Pfetten

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„Samuel, du und Marcel, ihr richtet die Pfetten“

Ich dachte nur: „Was ist das? Pfette? Hä?“.

Der Anfang war sehr schwer, aber mit der Zeit habe ich solche Ausdrücke immer mehr lieben gelernt.

Wir als Zimmerer nutzen Ausdrücke wie „Pfetten“ in unserer täglichen Arbeit. Für mich waren solche Ausdrücke oft nur böhmische Dörfer.

Solche Ausdrücke klingen oft komplizierter, als sie in Wirklichkeit sind. Dieser Artikel soll im Detail klären, was wir als Zimmerer unter dem Begriff verstehen. Aber wem das ganze zu lang ist, kann auch einfach nur folgendes lesen:

Was bedeutet „Pfette“? tl;dr

Der Begriff „Pfetten“ (auch „Dachpfetten“) bezeichnet die waagrechten Balken die unterhalb des Dachsparrens liegen und diese tragen. Damit gehören diese Balken zu den wichtigsten, konstruktiven Elementen eines Daches. Diese Pfetten verlaufen meistens parallel zum First und zur Traufe. Man unterscheidet je nach Position zwischen Firstpfette, Mittelpfette, Wandpfette und Fußpfette.

Etymologie

Über die Herkunft des Begriffs „Pfette“ gibt nur wenige Informationen. Das Oxford Dictionary schlägt einen französischen Ursprung vor. Das früheste Zitat ist aus dem Jahr 1447 und verwendet eine Kombination dieses Begriffs.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte


Abb. 1 – die tragenden Elemente eines Pfettendachs.

Hier habe ich ein Pfettendach gezeichnet. Die Rot markierten waagrechten Balken stellen alle Pfetten dieser Dachkonstruktion dar. Die untersten nennen sich Fußpfette, die mittleren Mittelpfetten und die oberste wird Firstpfette genannt. Die Fußpfette wird auch je nach Konstruktion einfach nur „Schwelle“ oder „Schwellenholz“ genannt. Bei der Konstruktion einer Schleppgaube, braucht man ebenfalls eine Pfette. Diese nennt sich „Wandpfette“.

Abb. 2 – Draufsicht: die Dachpfetten verlaufen parallel zur First und Trauflinie, das ist aber nicht immer der Fall!

In der Abbildung 2 sieht man wie die einzelnen Pfetten parallel zur Firstlinie bzw. Trauflinie verlaufen. Das ist aber nicht immer der Fall. Es gibt auch komplexere Dachkonstruktionen, wie zum Beispiel Walmdächer und ungleichgeneigte Dachflächen mit steigenden Pfetten. Bei diesen verlaufen die Pfetten nicht immer parallel zueinander.

Ein Sparrendach hat keine Pfetten. Die Sparren werden dabei anders dimensioniert und konstruiert. Damit hat man zwar einige Vorteile, aber auch einige Nachteile (zum Beispiel beim Einbau eines Dachfensters oder einer Gaube). Mehr Informationen zum Thema Sparrendach, findest du in diesem Fachartikel.

In Wikipedia ist zu lesen, dass das Rähm bei einem Fachwerkhaus auch als Pfette bezeichnet wird. Das ist jedoch nicht korrekt. Während das Rahmholz oder das Rähm, das oberste Holz der Fachwerkwand darstellt, ist die Pfette ein unabhängiges Bauteil.

Diese Bauteile werden meistens aus Konstruktionvollholz oder auch KVH konstruiert.

Was bedeutet „Konstruktionsvollholz bzw. KVH“? tl;dr

Kunstruktionsvollholz (KVH) ist ein güteüberwachtes Schnittholz aus Nadelholz der Sortierklasse S 10 und einer Holzfeuchte von ω = 15 ± 3 %. Die Oberfläche ist gehobelt und gefast (KVH Si). KVH NSi ist egalisiert und gefast. KVH hat die Vereinigung Deutscher Sägewerksverbände und der Bund Deutscher Zimmermeister ins Leben gerufen. Ziel des Ganzen: ein Bauprodukt zu definieren, welches für sichtbare Holzbauteile aus Vollholz geeignet ist und zusätzlich mangelfrei und wirtschaftlich ist.

Je nach Dimension der Balken, setzen wir eine Stützweite von 4 m bis 6 m ein. Pfetten können auch verlängert werden, beispielsweise durch eine traditionelle Holzverbindung (z.B. Gerberstoß). Bei größeren Stützweiten oder erhöhter Schneelast wird auch Brettschichtholz (BSH), Fachwerk- oder Wellstegträger eingesetzt. Das ist bei sehr großen Stützweiten oft wirtschaflicher.

Firstpfette


Abb. 3 – Firstpfette

Die Firstpfette übernimmt die Kräfte die von den Sparren im Firstbereich aufkommen. Die Firstpfette leitet die Kräfte über Pfosten oder tragende Wände an andere tragende Elemente oder direkt an das Fundament weiter.

Die Dachpfetten werden dabei so dimensioniert, dass die Längsaussteifung gewährleistet wird. In Europa ist es üblich, dass Sparren eine Kerve bekommen, damit diese sauber aufliegen und gut befestigt werden können. In anderen Ländern (zum Beispiel in südamerikanischen Ländern) werden die Sparren einfach so auf die Pfette gelegt (nicht zu empfehlen!).

Mittelpfette

Abb. 4 – Mittelpfette

Die Mittelfpette liegt meistens im oberen Drittel einer Dachkonstruktion und verhindert das Durchhängen der Sparren. Die Mittelpfette leitet die aufkommenden Kräfte über Pfosten oder tragende Wände an andere tragende Elemente oder direkt an das Fundament weiter.

Auch hier bekommen die Sparren die gleiche Kerventiefe wie im Bereich der Firstpfette. Je nach Konstruktion ist auch in diesem Fall eine Längsaussteifung notwendig.

Je nach Länge der Dachfläche, kann man mehr als eine Mittelpfette positionieren. Das sollte am besten mit einem Statiker besprochen werden.

Fußpfette

Abb. 5 – Fußpfette

Die Fußpfette liegt im untersten Bereich einer Dachkonstruktion. Die Fußpfette leitet die aufkommenden Kräfte über Pfosten oder tragende Wände an andere tragende Elemente oder direkt an das Fundament weiter.

Wenn die Fußpfette vollflächig aufliegt, kann dieses Bauteil kleiner dimensioniert werden. Solche Fußpfetten werden auch „Schwellen“ oder „Mauerlatten“ genannt.

In diesem Bereich bekommen die Sparren ebenfalls eine Kerve, damit die Sparren schnell positioniert und befestigt werden können.

Koppelpfetten

Abb. 6 – Koppelpfetten

Koppelpfetten werden auch Pfettensparren oder Sparrenpfetten genannt und diese werden hauptsächlich im Hallenbau verwendet.

Die Pfetten werden ähnlich wie bei den Sparren, gleichmäßig eingeteilt. Dabei liegt die Fläche des Sparren nicht waagrecht, sondern parallel zur Dachfläche. Die Haupt-Binder haben meistens einen Abstand von 4 – 6 m. Auf die Koppelpfetten werden meistens Sperrholzplatten oder Holzschalungen montiert und obenauf die Dachhaut.

Abb. 7 – … hier liegt die Koppelpfette in der Dachneigung
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Normen und Richtlinien


Abb. 8 – Normen und Richtlinien

Es gibt einige Richtlinien und Normen die man im Bereich der Pfetten beachten muss. Zum Beispiel beim Anschluss der Dampfbremse.

Was kostet so eine Dachpfette?

Der Preis einer Dachpfette richtet sich immer nach dem Preis des gewählten Bauholzes. Man unterscheidet zwischen Konstruktionsholz und Brettschichtholz (Duobalken und Triobalken).

Ein Fallbeispiel:

  • Breite 10 cm
  • Höhe 20 cm

Umrechnung (Preise richten sich nach den aktuellen Händlerpreisen):

  • Für die oben genannte Dimensionen: KVH kostet rund 12 EUR pro Meter, das wären für 600 cm ca. 72 EUR.
  • Für die oben genannte Dimensionen: BSH kostet rund 18 EUR pro Meter, das wären für 600 cm ca. 108 EUR.

Die Differenz ist nicht sehr groß, weshalb auch immer mehr BSH verbaut wird. Teuer wird es, je größer der Querschnitt wird. Wobei das KVH keine so große Querschnittsauswahl hat, wie das BSH.

Wie befestigt man Sparren auf den Pfetten?

Die Befestigung erfolgt meistens über Sparrennägel oder Sparrenschrauben (Senk- oder Tellerkopf, meistens 8 mm bis 10 mm).

In wenigen Fällen werden auch Sparrenpfettenanker (Sparrenverbinder) genutzt. Der Grund liegt bei der Aufwendigen Montage dieser Metall-Verbinder.

Abb. 8 – Eine eher seltene Verbindung zwischen Sparren und Pfette

Fazit

In diesem Artikel haben wir also verschiedene Punkte behandelt. Pfetten sind wichtige Bauteile einer Dachkonstruktion. Sie werden unterschiedlich angeordnet und haben unterschiedliche Funktionen.

Diese Bauteile können unterschiedlich dimensioniert werden und die Preise richten sich nach dem Querschnitt, der Länge und der Materialwahl.

20 Gedanken zu „Pfetten“

  1. Hallo Samuel,
    Ich habe ein Blockbohlen Haus von Weka gekauft und wundere mich über den Dachaufbau, der besteht bei dem Haus bei einer Dachgröße von 270 x 390 cm aus nue einer firstpfette und den Seitenwandbohlen das Haus hat ein Grundmaß von 235 x 301 cm. Ist da eine Pfette ausreichend? Da ich vorhabe das Dach mit Bitumenschindeln einzudecken und bei einer Dachbrettlänge von ca 190 cm ohne Stütze das Gewicht eventuell durchbiwgen würde. Ich hoffe Sie können mir hier etwas helfen.
    Liebe Grüße Thomas

    Antworten
  2. Als erstes möchte ich sagen: Chapeau! Wirklich gut gemacht und verständlich erklärt.
    Ich bin gelernter Maschinenbau-Ingenieur (gezwungenermaßen) und habe mich eigentlich schon seit meiner Jugend für den Holzbau interessiert.
    Für einen kompletten Neuanfang ist es mit 56 Jahren wohl etwas spät, aber in meiner Freizeit beschäftige ich mich mit der Planung eines Hauses in Holzständerbauweise.
    Aufgrund der Tatsache, dass ich mir alles anlesen muss, ist diese Seite wirklich sehr lehrreich für mich. Ganz lieben Dank.
    Eine Frage habe ich noch:
    Gibt es Regeln, wie tief die Sparren ausgekerbt werden müssen? Für eine kurze Beschreibung wäre ich sehr dankbar.
    Herzliche Grüße
    Thorsten

    Antworten
    • Hallo Thorsten,

      Als erstes möchte ich sagen: Chapeau! Wirklich gut gemacht und verständlich erklärt.

      Wow danke! 🙂 Ich bleib weiter am Ball! Und dir viel Freude beim Bauen.

      Gibt es Regeln, wie tief die Sparren ausgekerbt werden müssen? Für eine kurze Beschreibung wäre ich sehr dankbar.

      was du suchst ist das Obholzmaß und das beträgt in der Regel 3/4 der Sparrenhöhe. Nähere Infos findest du hier

      Antworten
  3. Hallo Samuel,

    super Beitrag, der mir beim Verständnis sehr weiter hilft. Ich bin derzeit an der Planung für meine Hauserweiterung (Aufstockung auf einer Dachseite). Auch ich habe ein Pfettendach, welches bereits vor knapp 30 Jahren einmal, auf der selben Dachseite wie nun die Aufstockung kommen wird, erweitert/verlängert wurde.
    Hierbei wurden vom ursprünglichen Dach die Sparren verlängert und wiederum auf einer Mittelpfette sowie Fußpfette abgestützt.
    Da ich auf dieser Seite eine Aufstockung machen möchte (mittels Holzständer) wird die gesamte Dachkonstruktion einseitig verändert und an den Giebelseiten entstehen „Löcher“ durch die neue, niedrigere Dachneigung als bisher. Diese Löcher möchte ich ebenfalls, mittels Holzständer schließen.
    Hier nun meine eigentlichen Fragen.
    1. Benötige ich einen Ringanker auf dem Giebelmauerwerk um die Holzständer zu befestigen oder nicht?
    2. die Mittelpfette wird im Gesamten um ca 0,8-1 Meter angehoben und etwas zum derzeitigen Standort versetzt. Die Wand auf der die Pfette nur zu etwa 2,5Metern auflag (Pfette hat eine Gesamtlänge von 11 Metern und wird im Raum nochmals durch einen Pfosten abgestützt) hatte ebenfalls einen Ringgurt. Kann ich diese Wand ohne weiteres entfernen und benötigt die neue Wand auf der die Pfette aufliegen wird auch wieder einen Ringgurt oder nicht?

    Danke für deine Hilfe

    Ich hoffe, das war halbwegs verständlich erklärt.

    Grüße Marcel

    Antworten
  4. Hallo Samuel,

    eher durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen (auf der Suche nach Fußpfette.. Dimensionierung).
    Klasse Website, sehr informativ, grafisch sehr gut gestaltet und viele Informationen, die man normal bei den Profis vom Abbundzentrum, Großhandel etc. suchen würde (und dort nicht findet).

    Besten Dank, hier werde ich weiter stöbern und lesen.

    Viele Grüße
    Benny

    Antworten
  5. Es gibt auch die Kombination zwischen Sparren und Pfettendach
    Meine Scheune hat 13 m Spannweite, es gibt keine Firstpfette aber 2 Mittelpfetten, die Last der Sparren wird aber direkt auf die langen Bundbalken abgetragen. Das Vordach ist angeschleppt. Eine sehr holzsparende und trotzdem stabile Bauweise, nach 100 Jahren ist das Dach immer noch gut.
    (Die Pfosten unter den Pfetten tragen auch noch die Hocheinfahrt)

    Antworten
  6. Guten Tag Herr Schneider

    Danke für den sehr guten Bericht.
    Vielleicht können Sie mir Ihre Meinung zu folgendem Problem sagen, dass ich derzeit habe:

    Ich baue mir auf meinem Grundstück eine Art Carport in den Abmessungen ca. 7 x 6 Meter. Darauf soll ein Pfettendach. Die Pfetten sind etwa 7 Meter lang. Da die Sparrenlänge nur etwa 4 Meter betragen wird, würde ich auf die Mittelpfette verzichten und nur Fuss- und Firstpfette errichten. Als Eindeckung würde ich Falzziegel verwenden.
    Mein eigentliches Problem ist nun, dass die Länge der Fusspfetten nicht gleich ist. Das liegt am Grundstück, welches nicht 100 % ig rechteckig ist. Im Ganzen ist die eine Seite genau 10 cm länger/kürzer als die andere. Was würden Sie tun: Pfetten trotzdem gleich lang machen, was zur Folge hätte, dass die Giebel nicht genau parallel über den Aussenänden verlaufen – oder aber eine Pfette 10 cm kürzer machen und die Sparrenpaare dann jeweils vermitteln – dadurch wären die Giebelseiten nicht parallel zueinander aber parallel zu den Aussenwänden?
    Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt 😉

    Vielen Dank.
    Gruss aus Ungarn
    Matthias Fischer

    Antworten
  7. seid längerer Zeit habe Ich nicht so ein detaillierten Beitrag gelesen. Hut ab.

    Die Know-how To Use Kommentare waren sehr interessant. Ich bin sehr begeistert.

    Ich werde weiter deinen Blog verfolgen. Ich werde auch einige Fragen an dich richten in nächster zeit und

    Ich würde mich sehr darüber freuen wenn du mir antworten würdest 🙂

    Ich wünsche dir noch einen Guten Tag.

    Bis zum nächsten Mal,

    Tschüss

    Waldemar

    Antworten

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