Heimwerken und das liebe Geld

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Es ist eine einfache Rechnung: Wenn Du nach meiner Anleitung einen Smoker baust, gehen einem Händler einige hundert Euro flöten, die er an dir nicht verdient. Wenn Du dir selbst etwas zusammenschweißt, musst Du dein Portemonnaie nur für die Materialkosten öffnen und nicht auch den Arbeitslohn.

So könnte man also glauben, dass Heimwerken eine ziemlich sparfuchsige Angelegenheit wäre – das ist es auch, doch der Weg dorthin ist teuer. Wie Du ihn möglichst günstig überwindest, zeige ich dir jetzt.

Mühsam nährt sich das Eichhörnchen

Als ich noch in der Ausbildung war, besuchte ich mal meinen Chef zuhause. Schon damals war das Zimmern für mich Berufung, aber mein privater Werkzeugpark war dank Azubi-Gehalt ziemlich spärlich bestückt. So kannst Du dir denken, wie groß meine Augen wurden, als mein Chef stolz grinsend die Tür zu seiner privaten Heimwerkstatt aufschloss und ich die mit Werkzeugen vollgestopften Wände sah. Es waren nicht nur die hochwertigen Tools, die man sowieso bei einem Zimmermannsmeister erwarten würde, sondern buchstäblich alles, was man jemals brauchen könnte, um etwas in Eigenregie zu erledigen.
Mein Meister bemerkte natürlich meinen Blick und sprach dann einen Satz, den ich weitergeben möchte:

„Junge, wenn Du ernsthaft heimwerken willst, dann mach es richtig oder lass es sein – aber denk immer dran, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde“.

Wenn Du ein angehender Heimwerker bist, der wie ich damals mit viel Elan, aber wenig Werkzeug gesegnet ist, wird es dir ähnlich gehen. Du siehst die Sammlungen von Bekannten, siehst, was ich alles in meinem Fundus habe und fragst dich mit Sicherheit, wie lange es dauert, bis man eine solche teure Kollektion zusammenbekommt.

Die Antwort: Lange, aber längst nicht so lange, wie man glauben mag. Denn obgleich Werkzeug, zumindest in der Qualität, die ich auch fürs Heimwerken empfehle, teuer sein kann, solltest Du dich an den zweiten Teil der Regel meines Chefs erinnern: Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Deshalb empfehle ich dir, dich nicht zu sehr von den dicken Kollektionen anderer irritieren zu lassen – jeder Heimwerker hat irgendwann einmal mit ein paar Schraubendrehern und einem Hammer angefangen und sich „hochgekauft“. In einigen Jahren wird es bei dir ähnlich aussehen. Momentan geben die meisten monatlich nur rund hundert Euro fürs Heimwerken aus – wenn Du das auf nur ein Jahr hochrechnest, kommt schon ein stolzer Werkzeugbestand zusammen.

Das Anfänger-Notfallpaket

Sicher hast auch Du schon mal in den Gängen eines Baumarkts gestanden und dir gewünscht, ohne Rücksicht auf die Kosten den Einkaufswagen vollladen zu können. Damit bist Du nicht alleine.

Allerdings musst Du für einen Grundstock keine 30 Euro ausgeben. Denn es gibt ein paar Tools, mit denen kannst Du vielleicht keine komplexen Projekte angehen, aber dir zumindest so lange im Haushalt helfen, bis Du mehr Geld hast:

  • Eine Wasserpumpenzange. Damit kannst Du nicht nur einen tropfenden Abfluss festziehen, sondern auch Muttern lösen und festdrehen sowie notfalls auch Nägel ziehen und sogar hämmern.
  • Ein Umsteckschraubendreher. Auf der einen Seite Kreuz, auf der anderen Schlitz – damit lassen sich die meisten Schrauben angehen. Sparfüchse gucken vor dem Kauf in den Kofferraum ihres Autos. Da gehören solche Schraubendreher nämlich oft zur Werksausstattung.
  • Eine Rolle Qualitäts-Panzertape. Das Gewebeklebeband hält alles mit brachialer Klebekraft fest und ist sogar bis zu einem gewissen Grad zum Abdichten zu gebrauchen.
  • Eine Dose WD-40 ist ein echtes Wundermittel. Damit löst Du nicht nur festsitzende Schrauben, sondern entfernst Kleber und tausenderlei andere Dinge. Und etwas schmieren kann das Spray auch.

Damit bist Du bereit für viele Probleme. Und wie Du auf finanzieller Seite das restliche angehst, erkläre ich dir jetzt.

Projekt für Projekt

  1. Um einen Werkzeugbestand zu bekommen, gibt es zwei Schritte:
    Du legst dir ein monatliches Budget fest und kaufst dann nach und nach
  2. Du überlegst dir ein Projekt und kaufst dann auf einen Schlag alles, was Du dafür benötigst

Dabei empfehle ich mit Nachdruck die zweite Variante. Denn als Heimwerker-Anfänger hast Du meist nicht die Wissensgrundlagen, um wirklich das Passende zu kaufen. So hast Du nach einigen Monaten zwar viel Werkzeug, aber brauchst vielleicht nur die Hälfte davon.

Zimmermannsmäßige Holzverbindung: Stirnversatz
Eine Investition die sich auf den ersten Blick nicht lohnt: Sketchup Pro

Wenn Du jedoch nur das kaufst, was Du für ein Projekt benötigst, gibst Du wahrscheinlich bei den Einzelschritten anfangs mehr Geld aus, allerdings bekommst Du automatisch Werkzeuge zusammen, die Du regelmäßig benötigst. „Regelmäßig“ ist hier das Stichwort, denn über diese Schiene wird es auch auf Dauer billiger, weil viele Projekte die gleichen Tools benötigen, die Du ja dann bereits in deinem Fundus hast.

Einmal angenommen, Du willst ein Terrassendach selbst bauen. Dann brauchst Du zwar Akku-Bohrschrauber, Bohrer, Bits, Säge, Wasserwaage, Maßband sowie Holzlasur, Pinsel usw. Zuzüglich der Baumaterialien kommt dann natürlich eine Summe zusammen, die weit über einem „Universal-Budget“ liegt. Aber am Ende dieses Projekts hast Du auch bereits alles, was es für kommende, ähnliche Aufgaben benötigt.

Und auf diese Weise bekommst Du Projekt für Projekt einen immer vollständigeren Werkzeugkoffer. Bis Du irgendwann (nach gar nicht so langer Zeit) an einem Punkt angelangt bist, an dem Du tatsächlich nur noch Baumaterialien kaufen musst.

Mehr Geld, mehr Werkzeug, mehr Hobby

Mehr Geld für sein Hobby zu haben ist natürlich immer schön. Und gerade mit dem Heimwerken geht das auch gut, weil dabei ja etwas Verkaufswürdiges entsteht – allerdings solltest Du bedenken, dass wenn Du Arbeiten für andere erledigen möchtest, deine Leistungen auch routiniert sein sollten. Und so gibt es eine ganze Reihe von Optionen, um mehr Spielraum für unser liebstes Hobby zu bekommen

  • Extrem anfängertauglich ist es, kleine Dinge anzufertigen und sie einfach im Internet zu verkaufen. Etwa auf eBay, Etsy und Co. Reich wird man auf diesen Selbstmach-Verkaufsportalen zwar nicht, aber es reicht für etwas Klimpergeld. Besonders gut funktioniert das Prinzip, wenn man nur wenig Mühe für die Waren aufwenden muss (etwa kleine Kistchen, Mobiles usw.).
  • Kredite gibt es viele, jedoch existieren welche, die explizit fürs Renovieren und Modernisieren vorgesehen sind – zweckgebunden und dadurch günstiger. Und: sie sind auch für Heimwerker vorgesehen. Wer also sowieso bspw. dämmen muss und sich die Arbeit zutraut, kann sich damit das Werkzeug finanzieren lassen und trotzdem noch Geld gegenüber Profiarbeit sparen.
  • Als Heimwerker für andere Arbeiten ausführen ist zwar gefährlich nah an der Schwarzarbeit, ein Kleingewerbe in den freien Berufen ist aber schnell angemeldet und stellt das „bezahlte Hobby“ auf eine legale Ebene.
  • Bei Schäden im eigenen Haus, die versicherungsrelevant sind, ist Heimwerken ein richtiger finanzieller Vorteil. Denn die Versicherer wollen Geld sparen – wer seinen Wasserschaden selbst beheben kann, bekommt alles von der Versicherung bezahlt und diese ist trotzdem noch froh, weil sie das wesentlich günstiger kommt, als wenn sie eine volle Handwerkerrechnung bezahlen müsste.

Und dann solltest Du natürlich auch noch die wohl am weitesten verbreitete Variante aller Hobbies im Auge behalten. Nämlich die, bei der Du dir zu Weihnachten, Geburtstagen und Co. schlicht und ergreifend Geld oder Gutscheine schenken lässt, mit denen Du dir dein Hobby finanzierst.

Tipps für Sparfüchse

Je versierter Du als Heimwerker wirst und je mehr Werkzeug sich in deinem Besitz befindet, desto günstiger werden deine Projekte, das ist klar.

Aber selbst als bestens ausgestatteter Tausendsassa kannst Du immer noch so manchen Euro sparen und gegen Eigenleistung tauschen:

  • Kaufe, wo es nicht auf maschinelle Präzision ankommt, keine geschliffenen Bretter, sondern lieber günstig „grob“ und mache dieses Holz mit Hobel und Exzenterschleifer selbst glatt.
  • Kaufe Material nicht sofort blind im Baumarkt, sondern nimm dir vorher die Zeit, beim nächsten Sägewerk, dem nächsten Metallgroßhandel anzurufen – oft verkaufen die nämlich heimwerkergerechte Restmengen, die andernfalls im Müll landen würden. für sehr kleines Geld. Und selbst wenn nicht, kauft man hier oft günstiger.
  • Wenn Du keine Kreissäge besitzt, lass dir Holz direkt im Baumarkt passend zuschneiden, falls das dort kostenlos möglich ist. Spart einen Arbeitsschritt und ist wesentlich präziser, als wenn Du dich mit vielleicht unzureichendem Werkzeug drangibst.
  • Halte die Augen nach Firmeninsolvenzen und besonders den daraus entstehenden Versteigerungen offen. Dabei gibt es oft absolutes Profigerät für extrem niedrige Preise zu erhaschen.
  • Kaufe bei Schrauben und anderem Verbrauchsmaterial nie nur die voraussichtlich benötigten Mengen, sondern immer die nächstgrößere Einheit (etwa ein Paket) und lege den Rest „auf Halde“. Schrauben kann man nie genug zuhause haben.
  • Versuche, vorausschauend zu kaufen. Jedes Werkzeug hat nämlich seine Saison. Gartenwerkzeuge sind etwa im Frühjahr und Sommer am teuersten. Kaufe diese also lieber im Winter.
  • Für den Heimwerker gibt es praktisch kein Wegwerfen. Selbst das kleinste Stück Restholz kann dir vielleicht nochmal nützlich sein. Wenn Du etwas Platz hast, lege dir deshalb ein kleines Materiallager an, in dem Du solche Dinge deponieren kannst.

Heimwerken lebt davon, dass man kreativ ist – das gilt nicht nur für die Projekte, sondern erstreckt sich natürlich auch auf das Geld. Vor allem der letzte Punkt ist ein sehr effektiver.

Lass dich dabei nicht von anderen beirren. Klar sieht ein Haufen Kleinholz im Gartenhäuschen für Unbedarfte erst einmal gar nicht nach wertvollem Material aus. Spätestens aber, wenn Du für irgendein kleines Projekt einfach nur dort ein paar Stücke Holz herausziehen musst, statt dich erst ins Auto zu setzen, macht sich diese Form des „Messietums“ schon buchstäblich bezahlt.

Fazit

Heimwerken wird umso günstiger, je länger Du dieses Hobby bereits ausübst. Das bedeutet aber auch, dass Du am Anfang nicht damit rechnen solltest, ganze Unsummen an Geld einzusparen. Dazu kostet das benötigte Werkzeug einfach zu viel. Wenn Du aber gezielt kaufst und immer etwas weglegst, verkürzt Du nicht nur die Zeit, bis du wirklich einen brauchbaren Werkzeugstock besitzt, sondern hast auch genügend Material, dass Du im Extremfall einfach loslegen kannst – ohne Umweg zum Baumarkt.

4 Gedanken zu “Heimwerken und das liebe Geld”

  1. Hallo Samuel und vielen Dank für deinen Beitrag zum Thema Ausgaben beim Heimwerken. Sich das Arbeitsmaterial von der Resterampe naher Sägewerke abzuholen ist ja eine gute Idee. Mein Nachbar hat jetzt mit dem Handwerken angefangen und holt sich seine Werkzeuge aus einem Werkzeugverleih, um dabei schon mal Geld zu sparen.

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