazie.

Warum die Verwirrung?

Wir werden in diesem Artikel aufklären was die echte Akazie ist und was das Holz auszeichnet. Außerdem erklären wir die Eigenschaften von Akazienholz und wofür es genutzt werden kann.

Wusstest du schon?

Akazienholz hat eine höhere Festigkeit als Eichenholz! Und trotz dieser Härte ist das Holz biegsam und bricht deshalb nicht so leicht. Ein perfektes Holz für den Möbelbau!

FAKT 1: akazie und robinie unterscheiden

Australische Akazie

Kommen wir zuerst einmal zu der großen Verwirrung: Was ist Robinie und was ist Akazie?

Der hiesige „Akazienhonig“ wird tatsächlich aus Robinien/Scheinakazien gewonnen. Die echte Akazie kommt im mitteleuropäischen Klima nur sehr selten vor.

Auch die Kugelakazie, die gerne im Vorgarten gepflanzt wird, ist in Wirklichkeit eine Robinie oder besser gesagt eine Kugelrobinine.

FAKT 2: VORKOMMEN UND EIGENSCHAFTEN

Der echte Akazienbaum wächst sowohl in tropischen als auch in Wüstenklimata und ist in Australien, Südafrika, Süd- und Mittelamerika und im amerikanischen Südwesten zu finden.

Insgesamt gibt es etwa 1400 Arten, allein 950 davon in „Down Under“. Auch in Afrika gehört sie zu den einheimischen Baumarten. Dort ist sie bekannt für die schirmförmigen Krone, die es dem Baum ermöglicht, so viel Sonnenlicht wie möglich einzufangen. In den Zonen in denen die Akazie heimisch ist kommt sie so häufig vor, dass sie oft das Landschaftsbild prägt.

Afrikanische Akazie

Akazienbäume gehören zur Familie der Hülsenfrüchtler und darin zur Unterfamilie der Mimosengewächse. Meistens werden diese Planzen große Stäucher. Nur selten kann man sie als Baum bezeichnen. Manche der Arten sind auch mit Dornen besetzt.

Das Holz kann sehr unterschiedliche Farben und Maserungen haben. Das Frischholz ist sehr hell, bei der Lagerung dunkelt es allerdings stark nach. Insgesamt hat Akazie eine natürlich feine Textur und eine sehr glatte Oberfläche. Diese ist noch auffallender wenn die Oberfläche poliert wird.

Die Maserung kann zwischen geraden und welligen Mustern variieren. Die Farbe kann von einem hellen Bernstein bis zu einem dunklen Mahagoni reichen. Wenn es geschnitten wird, bietet Akazie schöne Muster und Äste, Tigerstreifen und Vogelaugen. Keine zwei Akazienplatten sind gleich, jede ist ein Unikat.

Akazie punktet aber nicht nur mit der eleganten Maserung sondern auch durch eine unglaubliche Festigkeit und Härte. Damit sticht sie sogar die alte deutsche Eiche und Ahornholz aus. Akazienholz überzeugt außerdem mit einer enormen Widerstandsfähigkeit – und das sowohl im Haus wie auch im Freien.

Dornen einer Akazienart

Und: obwohl so hart, ist das Holz extrem biegsam. Dadurch verziehen sich Möbel nicht so schnell, was bei anderen Hölzern unschöne Risse hervorruft.

Akazie eignet sich auch wunderbar für den Außenbereich. Insekten und Pilze scheinen das Holz nicht zu mögen. Bei guter Pflege können die schweren Vollholzmöbel oder Bauten aus Akazienholz über 40 Jahre im Freien stehen.

Wusstest du schon?

Die „Bundeslade“ ein Gegenstand des Volkes Israel der zur Anbetung gehörte war, laut der Bibel, aus Akazienholz gefertigt. Sie enthielt unter anderem die beiden Steintafeln mit den zehn Geboten und war ein Symbol für das Bündnis Gottes mit dem Volk Israel.

FAKT 3: Akazienarten

  • Acacia saligna
  • Acacia longifolia
  • Acacia caven
  • Acacia linifolia
  • Acacia decurrens
  • Acacia ulicifolia
  • Acacia paradoxa
  • Vachellia karroo
  • Acacia concurrens
  • Acacia implexa
  • Acacia myrtifolia
  • Vachellia abyssinica
  • Acacia pravissima
  • Acacia verticillata
  • Acacia redolens
  • Acacia redolens
  • Vachellia nilotica
  • Acacia dealbata
  • Acacia boormanii
  • Acacia tortilis
  • Acacia pendula

FAKT 4: Nutzung von Akazienholz Möbelbau

Alle diese Eigenschaften machen Akazienholz sehr attraktiv für den Möbelbau. Hauptsächlich wird es aus vier Gründen gerne genutzt: Es ist erschwinglich, ungetrocknet leicht zu verarbeiten, langlebig und nachhaltig.

Abhängig davon welche der vielen Akazienarten genutzt wird, kann kostengünstig eingekauft werden. Wichtig ist hier ein vertrauenswürdiger Verkäufer.

Die Koa-Akazie von Hawaii ist ein ziemlich schnell wachsender Baum, der in fünf Jahren 6-9 Meter hoch werden kann. Sie hat sich an das Wachstum in den Feuchtwäldern Hawaiis in höheren Lagen angepasst. Sie hat die Fähigkeit, Stickstoff zu fixieren, wodurch sie in den vulkanischen Böden auf den Inseln wachsen kann. Wird die Akazie allerdings anderswo angepflanzt dauert es 20-25 Jahre, bis der Baum groß genug für die Nutzung ist.

In den heimischen Gegenden wächst die Akazie also schnell nach und kann deshalb recht nachhaltig genutzt werden. Das ist beispielsweise der große Unterschied zu Teakholz, einem anderen sehr haltbaren und wasserfesten Holz. Teak ist zwar ein schönes Holz, dafür aber auch sehr teuer und nicht nachhaltig. Aus diesem Grund wurden Sanktionen gegen seinen Handel und Import verhängt.

Die Möbel bleiben auch unter starker Beanspruchung schön, da das Holz sehr resistent gegen Kratzer ist. Durch die extreme Härte ist Akazie schwer filigran zu bearbeiten. Möbel die daraus gefertigt werden haben deshalb meist eher in einem modern-rustikalen und geradlinigen Stil. Die hohe Belastbarkeit bietet auch die perfekten Voraussetzungen für Fußböden.

Vor dem Trocknen lässt sich mit der häufig genutzen Babul-Akazie allerdings leicht arbeiten. Das ermöglicht es, schöne Bänke und Buffets oder Esstische herzustellen, ohne dass die hohe Qualität der Möbel darunter leidet.

Philippinische Akazien-Arten wie Albizia procera können leicht mit gewöhnlichen Holzbearbeitungswerkzeugen, einschließlich Handwerkzeugen, bearbeitet werden. Im Allgemeinen ist Akazie aufgrund ihrer Dichte mäßig schwierig zu sägen und zu bearbeiten. Sie kann allerdings leicht gehobelt und poliert werden. Albizia lebbeck, eine weit verbreitete Akazienart aus Südostasien, hat eine verzahnte Maserung, die die Arbeit mit gewöhnlichen Werkzeugen erschwert. Akazie hat eine Dichte und eine Biegefestigkeit, die mit Teak vergleichbar ist, und nimmt Farbe oder Lack gut auf.

Wie viele andere Holzarten ist Akazie von Natur aus antibakteriell und kann daher für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Der Vorteil dieses Holzes besteht außerdem darin, dass es nach der Verwendung als Schneidebrett auch als edle Servierplatte verwendet werden kann.

Die Festigkeit von Akazienholz macht es außerdem sehr praktisch für Arbeitsplatten, ob in der Küche oder anderweitig. Am besten natürlich aus Massivholz.

Sinnvoll ist auch der Einsatz als Bad- und Küchenmöbel, weil es sowohl sehr dauerhaft als auch wasserbeständig ist – ideal für stark beanspruchte Gegenstände, die häufig mit Flüssigkeiten in Kontakt kommen.

Wusstest du schon?

Viele Schriftsteller des 18. Jahrhunderts priesen die Akazie als dauerhaftes und wertvolles Holz. Es wurde für Holznägel, Schiffspfosten, Balken und natürlich Möbel verwendet.

Ein englischer Schriftsteller, Ebeneezer Jessup, schlug enthusiastisch die Pflanzung von 10.000 Hektar des Baumes vor, um eine dauerhafte Quelle von Baumaterial für die königliche Marine zu schaffen.

Die englische Royal Navy reagierte prompt. Sie schätzte die Akazie wegen ihrer Haltbarkeit und Wasserbeständigkeit und verwendete sie als primäres Baumaterial für ihre legendären Schiffe.

Mit ihren fortschrittlichen Akazienrümpfen begannen diese Schiffe die Meere zu beherrschen und erlaubten es England, die feste Kontrolle über ihre Kolonien zu erlangen, was ihren Platz als führende Weltmacht des 18. Jahrhunderts festigte.

FAKT 5: Andere Nutzungsarten

Die hawaiianische Koa-Akazie wird zu Gegenständen wie Schalen und Kanus, Surfbrettern und Bodyboards verarbeitet. Da Koa ein Tonholz ist und eine natürlichen Resonanz aufweist, wird es gerne für den Bau von Ukulelen, akustischen Gitarren und Steelgitarren verwendet.

Auf den Philippinen werden Akazienarten für Bootsbau, Möbeltischlerei, Schnitzereien, Möbel, Tischlerei, Eisenbahnschwellen und viele andere Bauprojekte verwendet.

In Südostasien wird es hauptsächlich für Bodenbeläge, Parkett, Treppengeländer, Furniere und Schränke genutzt. Einigen mittelamerikanischen Arten wachsen große Dornen, die zu Schmuck, Puppen und anderen Souvenirs verarbeitet werden.

Da Akazienholz kein eigenes Aroma hat, wird es heute auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Aus dem getrockneten Holz werden Akazienfasern hergestellt. Diese werden weiter zu feinen Partikeln vermahlen. So kann das feine Mehl als Füll- und Bindestoff in Getränken und anderen Lebensmitteln eingesetzt werden.

Im Reformhaus wird mit Akazienfasern für einen gesunden Darm und ein starkes Immunsystem geworben. Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt kann die Fasern als Ersatz für tierische Bindemittel nutzen.

Wusstest du schon?

Akazie wird auch wegen seines Baumsaftes sehr geschätzt. Dieser ist als Gummiarabikum bekannt.

Gummiarabikum wird für medizinische Zwecke, als Zusatz zu Erfrischungsgetränken und als Außenbeschichtung für „harte“ Bonbons wie M&Ms verwendet. Auch als Verdickungsmittel, Emulgator und als Stabilisator wir er gerne Lebensmitteln zugesetzt. So würde sich zum Beispiel in Coca-Cola ohne Gummiarabikum der schwarze Farbstoff an der Flaschenwand absetzen.

Eine ehemals weit verbreitete Verwendung von Gummiarabikum ist die Gummierung von Papier. Dadurch werden Etiketten, Briefmarken, Briefumschläge, Zigarettenpapier, Verpackungen oder Klebebänder beim Anfeuchten verschließbar bzw. „klebbar“ gemacht.

Gummiarabikum

FAKT 6: Pflege

Wer Möbel aus Akazienholz besitzt sollte auf eine gleichbleibende Raumtemperatur und Luftfeuchte achten. Die Möbel sollten am besten nicht direkt neben einem Ofen oder der Heizung stehen. Sollte das Holz schon gelitten haben, können mit einem Luftbefeuchter kleinere Risse wieder ausgeglichen werden.

Um das Holz gleichmäßig und schön zu erhalten sollte es auch nie mit fließendem Wasser übergossen werden und keine heißen oder nassen Gegenstände darauf abgestellt werden. Darauf sollte man besonders achten, wenn man einen Esstisch aus Akazie zu Hause stehen hat.

Fazit

Akazie ist kein heimisches Holz, da es im mitteleuropäischen Klima kaum vorkommt. Es wird daher meist aus Australien oder Nordamerika importiert.

Akazienholz ist tatsächlich ein sehr vielseitig einsetzbares Nutzholz. Es gehört zu den Harthölzern, ist gleichzeitig aber auch biegsam. Besonders geeignet ist Akazie für einen rustikalen und geradlinigen Stil, da es nicht so leicht filigran zu bearbeiten ist.

Ein Gedanke zu „Akazienholz“

Schreibe einen Kommentar zu Kerstin Schmidt Antworten abbrechen