Ebenholz

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„Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“. Wer kennt diesen Satz aus dem Gebrüder Grimm Märchen „Schneewittchen“ nicht. Wie Ebenholz allerdings aussieht und wofür man es einsetzen kann wissen die wenigsten. Hier etwas Nachilfe… 😉

Ebenholz zählt zu der Gattung Diospyros aus der Familie der Ebenholzgewächse.

Ebenholz kann tatsächlich pechschwarz sein, muss aber nicht. Die meisten der Ebenholzarten haben graue oder braune Streifen. Manche gehen auch vom Gesamt-Farbton eher ins bräunliche.

In Geschichten, in der Esotherik und der Mythologie wird dem Holz gerne eine magische Wirkung zugeschrieben. Was macht diese Stämme so besonders?

Große Handschnitzereien an Ebenholz
Große Handschnitzereien an Ebenholz

FAKT 1: Vorkommen und Eigenschaften

Es gibt verschiedene Sorten von Ebenholz. Jede Sorte hat andere Farben und Eigenschaften. Hier eine Auswahl der wichtigsten Ebenholzarten.

Das harte, schwere Holz an das man als erstes denkt, ist nur das Kernholz. Dieses ist sehr wertvoll und wurde sowohl in der Vergangenheit wie auch heute gerne für Möbel und andere Gegenstände gebraucht.

Das Splintholz dagegen wird meist schon beim Fällen abgeschlagen. Der Farbunterschied zwischen Kern- und Splintholz ist beim Ebenholzbaum auffällig groß. Das Splintholz ist gelb-grau und hat keinen Wert für die Holzindustrie. Es ist eher weich und brüchig. Dabei macht das Splintholz bei Ebenholzgewächsen bis zu 70 Prozent des gesamten Stammes aus.

Technische Daten

  • Dauerhaftigkeitsklasse: sehr dauerhaft, nicht in DIN-EN 350-2
  • Rohdichte: 900 bis 1300 kg/m³ (stark abhängig von der Sorte)
  • Druckfestigkeit: 70-80 N/mm²
  • Biegefestigkeit: 100-120 N/mm²
  • Scherfestigkeit: 16-18 N/mm²
  • Zugfestigkeit: k.A
  • Elastizitätsmodul: 10.100 N/mm²
Hier deutlich zu sehen der Unterschied zwischen dem schwarzen Kernholz und dem hellen Splintholz
Hier deutlich zu sehen der Unterschied zwischen dem schwarzen Kernholz und dem hellen Splintholz

FAKT 2: Ebenholz-Arten

Kamerun-Ebenholz (Diospyros crassiflora)

Kamerun-Ebenholz ist die verbreitetste Ebenholz-Art. Diese Art kommt aus Afrika und hat meist graue Streifen, kann aber auch tiefschwarz sein. Die gleichmäßig schwarzen Stämme machen aber nur 10% aller Kamerun-Ebenholz Vorkommen aus.

Das Problem bei dieser Sorte ist seine Offenporigkeit. Dadurch wird es weniger stabil und kann nicht so gut verarbeitet werden.

Ceylon-Ebenholz (Diospyros ebenum)

Ceylon-Ebenholz hat die beste Qualität von allen Ebenholzarten. Leider ist diese Sorte genau deshalb fast nicht mehr vorhanden.

Diese Art hat eher eine dunkelbraune Farbe. Die Stämme sind sehr hart und zeigen fast keine Poren. Trotzdem ist es gut bearbeit- und polierbar und zusätzlich auch noch witterungsfest und schädlingsresistent.

Dieses Holz wurde im 16. bis 19. Jahrhundert sehr viel im Möbelbau genutzt.

Handschnitzereien aus pechschwarzem Ceylon-Ebenholz
Handschnitzereien aus pechschwarzem Ceylon-Ebenholz

Madagaskar-Ebenholz (Diospyros perrieri)

Das Madagaskar-Ebenholz ist dem Ceylon-Ebenholz sehr ähnlich. Auch dieses ist dunkelbraun und sehr feinporig, witterungsfest und schädlingsresistent.

Makassar-Ebenholz (Diospyros celebica)

Das Makassar-Ebenholz kommt aus Indonesien und hat seinen Spitznamen „Zebraholz“ von der hellgelb bis braungestreiften Maserung auf schwarzen Grundton. Sie verläuft längs der Wuchsrichtung und gibt Möbeln einen sehr speziellen Touch. Das Splintholz ist hellgelb bis cremeweiß.

Das besondere daran ist, dass das Holz auch sehr lichtbeständig ist. Die spezielle Farbe bleibt deshalb auch gut erhalten.

Andere Namen für diese Sorte sind, vor allem im englischen Raum, Coromandelholz oder Marblewood.

Das typische Zebramuster des Makassar-Ebenholzes
Das typische Zebramuster des Makassar-Ebenholzes

Mun-Ebenholz (Diospyros mun)

Ein weiteres zweifarbig gestreiftes Holz ist das Mun-Ebenholz aus Laos und dem Vietnam. Es ist dem Makassar-Ebenhoz ziemlich ähnlich.

Diospyros tessellaria

Diese Ebeholzart kommt auf Mauritus vor. Es gehört ebenfalls zu den farbigen Ebenhölzern und wird ebenfalls Zebraholz oder auch Marmorholz genannt.

FAKT 3: Verwendung

Um Ebenholz zu bearbeiten braucht man etwas Geschick. Die Stämme gehören zu den robustesten, härtesten und schwersten Hölzern der Welt.

Zuerst müssen sie sorgfältig getrocknet werden. Einige Ebenholzarten haben enorme Schwindungswerte und eine immense Dichte. Wird dem Holz nicht genug Zeit gelassen wird der Wert und die Stabilität extrem gemindert. Bei Arten mit hohen Schwindungsarten entstehen deutliche Risse im Holz, schwarzes Ebenholz bekommt Obenflächenrisse.

Die Geduld bei der Tocknung zahlt sich allerdings aus. Ein Kubikmeter Ebenholz kostet bis zu 20.000-30.000€. Das beliebteste, tiefschwarze Ceylon-Ebenholz bekommt man sogar erst ab 45.000 € pro Kubikmeter. Leider wird es auch genauso schwarz gehandelt.

In Museen in der ganzen Welt können Möbelstücke von Königen und Fürsten bewundert werden, deren Dynastien schon vor Jahrhunderten untergegangen sind. Das Ebenholz sieht aber, meist mit nur wenigen Restaurierungen, noch aus wie damals.

Ein Schreibtisch, teilweise Ebenholz, aussgestellt im California Palace of the Legion of Honor, datiert auf ca.1680
Ein Schreibtisch, teilweise Ebenholz, aussgestellt im California Palace of the Legion of Honor, datiert auf ca.1680

Ebenholz wird heute wegen dem ansprechenden Aussehen gerne für Furniere und Intarsien genutzt. Durch die hohe Dichte eignet es sich auch wunderbar für besonders beanspruchte Teile von Musikinstrumenten. Dazu gehören Griffbretter, Tastaturen, Wirbel von Saiteninstrumenten, aber auch komplette Holzblasinstrumente.

Vor allem in Afrika wird es gerne für Schnitzereien und Kunstdrechslerarbeiten genutzt. Kleinere Stücke machen sich gut als Griffe von Messern oder anderem Besteck, Schachfiguren sowie Strick- und Häkelnadeln.

Auch die Schmuckindustrie ist begeistert von dem Edelholz. Es lässt sich wunderbar mit Edelmetallen und Diamanten kombinieren.

Hochzeitsringe aus Ebenholz
Hochzeitsringe aus Ebenholz

Wusstest du schon?

Der Schleifstaub von Ebenholz kann Reizungen der Schleimhäute hervorrufen. Vor allem Augen, Haut und Lunge sollten daher gut geschützt werden. Nutze deshalb beim bearbeiten von Ebenholz immer eine geeignete Schutzmaske und einer Schutzbrille. Wenn möglich, sollte unter einer leistungsfähigen Absaugung gearbeitet werden.

FAKT 4: Vom Aussterben bedroht

Ebenholz ist wunderschön und wirkt sehr edel. Dadurch wurde es besonders in gehobenen Kreisen sehr bekannt und beliebt. Genau das hat dem Baum allerdings fast das Genick gebrochen. 1994 landete das tropische Holz leider auf der „roten Liste“ der IUCN (International Union for Conservation of Nature).

Es gibt insgesamt 103 Diospyros-Arten. Davon gelten 14 als stark gefährdet, und 15 als vom Aussterben bedroht. Im Gegensatz dazu gelten nur 21 der Ebenholzarten als gering gefährdet und ganze zwei Arten sind außer Gefahr.

Einen großen Beitrag zum Aussterben tragen der blühende Schwarzmarkt in Kamerun und die illegalen Waldrodungen in Madagaskar bei.

Warum ist die Nutzung von Ebenholz problematisch?

  • Ebenholzbäume sind außereuropäische Laubbäume. Daher haben sie meist einen langen Transportweg hinter sich und tragen damit zu einem großen CO2-Ausstoß bei.
  • Dadurch, dass das Splintholz noch an der Abholzungsstelle entfernt wird wird 70% des Baumes „verschwendet“.
  • Die meisten Ebenholzarten sind sowieso schon bedroht.

Alternativen zum Ebenholz:

  • Wenn du einfach nur ein hartes Holz suchst, kannst du auf Hainbuche oder Eiche zurückgreifen.
  • Suchst du ein gutes Schnitzholz bist du bei dem in Deutschland heimische Birnbaum an der richtigen Adresse.
  • Es soll die schöne dunkle Farbe sein? Es gibt verschiedene Arten von natürlichen Lacken mit denen du die diese Farbe nachahmen kannst – zum Wohle der Natur.
  • oder du greifst auf Nussbaumholz zurück. Dieses ist auch etwas teurer, gilt allerdings auch teilweise als Edelholz.
Ein rustikales Stück Kernholz eines Ebenholzbaumes.
Ein rustikales Stück Kernholz eines Ebenholzbaumes.

FAKT 5: Der Kauf von Ebenholz

Normalerweise bekommst du heute keine Möbelstücke aus Ebenholz im normalen Möbelhaus. Meist verkaufen Künstler oder Designer spezielle Möbel mit Ebenholz-Intarsien oder Gegenstände aus diesem hochwertigen Material.

Solltest du doch ein besonders günstiges Angebot finden, ist es sinnvoll erst einen Experten zu befragen, der sich das Stück einmal anschaut. Zusätzlich kannst du auch ein Zertifikat über die exakte Herkunft verlangen. Ein Fachhändler kann dir helfen Fehler im Holz zu erkennen und die Frage der Herkunft klären. So kannst du sicher sein, weder übers Ohr gehauen zu werden, noch den Schwarzmarkt zu unterstützen.

Ebenholz ist teuer in der Anschaffung. Gegenstände aus diesem Material sind allerdings extrem langlebig. Wahrscheinlich wird es dich sogar überleben. 😉

Wusstest du schon?

Wenn du mit einem Musikinstrument reisen möchtest, das Verzierungen oder andere Bestandteile aus Ebenholz hat, brauchst du meistens spezielle CITES-Dokumente.

Ein kompletter Flügel aus Ebenholz
Ein kompletter Flügel aus Ebenholz

FAKT 6: PFLEGE

Du hast ein Möbelstück mit Ebenholz-Verzierungen? Dann solltest du ihm die richtige Pflege zukommen lassen. Auch kleine Intarsien können brechen oder reißen wenn sie nicht regelmäßig gepflegt werden.

Wichtig ist, dass keine Feuchtigkeit an das Holz kommt. Denn sobald es wieder trocknet können Risse entstehen. Auch chemische Mittel haben an Ebenholz nichts verloren. Spezielles Hartholzöl gibt der Oberfläche die nötige Elastizität und lässt das Prunkstück glänzen.

Ein edles Rasiermesser aus pechschwarzem Ebenholz
Ein edles Rasiermesser aus pechschwarzem Ebenholz

FAZIT

Ebenholz ist also ein sehr hochwertiges Edelholz. Zumindest das schwarze Kernholz. Das Splintholz wird bei beim schlagen sofort entfernt, da es keinen so hohen Kaufwert hat.

Früher wurden für die Elite ganze Möbel aus dem tiefschwarzen Ceylon-Ebenholz hergestellt. Heute werden hauptsächlich Verzierungen, Furniere und kleine Gegenstände daraus gefertigt. Auch für Musikinstrumente eignet es sich wunderbar.

Da es nicht in Europa heimisch ist, bedeutet es großen Aufwand es nach Deutschland zu bringen. Gute Alternativen zu Ebenholz sind Hainbuche, Birnbaum, Eiche oder auch Nussbaum.

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