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Eibenholz

Die Eibe gilt als eine der ungewöhnlichsten Baumarten, aufgrund ihrer sehr eigenen Eigenschaften. In der lateinischen Fachsprache wird sie als Taxus baccata oder Taxus baccaia (Gemeine Eibe) bezeichnet. Sie gehört zu einer eigenen Pflanzenfamilie, der Taxaceae, mit ungefähr 10 verschiedenen Arten. Die Bestimmung und genaue Abgrenzung der verschiedenen Arten ist schwierig. So werden oftmals 7 bis 10 verschiedene Eibenarten von unterschiedlichen Quellen angegeben. Die Eibe ist ein Nadelgehölz und wird als immergrünes Strauchgewächs oftmals mit Koniferen verglichen. Wild wachsende Eiben sind oftmals noch als Untergehölz in Wäldern zu finden. Aber ältere und oftmals sehr imposante, stark verzweigte Bäume der Eibe können sehr stattliche Höhen bis zu 25 Metern erreichen.

Fakt 1: Vorkommen und Eigenschaften

Eiben bevorzugen gemäßigte klimatische Bedingungen. Sie sind im mittleren und südlichen Europa heimisch. Im östlichen und nördlichen Europa kommen keine Eiben vor. Die in Europa angesiedelten Eiben verfügen über einen eigenen Namen, die „Europäische Eibe“ oder auch „Gemeine Eibe“. Diese Baumart ist die älteste in Europa vorkommende Baumart. Weitere Vorkommen von Eiben sind im westlichen Nordafrika und in Kleinasien. In Kleinasien wachsen Eiben bis an den Rand des Kaukasus. In Indien sind sie im Himalaja verbreitet. Nordamerikanische, chinesische und japanische Eiben entstammen eigenen Eibenarten. In Südamerika sind Eiben in Mexico, in El Salvador und in Guatemala zu finden. Eiben, die in tropischen Zonen wachsen, können in einer Höhe bis zu 3000 Meter vorkommen.

Wusstest du schon?
Eiben können sehr alt werden. Mit bis zu 3000 Jahren gelten sie als eine der ältesten Baumarten. Die älteste europäische Eibe wird Eibe von Henryków genannt. Ihr Alter wird auf 1400 Jahre geschätzt und steht in dem polnischen Dorf Henryków Lubánski. Bis 1945 galt sie als der älteste Baum in Deutschland. Wild wachsende Eiben sind nur noch sehr spärlich verbreitet und stehen unter Naturschutz. In Deutschland sind geschützte Eiben beispielsweise in Thüringen und Oberbayern zu finden.

Die bis zu 25 Meter hohen staatlichen Bäume zieren noch so manches Landschaftsbild mit ihrer oftmals eindrucksvollen Erscheinung. Wesentlich häufiger werden sie aber als Zierpflanzen, als Büsche und Sträucher in Gärten und Parkanlagen angepflanzt. Auch auf Friedhöfen sind Eiben häufig noch zu finden. Das Eibenholz gilt als sehr hart und fest, dabei elastisch und zäh. Die kräftigen Äste der Eiben können stark verzweigt sein. Dadurch können die relativ kurzen Stämme und ihre sie umgebenden Bodenäste sehr interessante Erscheinungsformen annehmen. Die spitzen und zweigeteilten Nadeln ähneln Tannennadeln. Sie können bis zu 4 cm lang und 3 mm breit sein. An der Unterseite können sich zwei grün-gelbliche Längsstreifen befinden. Das Wachstum von Eiben gilt als sehr langsam und beträgt 1 bis 3 Zentimeter im Jahr. Die Stämme der Eibe sind bis zu 6 Meter Höhe astfrei und können einen Durchmesser von 40 cm bis zu 80 cm aufweisen.

Wusstest du schon?
Eiben enthalten sehr giftige Anteile, aus diesem Grund wurden die wild wachsenden Bäume stark bekämpft. Sie ist in Deutschland in der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt, wurde mehrmals zum Baum des Jahres gewählt und war 2011 die Giftpflanze des Jahres. Das Gift Taxin der Eiben ist für Menschen und Tiere sehr gefährlich. Es kann zu lebensbedrohlichen Vergiftungen führen und ist in fast allen Anteilen des Baumes vorhanden. Eiben bilden kleine rote Früchte aus, deren Samenmäntel als einzige Bestandteile des Baumes kein Gift enthalten. Aufgrund der Giftigkeit der Bäume, wurden Eiben seit dem Mittelalter stark bekämpft. Dieses hat zu ihrer Seltenheit und zur Bedrohung des Aussterbens geführt.

Viele weitere Informationen zur „Europäischen Eibe“ kannst Du hier finden. Über weitere sehr alte Eiben-Arten informiert auch diese englische Quelle sehr ausführlich. Sie zeigt sehr faszinierende und schöne alte stark verwurzelte und verzweigte Stämme von Eiben. Einige der ältesten und schönsten Bäume sind in England, beispielsweise in Hampshire, Shropshire und Cumbria zu finden.

Technische Daten

  • Dauerhaftigkeitsklasse: 2 – dauerhaft
  • Rohdichte: 0,65 kg/m³
  • Druckfestigkeit liegt bei 57 N/mm²
  • Biegefestigkeit 85-92 N/mm²
  • Scherfestigkeit: n/a N/mm²
  • Zugfestigkeit: 108 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: 12.000 bis 15.000 N/mm²

Fakt 2: Verwendung

In der industriellen Verwertung oder für Baukonstruktionen im Innen- oder Außenbau hat Eibenholz so gut wie überhaupt keine Bedeutung, da es ein zu seltenes Vorkommen gibt. Das Eibenholz gilt aber als wertvoll und ist dementsprechend kostspielig. Verwendung findet es in den häufigsten Fällen als ein Spezialholz. So werden aus dem Eibenholz Webschiffchen für Webstühle, verschiedene Messwerkzeuge, Fasshähne und Weiteres angefertigt. Weiterhin findet das Eibenholz Verwendung im Instrumentenbau. Durch seine Härte verfügt das Holz der Eibe über sehr gute Resonanzeigenschaften für verschiedene Instrumente. Als Furnier-, Messer- oder Schälholz findet es Anwendung, beispielsweise für Deckenfurniere, kunsthandwerkliche und repräsentative Anfertigungen im Möbelbau und in anderen Bereichen. Das Eibenholz eignet sich sehr gut für Schnitz- und Drechselarbeiten. Dadurch wird es auch sehr gern zur Anfertigung von Skulpturen verwendet.

Wusstest du schon?
Im Mittelalter wurde Eibenholz bevorzugt für die Herstellung von mittelalterlichen Waffen, wie beispielsweise Armbrüste, Pfeile und Bögen, verwendet. Teilweise wird Eibenholz auch heute noch als traditionelle Holzart für den Bau von Pfeilen und Bögen als Sportinstrumente genutzt.

Fakt 3: Maserung

Eiben sind Kernholzbäume. Der Kern ist orange-rot bis Rot. Das hell-gelbliche Splintholz bildet einen sehr schmalen Rand zum Kernholz und setzt sich deutlich ab. Später dunkelt das Holz nach und bekommt eine orange-braune oder rotbräunliche Farbe. Es ist wenig glänzend, verfügt aber oftmals über einen violetten Schimmer. Die Grenzen der Jahresringe sind deutlich zu erkennen. Durch die verschiedenen Jahresringverläufe, mit schmalen dunklen Jahresringen des Spätholzes, können sehr interessante Maserungen entstehen, wie beispielsweise eine sehr charakteristische Fladerung und schmale Streifen. In dem Holz sind haarfeine Holzstrahlen in sehr zahlreicher Weise unregelmäßig verteilt. Harzkanäle sind nicht vorhanden. Das Eibenholz ist besonders bei Holzbildhauern und anderen Holzkunsthandwerkern sehr beliebt, da es ein sehr feines und homogenes Holz ist, das durch seine interessante Maserung sich sehr dekorativ verarbeiten lässt.

Fakt 4: Schwinden und Trocknung

Das Eibenholz ist stehfest, trocknet schnell und schwindet nur sehr gering.

Axiales Schwindmaß k.A.
Radiales Schwindmaß ungefähr 3 bis 3,7 %
Tangentiales Schwindmaß ungefähr 5,2 %

Fakt 5: Beständigkeit und Qualität

Eibenholz ist in der Dauerhaftigkeitsklasse 2 angesiedelt und gilt damit als sehr dauerhaft. Auch bei Feuchtigkeit ist das Eibenholz sehr dauerhaft, witterungsfest und stockt nicht. Durch seine Beständigkeit gegenüber einem Befall von Insekten oder Pilzen stellt das Eibenholz auch keine Ansprüche an eine besondere Lagerung. Um es vor Verschmutzungen zu schützen, ist eine Lagerung in einem Schuppen dennoch empfehlenswert. Weiterhin lässt sich Eibenholz gut bearbeiten, wie beispielsweise Sägen, Messern, Schälen, Schnitzen und Drechseln. Weder in der Rinde noch im Holz selbst ist Baumharz vorhanden, das bei der Verarbeitung zu Verklebungen führen könnte. Die Oberfläche des Eibenholzes kann sehr glatt geschliffen, poliert oder anderweitig geglättet werden.

Wusstest du schon?
Schwarz gebeiztes Eibenholz ähnelt Ebenholz. Es lässt sich sehr gut beizen und wird als Imitation für wertvolles schwarzes Ebenholz verwendet.

Fakt 6: Pflege

Wie bei vielen anderen Holzarten auch, sollte Eibenholz vorsichtig gepflegt werden. Das bedeutet, die Holzoberflächen sollten nur mit einem leicht feuchten Tuch abgewischt werden. Es dürfen keine scharfen Reinigungsmittel verwendet werden, da es sonst auch zu Verätzungen oder Verfärbungen an der Oberfläche kommen könnte. Das Holz kann lackiert werden, dann ist es zwar pflegeleichter, verliert aber seine Fähigkeit zum Atmen. Eibenholz kann mit den Jahren nachdunkeln oder seine Farbe verändern, sodass ein sehr schöner rotbrauner Farbton entsteht. Dadurch erhält das Eibenholz auch einen besonderen individuellen Charakter, der bei falscher Pflege Schaden nehmen könnte. Naturbelassenes Eibenholz kann zum Schutz des Holzes mit Holzwachsen oder Holzölen behandelt werden. Es sollten weiche Tücher verwendet werden, damit die Oberfläche nicht durch unschöne Kratzer verunziert wird.

Fazit

Eiben sind selten gewordene, aber sehr faszinierende Bäume. Sie können bis zu 3000 Jahre alt werden. Aufgrund ihrer für Menschen und Tiere sehr gefährlichen Anteile des Giftes Taxin sind Eiben stark bekämpft worden, sodass sie auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten stehen. Wild wachsende Eiben stehen in Deutschland unter Naturschutz. Das Holz der Eiben besitzt nur wenig wirtschaftliche Bedeutung für industrielle Fertigungen, wie beispielsweise im Möbelbau oder Anderen. Aufgrund seiner interessanten charakteristischen Zeichnung und den sehr guten Bearbeitungsmöglichkeiten sowie weiteren hervorragenden Eigenschaften ist Eibenholz besonders bei Kunsthandwerkern, Bildhauern und für die Herstellung von speziellen Gegenständen, wie Messinstrumente, Fasshähne, Musikinstrumente und Weiteres sehr beliebt.



Kommentare

Neumann Günter 17. März 2018 um 10:42

Günter Neumann
Mit welcher Methode gelingt es, einen ca. 20 – 25 cm dicken Eibenstamm zu entrinden. Der Stamm liegt bei mir schon seit über 10 Jahren trocken im Keller und ist steinhart. Bisherige Versuche mit Stemmeisen sowie Schäleisen erwiesen sich als aussichtslos (zu zeitaufwändig). Würde den Stamm mit seiner schönen Maserung zur Dekoration nutzen.
Vielen Dank für die Rückantwort

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Samuel Schneider 20. März 2018 um 22:25

Hallo Günter,

eine gute Frage. LogWizard wäre da eine Möglichkeit, aber da geht bestimmt einiges an Struktur kaputt. Etwas anderes fällt mir da nicht ein.

Antworten

Karlheinz Arno Haug 1. März 2018 um 13:18

Sehr kompetente Aussagen und fundierte Ratschläge – es fällt auf, dass der Autor, ein Handwerker mit Leib und Seele, seinen Beruf und seine Leidenschaft lebt. schön, dass es so etwas noch gibt in Zeiten von i-Book, pad, pod, phone etc.(diese Technik macht schon Sinn – mich stört nur der Hype der darum gemacht wird. Ich habe selbst den Niedergang der traditionellen Kartografie und den Wandel im Druckereibereich erlebt. Ein Maschine kann aber nicht wahrnehmen oder fühlen, wie sich ein Stück bearbeitetes Holz anfühlt, wie es riecht und was es einem sonst noch geben kann.

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Samuel Schneider 16. März 2018 um 22:13

Danke Karlheinz Arno Haug!

Sehr nett dein Kommentar!

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Jochen Preuß 19. September 2017 um 18:07

Ich habe sehr schöne Scheiben aus unserem alten Eibenstamm gesägt und würde diese gerne schleifen, polieren, ölen und dann auf unserem Weihnachtsmarkt als Servierbrett verkaufen. Ist das wegen der Giftigkeit bedenklich?
mfg Jochen Preuß

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Samuel Schneider 20. September 2017 um 16:48

Eiben (vor allem die Nadeln und die Samen) haben viel Taxin und das ist sehr giftig. Mit einem Schneidebrett habe ich das noch nie versucht, aber man müsste einiges an Holz essen bis einem übel davon wird. Ich kann aber trotzdem keine Empfehlung dafür aussprechen. Das musst du selbst entscheiden.

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Hildegard Mero 26. März 2017 um 19:40

Kann Eibenholz im Kaminofen verbrannt werden oder ist es wegen seines Giftanteils für Menschen und Umwelt gefährlich?
Auf Ihre Antwort bin ich sehr gespannt!
Vielen Dank im Voraus!

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Samuel Schneider 27. März 2017 um 13:37

Hallo Hildegard,

danke für deine Frage. Ich habe auch schon mal Eibenholz verbrannt und ich lebe noch. Ein Schreiner Kollege verarbeitet das Zeug regelmäßig und es geht ihm sehr gut. Achte darauf, dass das Holz gut getrocknet und gespaltet ist. Dann dürfte da nichts passieren. Giftig sind die Nadeln und die Samen. Diese sollte man vermeiden und natürlich nicht essen. 😉

Hilft das weiter?

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