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Schnitzen lernen – für Anfänger

Geschnitzt hat warscheinlich jeder schon einmal als Kind. Wenn es nach einer Wanderung am Lagerfeuer Würstchen gibt, werden schnell aus Ästen die passenden Spieße „geschnitzt“.

Aber was ist professionelles Schnitzen an der Werkbank? Welche Werkzeuge nutzt ein Schnitzer? Das erfährst du hier in diesem Beitrag. Geschnitzt wird hauptsächlich Holz aber auch Elfenbein, Wachs, Gips, Beton oder Eis. Ich beschränke mich hier jetzt auf das Schnitzen von Holz.

Hast du schon Schnitzwerkzeug?

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Die Holzauswahl

werkbank-info-schnitzen-trocknenDie Auswahl des Holzes ist einer der wichtigsten Schritte beim Schnitzen. Davon hängt die Schwere
deiner Arbeit und auch das Endergebnis ab. Welches Holz ist das richtige? Wichtig ist, dass es sich um trockenes, abgelagertes Holz handelt. Frisches Holz verändert sich beim Trocknungsprozess und führt daher in einem fertigen Werkstück zu Rissen.

Wähle außerdem ein weiches Holz. Buche und Eiche sind zwar hochwertige Hölzer taugen aber nicht für das Schnitzhandwerk. Fichte dagegen ist langfaserig und fasert deshalb schnell ab, damit ist auch dieses Holz für das Schnitzhandwerk unpassend. Passendes Holz ist beispielsweise Linde, Kiefer oder Ahorn. Hier die Eigenschaften dieser drei Holzarten.

Lindenholz

Lindenholz eignet sich hevorragend für Anfänger und Profis zum Schnitzen. Es ist ein weiches, kurzfaseriges Holz. Kleine Details kannst du wunderbar herausarbeiten. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich durch wenige Äste auszeichnet. Lindenholz hat eine rosa-weiße bis hellgelbe Färbung.

Ahornholz

Dabei handelt es sich um sehr helles, cremeweises Holz, das relativ schwer zu schnitzen ist. Allerdings können auch aus diesem Holz feine Details sehr gut herausgearbeitet werden. Meist werden die Rohlinge mit einem Pantographen vorgefertigt und dann von Hand weiterbearbeitet.

Pantograph_animation

Funktionsweise eines Pantographen

Wusstest du schon?
Ein Pantograph ist ein Instrument mit dem es möglich ist, Zeichnungen eins zu eins übertragen. Für
Holzschnitzereien  werden Pantographen verwendet die ein Modell abtasten und dann ebenfalls eins zu eins einen oder mehrere Holzrohlinge produziert. Diese werden dann von Hand fertiggestellt.

Kieferholz

Die Kiefer, ganz besonders die Zirbelkiefer ist ein sehr gutes und weiches Schnitzholz. Im Gegensatz zur Linde hat es allerdings relativ viele Äste. die Farbe der Zirbelkiefer ist gelb-rötlich, dunkelt aber sehr stark nach. Kiefernholz hat auch einen sehr angenehmen Duft.

Andere Holzarten

Es werden auch verschiedene andere Holzarten zum Schnitzen verwendet, die sich aber teilweise nicht für Anfänger eignen. Dazu gehören Eiche, Lärche, Ulme, Kastanie, Pappel, Eibe, Olive, Mandel, Feige, Birke, Birne. Welche Holzart du für dein Werkstück benötigst hängt von deinen Fertigkeiten ab und was du erstellen möchtest.

Werkbank und Werkzeug

Beim Schnitzen wird mit sehr scharfen Messern gearbeitet. Deshalb ist gerade für Anfänger wichtig, wie sie ihre Werkbank oder beim Schnitzen auch Schnitztisch vorbereiten.

Wichtig ist beispielsweise gute Beleuchtung. Wer nicht gut sieht, kann keine gute Arbeit leisten und läuft Gefahr sich zu verletzen. Geschickt sind auch Lampen mit integrierter Lupe. Achte auch auf die richtige Arbeitshöhe, so verhinderst du, dass du Rückenschmerzen bekommst.

Bestseller-Tipp
Hier habe ich eine Auflistung der beliebtesten Schnitzwerkzeuge.

Genauso wichtig, besonders für Neulinge ist eine Möglichkeit das Werkstück einzuspannen. Oft genügt ein normaler Schraubstock. Möchtest du ringsum bearbeiten bietet sich eine Figurenschraube an. Manche arbeiten auch gerne mit einem Schnitzaufsatz für den Arbeitstisch.

Die Schnitzwerkzeuge

Und natürlich ist auch die Qualität der Schnitzwerkzeuge ausschlaggebend ob das Ergebnis befriedigend
wird. Nur optimal geschärftes, stabiles und gehärtetes Werkzeug hilft dir dein Ziel zu erreichen.

werkbank-info-schnitzen-SchnitzmesserEs gibt hunderte verschiedene Schnitzwerkzeuge. Genannt werden sie auch Schnitzmesser, Schnitzbeitel oder Schnitzeisen. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Werkzeugen ist die Schneidenform (der Stich) und die Breite.

Schnitzmesser gibt es in den Formen Flach, Rund, V-Form und U-Form. Diese Form kannst du erkennen, wenn du das Werkzeug senkrecht in ein Stück weiches Holz drückst. Die Breite variiert zwischen 0,5 mm und 80 mm.

Ich persönlich empfehle zwei Hersteller: Kirschen und BGS Schnitzwerkzeuge. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber ich habe vor allem mit Kirschen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Schnitzeisen müssen aus hoch kohlenstoffhaltigem Stahl gefertigt werden, nur so haben sie die nötige Härte. Die Schneiden müssen immer scharf genug sein. Wer mit einem weniger scharfen Eisen arbeitet braucht viel mehr Kraft und kann nicht so sauber arbeiten. Je nach Holzart braucht der Schnitzer einen anderen Schneidenwinkel. Dieser beträgt bei weichen Hölzern ca. 20° und bei harten Hölzern ca. 30°.

Tipp:
Statt billiges Schnitzwerkzeug zu kaufen oder gleich teures Profiwerkzeug, kannst du dir auch gebrauchtes, hochwertiges Werkzeug zulegen und so testen ob das Schnitzen etwas für dich ist.

Für die unterschiedlichen Werkzeuge gebrauchen Schnitzer auch verschiedene Bezeichnungen. Die Hauptformen sind:

    • Balleisen: gerade, flache Schneide. Lustigerweise wird gerade dieses für Rundungen gebraucht. Es kann nicht für gerade Schnitzereien genutzt werden, da sonst an den Schneidkanten die Holzfasern reißen würden.
    • Flacheisen: leichte Höhlung. Dieses Eisen wird für gerade Flächen und Rundungen eingesetzt.
    • Hohleisen: stärkere Höhlung. Damit werden tiefere Furchen und Höhlungen geschnitzt.
    • Bohrer: sehr starke Höhlung. Mit diesem Bohrer- Eisen werden Löcher oder sehr starke Vertiefungen in das Holz geschnitzt. Hiermit kann schnell sehr viel Holz weggenommen werden. Oft wird dieses Werkzeug auch zur Vorbearbeitung genutzt.
    • Geißfuß: in V-Form. Damit können harte, scharfe Kanten erstellt werden. Das braucht man beispielsweise zum modellieren von Haaren an Figuren.

Schärfen von Schnitzeisen

werkbank-infos-schnitzen-schärfenSchnitzeisen müssen nicht ständig komplett angeschliffen werden. Meistens reicht es die Schneide mit
etwas Polierpaste über ein Leder zu ziehen. Erst wenn die Schneide verrundet, also nicht mehr ihre richtige Form oder Geometrie hat, muss sie angeschliffen werden.

Unter Umständen hat die Schneide sogar kleine Ausbrüche wie im Bild rechts. Diese entstehen wenn altes Holz verwendet wird in dem vielleicht noch Nägel stecken oder wenn Schnitzeisen unsachgemäß verwendet werden. Auch dann ist ein Anschliff nötig, wenn sie überhaupt noch brauchbar sind.

Das Schärfen wird von Hand auf Öl- oder Wassersteinen durchgeführt. Viele Schnitzer nutzen auch elektrische Schleifmaschinen. Das wichtigste ist hierbei, dass dein Schnitzeisen nicht zu heiß wird.

Durch die Hitze die bei der Reibung entsteht kann die dünne Schneide schnell ausglühen und ist damit unbrauchbar. Deshalb ist eine Nassschleifmaschine sehr sinnvoll. Dabei dreht sich ein Schleifstein in einem Wasserbad und wird permanent gekühlt. So entstehen auch keine Funken – eine große Gefahr in einer Schreinerei oder Schnitzerei.

Also jetzt hast du alles nötige vorbereitet. Jetzt geht’s ans Schnitzen.

Schnitzen – so geht’s

Hier einmal der komplette Arbeitsablauf in einer professionellen Schnitzerei:

Als erstes wird eine Zeichnung erstellt, damit die Ideen erstmal sichtbar sind. Oft wird vor dem eigentlichen Holzwerkstück sogar noch ein Prototyp aus Ton oder Plastilin hergestellt. Diese lassen sich einfach formen und verändern. Oft ist der Ersteller der Plastillin-Figur ein Modelleur und dieser übergibt dann dem Schnitzer die fertige Idee.

Handelt es sich um Serienfertigung erstellt der Schnitzer einen weiteren Prototypen aus Holz. Dieser hat bereits die Grundformen der fertigen Figur, ist aber noch nicht komplett fertig gestellt. Dieser Prototyp wird dann von einen Pantographen viele Male kopiert. Und schließlich werden diese Prototypen von Hand noch fertiggeschnitzt. Ganz besonders wird dabei auf das Gesicht oder Kleider geachtet. Dabei kann sehr viel Gefühl hineingebracht werden.

Tipp:
Willst du beim Schnitzen ans Ziel gelangen, musst du klein und einfach anfangen!

https://baubeaver.de/wp-conteSo wie dieses alte Sprichwort schon besagt: am besten erst einmal klein und einfach anfangen! Das bedeutet natürlich nicht, dass du dir eine möglichst filigrane Arbeit aussuchen solltest. Je kleiner und verzwickter die Arbeit, desto schwerer.

Suche dir also erst einmal ein einfaches Werkstück aus und teste daran deine Fähigkeiten. Sinnvoll für Anfänger sind ein Teller, eine Schale, ein Tier oder eine Pflanze.

Nun bist du dran! Wichtig: IMMER vom Körper weg schnitzen! Hebeln und Brechen sind verboten, das hat nichts mit Schnitzen zu tun. Halte immer wieder einmal inne und überlege dir gut deinen nächsten Schritt.

Wasche dir regelmäßig die Hände um nicht unnötig Fett auf das Werkstück zu übertragen. Hat sich Staub oder Holzspäne auf dein Werkstück gesetzt putze es mit einem Pinsel, oder puste sie weg.

Je flacher du dein Schnitzeisen hältst, desto weniger Holz wird abgetragen. Oft sind Anfänger sehr vorsichtig und kommen dadurch kaum weiter. Das kann entmutigen. Achte deshalb darauf ein weiches Holz zu nehmen, scharfe Schnitzwerkzeuge zu nutzen und dieses auch im richtigen Winkel zum Werkzeug zu gebrauchen.

Solange du noch nicht mit Schnitzen fertig bist darf auf keinen Fall Schleifpapier verwendet werden. Die Schnitzwerkzeuge werden durch die Restkörner stumpf. Ganz am Ende können ebene Flächen durchaus glatt geschliffen werden.

Schnitzen mit der Kettensäge

Nicht immer gehts beim Schnitzen filigran zu. Schnitzen kann man nämlich auch mit der Kettensäge. Wie das bei Profis aussieht siehst du in folgendem Video.

 

Fazit

Schnitzen ist ein Handwerk und will gelernt sein. Deshalb solltest du unbedingt auf deine Sicherheit achten. Die Auswahl des Holzes ist ausschlaggebend für das Endergebnis und ebenso wichtig wie die richtigen Schnitzmesser, die regelmäßig geschärft werden müssen.

Suche dir ein Motiv aus, das deinen Fähigkeiten entspricht und achte beim Schnitzen auf den richtigen Winkel deiner Schnitzwerkzeuge. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg!


Kommentare


Hubert 11. Oktober 2016 um 12:52

Hallo Samuel,

danke für die Beschreibung und die tolle Anleitung. Mir hat dein Stemmeisen gut gefallen. Was hast du denn damit gemacht? Das sieht ja übel aus. 😉

Antworten

Samuel Schneider 11. Oktober 2016 um 12:54

Servus Hubert,

danke. Es freut mich dass es dir gefällt. Naja das mit dem Stemmeisen lag daran, dass ich zu gutmütig war und das ausgeliehen habe. Irgendwo hatte sich ein Nagel versteckt und ein Bekannter hat sich damit verewigt…

Antworten

Jasmin 30. Dezember 2016 um 19:58

Hi Samuel,

die Anleitung und die Tipps sind erstklassig. Vielen Dank dafür! Kannst du mir sagen wo ich am besten Holz kaufen kann, welches zum Schnitzen geeignet ist?

Antworten

Samuel Schneider 30. Dezember 2016 um 20:09

Hallo Jasmin,

danke für deinen Kommentar. Hier habe ich beschrieben welche Holzarten sich besonders gut eignen. Mein Tipp: such dir einen Schreiner oder Tischler in deiner Nähe und erzähl ihm von deinen Plänen. Er wird dir die besten Hinweise geben können.

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