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Furnierholz und Furniere – das wichtigste KnowHow

Bild 1: Ein Klavier mit Intarsien

Bild 1: Ein Klavier mit Intarsien

Furnierholz ist aus der heutigen Möbelindustrie nicht mehr wegzudenken.

Aber: Was genau ist Furnier? Das erfährst du hier ganz ausführlich.

Wie dieses praktische Material hergestellt wird und wofür es genutzt werden kann findest du im Folgenden.

Interessant ist aber auch woher die Idee dazu kam.

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Was ist Furnier?

Das Wort Furnier kommt aus dem französischen. „fournir“ bedeutet beliefern oder bestücken. Auch das Furnierholz wird „bestückt“. Und zwar wird bei der Herstellung minderwertigeres Holz mit edlem Holz abgedeckt.

Dazu werden dünne Holzblätter von 0,5 – 8,0 mm Dicke hergestellt. Das geschieht mithilfe von verschiedenen Verfahren wie dem Sägen, dem Messerschnitt oder dem Schälen. Danach werden die dünnen, hochwertigen Holzblätter auf anderes Holz aufgeleimt. Das günstigere Trägerholz sind meist Spanplatten, MDF-Platten, Sperrholz oder Multiplexplatten.

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Geschichte des Furnierholzes

Bild 2: Thron der ägyptischen Prinzessin Sitamun mit Furnierstücken

Bild 2: Thron der ägyptischen Prinzessin Sitamun mit Furnierstücken

Furnierholz hat eine lange Geschichte. Erfunden wurde es bereits vor über 3000 Jahren von den Ägyptern. Diese hatten in Ägypten nur wenig Holz zur Verfügung. Trotzdem war Holz für die verschiedensten Möbel und Schmuckstücke sehr begehrt.

  • 1332 v.u.Z. (18. Dynastie) wurde deshalb eine sehr ökonomische Verarbeitung von Holz eingeführt. Ein Beweis dafür sind die furnierten Möbelstücke die im Grab des Tutanchamun gefunden wurden. Schon damals wurde hochwertiges Holz in feine Brettchen geschnitten und dann mit feinen Holzstiften und Klebern auf minderwertigeren Hölzern befestigt.Danach wurde die Oberfläche mit rauer Rochenhaut poliert und mit angenehm duftendem Zedernöl eingerieben. Die Ägypter wählten das Holz für ihr Furnier sorgsam aus. Einige der bis heute erhalten gebliebenen Furniere sehen aus wie Gesichter, Röntgenbilder, Tierfelle, Pfauenfedern oder Tatzenspuren.
  • Auch die reiche Elite der Griechen und Römer nutzten die Furniertechnik bei der Herstellung von verzierten Möbeln.
  • Die Blütezeit des Furniers war die Renaissance (15. und 16. Jahrhundert), das Barock und das Rokoko. In dieser Zeit war die Herstellung allerdings sehr teuer und war deshalb nur für die reiche Oberschicht erschwinglich.
    • In der Zeit um 1657 beispielsweise wurde in Frankreich die Berufsbezeichnung Ebenist eingeführt. Das Wort kommt aus dem französischen „ébène“ das für Ebenholz steht. Der Beruf des Ebenisten bezeichnet einen Kunsttischler, der hauptsächlich furnierte Möbel herstellte.
    • Um 1760  wurde in der französischen und auch der französisch beeinflussten europäischen Kunst größtenteils die Furniertechnik eingesetzt. Die Stilrichtung nennt sich Louis-seize (benannt nach dem französischen König Ludwig XVI).
    • Bild 3: Komode aus dem Rokoko

      Bild 3: Komode aus dem Rokoko

      Ab 1815 begann die Biedermeier Epoche. Auch in dieser Zeit war Furnier wieder groß in Mode. Der Möbelbau in dieser Zeit war praktisch auf Furnierarbeiten aufgebaut. Oft waren die Mittel für Massivholz nicht vorhanden oder einfach viel zu teuer.

    • Die Furniertechnik wurde auch für mehrfach gefügte Holzbilder und Intarsien genutzt. Dabei werden verschiedene Holzstücke auf einer Oberfläche so zusammengelegt, dass wieder eine glatte Oberfläche entsteht.
  • Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Furnierherstellung industrialisiert. Durch die maschinelle Herstellung konnten große Mengen an Furnier hergestellt werden. Die erste Furnierfabrik in Deutschland befand sich in Freiburg. Die erste Messermaschine wurde in Hamburg eingesetzt. So entstand ein komplett neuer Industriezweig: Die Furnierindustrie.
  • Nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 1960-er Jahre wurden dann Möbel, Türen und anderes für den Innenausbau hauptsächlich aus Furnier hergestellt.
  • Heutzutage werden noch immer Furniere eingesetzt. Die günstigeren Varianten davon, die Dekorfolie oder Melaminfilm machen dem Furnier allerdings Konkurrenz. Diese Verfahren sind absolut nicht natürlich, sondern werden aus Kunststoff hergestellt. Daher sind sie auch bei weitem nicht so hochwertig. Allerdings ist das vielen Käufern in der heutigen Wegwerfgesellschaft oft nicht mehr so wichtig. Außerdem ist auch Vollholz mittlerweile für ein Großteil der Bevölkerung erschwinglich geworden.

Herstellung von Furnier

Furnier wird auf ganz unterschiedliche Art hergestellt. Unterschieden wird in in Schälfurniere, Sägefurniere und Messerfurniere. Je nach Bearbeitungsweise sind verschiedene Vorbereitungsschritte nötig.

Vorbereitung des Holzes

  • Lagerung: Wichtig ist als erstes einmal die sachgerechte Lagerung. Stämme die zu Furnier verarbeitet werden sollen müssen ständig mit Wasser besprüht werden. So wird das Holz vor Austrocknung und den damit verbundenen Rissen geschützt. So wird auch sichergestellt, dass nicht schon im Vorhinein eine Farbveränderung stattfindet.
  • Ablängen: Damit jedes Teil des Holzes gut genutzt werden kann muss es dann erst einmal nach Wuchsmerkmalen und Qualität eingeteilt werden. Die großen Stämme werden so vorsortiert und für das spätere Aufsägen markiert. Auf der Blockbandsäge werden die Stämme in kleinere stücke zerteilt. Ein Stamm kann in Halb-, Drittel- und Viertelblöcke aufgeteilt werden.
  • Kochen / Dämpfen: Bei der Vorbereitung der Holzstämme auf das Messern und Schälen muss das Holz noch weiter vorbereitet werden. In Dämpfgruben werden die kompletten, noch ungeschälten, Stämme entweder gekocht oder gedämpft. Dieser Prozess kann Tage bis Wochen dauern.Durch diesen Arbeitsschritt wird das Holz geschmeidiger und somit leichter bearbeitbar. Gekochtes oder gedämpftes Holz kann zum Beispiel viel glatter geschnitten werden. Auch die Farbe ändert sich durch den Prozess. Buche ändert beispielsweise ihr Farbe von weiß zu lachsfarben. Nur sehr wenige Holzarten können auch roh zu Furnier verarbeitet werden.Es gibt zwei Arten die Stämme zu bearbeiten Kochen und Dämpfen:
    • Beim Kochen liegen die Stämme direkt im Wasser. Dabei müssen keine 100 °C erreicht werden.
    • Beim Dämpfen befinden sich die Stämme außerhalb des über 100 °C kochenden Wassers. Allein durch den Wasserdampf wird das Holz vorbereitet.
  • Entrindung: Damit ein Stamm entrindet werden kann, muss er drehbar eingespannt werden. Dann wird der Stamm gedreht und von der Rinde sowie eventuellen Verschmutzungen wie Steinen oder Nägeln befreit.
Wusstest du schon?
Beim Dämpfen veändert sich die Farbe des Holzes stärker als beim Kochen.

Sägefurnier

Sägefurnier ist die älteste Methode die feinen Holzblätter herzustellen. Der komplette Stamm wird eingespannt und mit einer Säge werden viele dünne Blätter abgetrennt. Die häufigsten Dicken sind 1,2–2,5 mm, 5 mm, 7 mm und 10 mm.Früher wurde der zu bearbeitende Stamm über eine Grube gelegt. Ein Arbeiter stand auf einem Gerüst über dem Stamm und sägte. Eine zweite Person nahm die fertigen Blätter in der Grube ab. Später wurde Muskelkraft von Dampfkraft abgelöst. Teilweise wurden dabei Furniersägen mit Sägeblattdurchmessern von 4 Metern eingesetzt.

Immer weiter wurde daran gearbeitet möglichst verlustfrei Furnierblätter herzustellen. Je nach Sägeblatt beträgt der Holzverlust 50 – 80 % bei dieser Methode und wird zu Sägemehl. Aber warum wird diese Methode dann noch immer eingesetzt?

Sägefurnier hat einige einschlägige Vorteile:

  • Das Holz muss nicht vorbearbeitet werden. Daher verliert es nicht durch kochen oder dämpfen seine Farbe.
  • Es können viel dickere Furnierblätter hergestellt werden, die dann auch viel langlebiger sind und bei Beschädigung abgeschliffen werden können.
  • Sägefurnier ist stabiler. Es ist nicht anfällig für Risse oder Brüche, wie beispielsweise das gemesserte Furnier.
  • Eisenhölzer, Schlangenhölzer oder Palmenholz kann durch die extreme Härte nur gesägt werden.

Schälfurnier

Die einfachste Art Furnier wird durch das Schälen von Rundholz erzeugt. Sie ist auch gleichzeitig die wirtschaftlich bedeutendste Schnittart. Auch für diese Herstellungsart müssen die Stämme gekocht oder gedämpft worden sein. Der Stamm wird dann längs eingespannt, so dass er sich um die eigene Achse drehen kann. Drehend wird er an einen Messerbalken geschoben, der ein dünnes Endlosblatt abschneidet. Die „Clipper“ (rotierende Messer) schlagen das Endlosblatt in einzelne Furnierblätter.

Wusstest du schon?
Wurzelfurnier wird teilweise aus den ausgekesselten Wurzelstöcken von wertvollen Hölzern wie Kirsch- oder Nussbaum hergestellt. Häufig ist Wurzelfurnier aber auch eine falsche Bezeichnung für Maserfurniere die aus Wucherungen geschält werden.

Der äußere Umfang der Stämme hat dabei teilweise interessante Merkmale, die nur in den Schälfurnieren sichtbar werden. Wenn Vogelaugenahorn (eine fehlwüchsige Form, vor allem des Zucker-Ahorn) so verarbeitet wird kommt dessen Struktur schön zu Vorschein.

Bild 4: Grafik Furniererzeugung

Bild 4: Grafik Furniererzeugung

Messerfurnier

Bild 5: Schneidwerkzeug zur Furnierherstellung

Bild 5: Schneidwerkzeug zur Furnierherstellung

Das Messerfurnier wird Spanlos vom Stamm abgetrennt und hat somit sogut wie keinen Verlust. Damit beim Messern eine hohe Qualität erreicht werden kann muss die Messerschärfe entsprechend hoch sein. Eine Genauigkeit der Schneide von +/-0,1mm ist Vorraussetzung.

Um einen Stamm messern zu können muss er zuerst wie oben beschrieben gedämpft oder gekocht worden sein. Danach wird er in einen Schlitten eingespannt. Je nach Maschine bewegt sich dann entweder der Schlitten mit dem Stamm oder das Messer. Meist wird im 90°- Winkel zur Faserrichtung gemessert.

Wusstest du schon?
Eine Messermaschien schneidet ca. 50 Furnierblätter die Minute vom Stamm ab.

Mit jedem Schnitt wird ein Furnierblatt hergestellt. Dieses ist bei Schwachschnittfurnier 0,4-0,7 mm dick. Bei Starkschnittfurnier kann es bis zu 6 mm dick sein. Dafür sind allerdings sehr schwere, Maschinen nötig (werden heute nicht mehr hergestellt). Die Messerrisse werden dann so stark, dass solche Blätter nicht für hochwertige Anwendungen genutzt werden können.

Im Gegensatz zu den Starkschnittfurnieren stehen die Micro-Furniere. Diese sind nur 0,1 – 0,2 mm dick. Die Maschine muss dazu in Faserrichtung messern. Solche Furniere sind so dünn, dass sie durch sichtig sind und mit Kaschierfolie unterlegt werden müssen. Genutzt wird diese Art Furnier hauptsächlich in Japan.

Messerfurnier wird meist auf sehr günstiges Trägermaterial aufgeklebt. Beispielsweise Spanplatten, Sperrholz und MDF- oder HDF-platten.

In der folgenden Grafik sind drei verschiedene Möglichkeiten zu sehen um Furnier zu messern:

Bild 6: Schnittmöglichkeiten für ein Messerfurnier

Bild 6: Schnittmöglichkeiten für ein Messerfurnier

  1. Echt-Quartier-Messern: Der Schnitt geht senkrecht zu den Jahresringen.
  2. Flach-Quartier-Messern: Der Schnitt geht parallel zu den Jahresringen.
  3. Faux-Quartier-Messern: Die Jahresringe werden von der Seite parallel angeschnitten.
  4. Flachmessern: Beim Flachmessern wird nicht ein Viertel des Balkens sindern ein halber Balken eingespannt. So erhält man verschiedene Furnierbilder. Das Furnierbild ist hier davon abhängig ob in den Außenschichten oder in Kernnähe gemessert wird

Staylog-Produktion

Bild 7: Furnierholztrockner

Bild 7: Furnierholztrockner

Bei der Staylog-Produktion wird das Holz auch abgeschält, dreht sich allerdings nicht um seine eigene Achse. Der Stamm wird auf eine Halterung gespannt und dann in Drehbewegungen über das Messer geführt.

Nachbearbeitung

Nach dem eigentlichen Sägen, Schälen oder Messern müssen die Furnierblätter noch auf 6-8% Holzfeuchte getrocknet, dann zugeschnitten und sortiert werden.

Getrocknet werden die Blätter in Trocknern die die Blätter gleichzeitig auch glätten. Je nach Holz müssen dabei unterschiedliche Trockenzeiten eingehalten werden.

Wusstest du schon?
Es ist sehr wichtig dass die jeweilige Trockenzeit für jedes Holz eingehalten wird. Ist das Furnier schließlich zu feucht, kann es anfangen zu schimmeln. Ist es zu trocken kann es brüchig und rissig werden.

Wenn alle Blätter trocken sind, werden sie zu Bündeln zusammengefasst und gemeinsam zugeschnitten. Je nachdem was der Kunde fordert, werden die Furniere sortiert. Dafür werden sie von Fachleuten beurteilt. Die Vorgaben variieren in Preis, Struktur und Dimension.

Die fertigen Furnierpakete werden kühl und mäßig trocken gelagert (15-20°C bei 10-12% Luftfeuchte). Das ist wichtig, da die dünnen Holzblätter sonst austrocknen und Risse bekommen oder aber beginnen zu stocken.

Verschiedene Furnierholzarten

Furnier ist nicht gleich Furnier. Im Folgenden eine Übersicht der verschiedenen Furniere.

Edel- bzw. Deckfurniere

Bild 8: Bezeichnung Außen- und Innenfurnier

Bild 8: Bezeichnung Außen- und Innenfurnier

Diese Art Furnier wird meist aus Messerfurnieren hergestellt. Sie dient dem Abdecken von nicht so hochwertigem Holz, das als Trägermaterial genutzt wird. So wird mit niedrigen Kosten eine hochwertige Holzoptik erreicht. Bei dieser Art Furnier wird auch gerne Maserfurnier genutzt, wie beispielsweise das Wurzelfurnier.

Für runde Tischplatten wird teilweise auch Radialfurnier eingesetzt. Dieses wird von Kegelförmigen Stammteilen abgetrennt. Es wird ungefähr so hergestellt wie man einen Bleistift spitzt.

Die einzelnen Furnierblätter können unterschiedlich zusammengefügt werden. Auf der Darstellung 1 siehst du die drei Möglichkeiten die sich bieten:

  1. gespiegelt / gestürzt
  2. gelegt /geschoben /gereiht
  3. kopfgestürzt

Unterfurniere

Diese Furniere werden bei besonders hochwertigen Arbeiten unter Deckfurnieren angebracht. So wird sichergestellt, dass das Trägermaterial auch bei Beschädigung nicht sichtbar wird. Ebenso wird verhindert, dass Leimfugen des Trägermaterials auf dem Deckfurnier sichtbar werden.

Bild 9: Bezeichnungen der Furnierschichten

Bild 9: Bezeichnungen der Furnierschichten

Unterfurniere werden um 90° gegen Maserrichtung gedreht aufgeklebt. Sie bestehen meist aus minderwertigerem Holz und sind etwas dicker als das Deckfurnier.

Blindfurniere

Ist ein Furnier nach dem Einbau nicht mehr sichtbar nennt es sich Blindfurnier. Dafür werden meist Furniere mit optischen Fehlern eingebaut. Notwendig sind Blindfurniere oft, da sich ein Werkstück mit einseitger Furnierung verziehen würde.

Absperrfurnier

Bei Furnieren mit mehr als drei Lagen wird die unterste Schicht Absperrfurnier genannt. Es ist somit die Furnierplatte die direkt auf der Trägerplatte liegt und daher Bewegungen und Veränderungen dieser verhindert. Das Absperrfurnier wird immer 90° versetzt zur Faserrichtung angebracht.

Bild 10: Möglichkeiten Furnierholz zusammenzufügen

Bild 10: Möglichkeiten Furnierholz zusammenzufügen

Das Furnieren an sich

Beim Furnieren wird das dünne Furnierblatt auf eine dickere Trägerplatte aufgeleimt.

Als Trägerplatten werden meist Spanplatten, Sperrholzplatten oder Holzfaserplatten genutzt. Die Platte muss sauber und komplett eben sein.

Vorbereitung

Je dünner das Deckfurnier ist, desto wichtiger ist die Reinheit der Trägerplatte. Bei sehr dünnem Deckfurnier wird die Trägerplatte sogar geschliffen.

In der Zeichnung Nr.10 siehst du welche Möglichkeiten es nun gibt die Furnierblätter auf die Trägerplatte zu leimen. Das hat mehr etwas mit der Optik zu tun. Wichtig ist, dass die Blätter immer so verarbeitet werden wie sie vom Stamm abgenommen wurden. Nur so ist ein einheitliches Bild gewährleistet.

Furnierfehler können in der Regel leicht ausgebessert werden. Vermesserte oder verfärbte Furnierblätter können allerdings nicht verwendet werden.

Das Fügen und Zusammensetzen

Die Furniere können maschinell oder auch von Hand gefügt werden. Damit die Blätter, wenn sie nebeneinander liegen, keine Leerräume aufweisen müssen sie „gefügt“ werden. Das passiert auf der Raubank oder der Abricht-Hobelmaschine.

Danach werden die einzelnen Blätter zusammengesetzt. Dazu müssen sie auf der Rückseite mit Fugenpapier verklebt werden. Wird das Furnier maschinell erstellt übernimmt diese Aufgabe eine Furnier-Zusammensetzmaschine.

Das Furnier Leimen

Jetzt hast du das komplett zusammengesetzte Furnier vor dir. Damit sich die Trägerplatte nicht verzieht wird jetzt auf beiden Seiten mit einem Leimroller Leim aufgetragen. Auf beiden Seiten der Trägerplatte sollten auch die selben Furniere und der selbe Lack genutzt werden. In der maschinellen Fertigung übernimmt das eine Vierwalzen-Leimauftragsmaschine.

Mithilfe von zwei Platten zum Druckausgleich und Zwingen kann die Furnierplatte nun gepresst werden. Wie lange der Leim trockenen muss sollte nach den Herstellerangeben entschieden werden. Auf die Kanten der Furnierplatte werden später meist Kunststoffumleimer aufgebügelt.

Der Leimauftrag ist ein sehr wichtiger Schritt bei dem auch viel falsch gemacht werden kann. Hier einige typisch Leimfehler:

  1. Zu wenig Leim oder ungleicher Druck beim Pressen:Führt zu „Kürschnern“. Das sin ungeleimte Flächen an denen sich das Furnier wölbt. Diese Stellen müssen danach aufgeschnitten und nochmals geleimt werden.
  2. Zu dünner Leim, Löcher im Furnier, zu hoher Pressdruck: Führt zu „Leimdurchschlag“. Bei Weisleim kann dieser Leim auf der Vorderseite des Furniers durch Bürsten entfernt werden. Nicht aber bei Kondensationleimen. Eine vorbeugende Möglichkeit ist, den Leim in die Holzfarbe einzufärben.
  3. Zu dicker Lein, unregelmäßiger Leimauftrag: Führt zu Leimwülsten. Auch dieser Leimfehler kann nur bei PVAC-Leimen durch Aufschneiden und Neuverleimung repariert werden.

 

Bild 11: Leimfehler

Bild 11: Leimfehler

Furnier und die Wirtschaft

In Deutschland produziern ca. 30 Unternehmen Furnierholz. Genutzt wird es hauptsächlich von der Möbelindustrie, dem Innenausbau, der Autoindustrie von Schreinern und dem Boots- und Yachtbau.

Bild 12: zu Bündeln zusammengebundene Furnierblätter

Bild 12: zu Bündeln zusammengebundene Furnierblätter

Nur die hochwertigsten Hölzer werden letztlich für Deckfurnier genutzt. Hauptsächlich Eiche und Buche werden dafür verwendet, sie machen ungefähr 30% der Deckfurnier-Produktion aus. Danach folgt Ahorn mit ca. 10 %. Kirsche, Birke, Esche und Nadelhölzer machen nur etwa 5-7% des Marktanteils aus.

Furnier als Umweltschutz

Die Ägypter hatten damals wie heute wenig Holz und mussten daher ihre Holznutzung optimieren. Wir haben zwar in Deutschland mehr Holz. Allerdings hilft das Furnier dabei mit den vorhandenen Rohstoffen richtig umzugehen.

Aus einem Baum lässt sich ein Schlafzimmer aus Massivholz herstellen. Aus einem Baum lassen sich aber sieben Schlafzimmer aus Furnierholz herstellen. Das wird von vielen Furnierherstellern als Argument für den Umweltschutz angeführt.

Allerdings müssen der Vollständigkeit halber auch noch die Klebstoffe angeführt werden, mit denen Furnierblätter auf das Trägerholz geklebt werden. Diese können noch Jahre nach der Herstellung ausdampfen. Je nach Art des Klebstoffes können davon gesundheitliche Risiken ausgehen.

Furnierholz richtig pflegen

Richtig gepflegte furnierte Möbelstücke können locker 15-20 Jahre halten. Normalerweise sind solche Einrichtungsgegenstände mit einem Oberflächenschutz überzogen.

Es reicht daher die einfach mit einem trockenen und weichen Ledertuch abzureiben. Sollten Schmutzflecken darauf sein, kannst du sie mit lauwarmem Wasser abreiben und gleich danach wieder trocknen.

Sollten Kratzer im Lack entstanden sein, kannst du Möbelhartwachs mit der entsprechenden Farbe auftragen und so den Kratzer wieder auffüllen. Danach wird die Stelle wieder mit Lack oder Lasur geschützt. Sollte sich eine Ecke des Furniers lösen kannst du diese einfach mit Holzleim wieder ankleben.


Kommentare

„Barthl“ [Sebastian] 7. Juli 2017 um 11:42

Ich möchte Korpen bauen und für die Seiten und Fronten soll dabei ein Sägefurnier verwendet werden. Wenn ich Birken-Multiplex 15mm oder 18mm als Träger einsetze und nur einseitig mit 8mm Sägefurnier aus Eiche beleime, wird sich das verziehen?

Antworten

Samuel Schneider 9. Juli 2017 um 21:31

Warum nutzt du ein 8mm Eichen Sägefunier? 🙂

Antworten

„Barthl“ [Sebastian] 10. Juli 2017 um 17:16

Weil ich das bereits seit Jahren für ein anderes nicht begonnenes Projekt liegen habe, das ich nun doch nicht mehr selber bauen möchte.

Antworten

Samuel Schneider 10. Juli 2017 um 22:56

Hi Sebastian,

meinst du nicht 0,8mm? 8mm „Eichenfurnier“ ist ja kein Furnier mehr. Ich kenne 0,6mm bis 2,4. Aber 8mm! Falls du das kostbare Holz so trotzdem verbauen möchtest, brauchst du dir bei 8mm keine Sorgen machen. Da verbiegt sich nichts.

Antworten

„Barthl“ [Sebastian] 14. Juli 2017 um 22:29

Danke Samuel,

es sind tatsächlich 8mm sägeraue, besäumte Bretter. Diese sollten mal zu einer Dreischichtplatte verleimt werden um als Tischplatte zu dienen. Da ich niemanden finden kann dessen Furnierpresse ich dafür nutzen darf, habe ich das verworfen.

Warum aufgrund der hohen Stärke der Verzug ausbleiben soll kann ich mir nicht so recht erklären ohne damit Deine Aussage anzweifeln zu wollen. Eventuell hat das was mir der eigenen Standfestigkeit des „Furnieres“ zu tun?

Zu kostbar ist mir dieses nicht, schließlich soll das Holz nun ein HiFi-Sideboard zieren. Prinzipiell ist es für ein HiFi-Möbel von Vorteil wenn diese schwingungsarm / -frei konstruiert sind.

Samuel Schneider 17. Juli 2017 um 16:33

Hi Sebastian,

also wenn ich den Aufbau von 15mm Multiplex + 8mm Eichen-„Furnier“ vorstelle und diese ganzflächig verleimt wurden, dann habe ich einen Aufbau von 23mm (!). Was soll sich da verziehen? Ich gehe mal davon aus, das das Holz getrocknet ist und das „Furnier“ keine Holzfeuchte von über 15% hat. Was für Leim hast du den verwendet?

Barthl 17. Juli 2017 um 20:15

Ich bin noch in der Planungsphase und daher auf der Suche nach den richtigen Anwendungsmöglichkeiten.
Ich würde Weißleim verwenden, PU-Leim ist in der Verarbeitung unangenehmer.
Das Holz wurde technisch getrocknet und liegt nun seit Jahren in der Wohnung.
Zum Verzug:
Ich bin kein Schreiner/Tischler weshalb es mir an den theoretischem Hintergründen fehlt. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die Eiche beginnt den Multiplex rund zu ziehen wenn ein Gegenzug fehlt. Schließlich ändert sich durch das verleimen die Oberflächenspannung der Eiche und des MPX.
Genau der selbe Grund führt ja bei einseitig endbehandelten MPX-Platten zum Verzug, egal ob geölt oder lackiert.
Sogar HDF bekommt beim laminieren oder furnieren einen Gegenzug.
Beim Korpus kann ich konstruktionsbedingt den Verzug minimieren in dem ich die Verbindung zum Boden, Rückwand und Deckel fest verleime.
Bei der Front/Tür ist das nicht möglich.
Wenn ein Gegenzugfurnier notwendig ist, werde ich mir Alternativen suchen, denn dafür ist mir die Eiche wirklich zu schade.

Danke und beste Grüße
Barthl


Erwin Sulzbach 1. Juli 2017 um 10:39

Nachdem ich das Sägefurnier einseitig mit Hartöl bearbeitet habe, wellt sich beim Zusammenleimen (Sägefurnier 4 mm, Buchbinderpappe 2,5 mm), das Sägefurnier, trotz Pressung (24 Stunden). Was habe ich falsch gemacht?
Gruß
Erwin

Antworten

Samuel Schneider 3. Juli 2017 um 15:42

Hallo Erwin,

welchen Leim hast du verwendet?

Antworten

Dietmar Hofmann 7. Januar 2017 um 21:36

habe mehrere Fragen:
wird Furnier auf der Oberseite naß gemacht ? manche machen das
was ist beim Furnier aufbügeln zu beachten ?
werden grundsätzlich beide Seiten mit Leim bestrichen ?
Ponal oder Knochenleim ? was ist besser?

Antworten

Samuel Schneider 9. Januar 2017 um 18:45

Hallo Dieter,

ich frage mich warum ein Profi solche Fragen stellt :-). Aber gut, ich versuche dich zufrieden zu stellen:

Furnier habe ich nie nass gemacht. Ich wüsste auch nicht warum das gut sein sollte. Die Gefahr dass es quillt ist einfach zu groß. Furnier sollte man pressen nicht aufbügeln, schon gar nicht Knochenleim ;-). Die meisten Leime sind sehr wärmeempfindlich.

Ob beide Seiten angeleimt werden hängt vom Leim ab. Weißleim wird nur einseitig geleimt.

Ponal oder Knochenleim? Weißleim, das bleibt schön durchsichtig!

Antworten

Nico 16. November 2016 um 13:22

Hey Samuel,
Einen kleinen Fehler gibt es ganz am Anfang dieses Beitrags: Im Französischen heißt es „fournir“ und nicht „founier“. Die Bedeutung ist aber richtig. Vielen Dank für diese tolle Webseite!
Gruß

Antworten

Samuel Schneider 16. November 2016 um 14:30

Hallo Nico,

danke für den Hinweis, ist korrigiert.

Danke auch für das Lob 😉

Antworten

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