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Drechseln lernen – für Anfänger

Beim Drechseln, auch Drehen genannt, handelt es sich um ein zerspanendes Fertigungsverfahren für Holz.

Das ist aber nicht alles.

Es kann auch für Elfenbein, Horn, Plexiglas oder andere Kunststoffe angewandt werden.

Das wichtigste Werkzeug eines Drechslers ist die Drehbank, bei automatisiertem Drechseln ist es der Drehautomat. Darauf dreht sich das Werkstück und wird mit verschiedenen Dreheisen bearbeitet.

Drechseln auf einer Drehbank

Drechseln auf einer Drehbank

Die Werkzeuge

Auf der Drehbank befindet sich das Werkstück. Eine Drehbank ist eine Maschine zur Herstellung von
Rotationskörpern. Zwischen Spindelstock (links) und Reitstock (rechts) wird das Werkstück eingespannt. Diese stehen auf Gusseisernen horizontalen Wägen die Maschinenbett genannt werden. Zusätzlich befindet sich immer ein Handauflagenhalter an der Drehbank. So ist es möglich die Hand während der Arbeit ruhig zu halten.

Bestseller-Tipp
Hier habe ich eine Auflistung der beliebtesten Drechselbänke.

Um das auf der Drehbank eingespannte Holz zu bearbeiten nutzt der Drechsler verschiedene Werkzeuge. Dies sind hauptsächlich folgende:

  • Flachmeißel und Abstechstähle: mit flachem, teilweise beidseitigem Schliff für das Ablängen des Werkstückes
  • Röhren: halbrunde Werkzeuge mit flachem Außenschliff
  • Schlicht- und Ausdrehstähle: mit sehr steilem Schliff

Das Anschleifen der Werkzeuge

Durch die Reibung an dem Werkstück werden die Werkzeuge natürlich stumpf. Wichtig ist dann der korrekte Anschliff der Schneide. Wenn du zum Beispiel im falschen Winkel anschleifst wird dein Meißel eher stumpf.

Deshalb hier einige Hinweise: Wie auch beim Schnitzen ist es wichtig den Nass-Schliff durchzuführen. Die Schneiden sind so fein, dass die entstehende Hitze beim Trocken-Schliff diese beschädigen können.

Wusstest du schon?
Der Vorläufer der Drehbank wurde wahrscheinlich von den Griechen, Ende des 2. Jahrtausends v.u.Z., erfunden. Früher wurde die Drehbank mit dem Fuß angetrieben.

Auch beim Nass-Schliff ist der Schleifwinkel wichtig. Schleifst du immer im selben Winkel trägst du nur sehr wenig Metall ab und deine Schneide wird Rasiermesserscharf. Hier das ganze in der Praxis als Video:

 

Drechseln – die Anleitung

Es können verschiedene Werkstücke auf der Drehbank bearbeitet werden. Im Folgenden stelle ich dir die Verfahren einmal vor. In den Bildern rechts und in den Videos kannst du dir ein Bild von der Praxis machen.

Langholzdrehen

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Langholzdrehen

Hierbei wird das Holz meist zwischen den Spitzen eingespannt. Teilweise wird es auch einseitig am Spindelstock befestigt. Beim Langholzdrehen dreht sich das Werkstück längs der Faserrichtung.

Das Dreheisen wird auf der Handauflage aufgelegt und an das Werkstück herangeführt, so kann ruhig gearbeitet werden. Werkstücke die so gefertigt werden sind beispielsweise:

  • Treppenstäbe und -pfosten
  • Holzsäulen
  • Knöpfe
  • Büchsen
  • Schreibgeräte

Querholzdrehen

Hirnholz drechseln auf einer Drehbank

Querholzdrehen

Dabei wird ein bereits rund ausgesägtes Holzstück einseitig am Spindelstock befestigt. Beim Querholzdrehen dreht sich das Werkstück quer der Faserrichtung.

Auch hier wird das Dreheisen auf der Handauflage aufgelegt und manuell gegen das Werkstück geführt. Artikel die durch dieses Bearbeitungsverfahren entstehen sind beispielsweise:

  • Teller und Schalen
  • Holzringe
  • Dosen
  • Handlaufschnecken

Wie sieht das jetzt in der Praxis aus? Schau dir doch einmal drei Videos darüber an, wie vom Profi eine Schale gedrechselt wird. Hier das Video zum Drechseln der Schalenaußenseite:

Drehen gewundener Säulen

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Drehen einer gewundenen Säule

Bei der Erstellung solch einer gewundenen Säule wird meist erst ein Langholz gedreht. Danach werden die Windungen angezeichnet und dann mit einer Handsäge eingeschnitten. Hier gehören zur Arbeit des Drechslers außer dem Drehen auch Schneiden, Stemmen, Raspeln und Schleifen. So wird folgendes hergestellt:

  • Bettpfosten
  • Stuhl- und Tischbeine
  • Treppensprossen

Ovaldrehen

Dabei wird das Werkstück auf einer Seite in ein Ovaldrehwerk eingespannt, das wiederum am Spindelstock befestigt ist. So entsteht eine Querpendelbewegung und ein ovales Werkzeug kann erstellt werden. Dieses Verfahren wird relativ selten verwendet. Erstellt werden damit:

  • Bilderrahmen
  • Schalen/Teller
  • Dosen

Reifendrehen

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Reifendrehen

Beim Reifendrehen wird das Werkstück immer auf einer Seite am Spindelstock eingespannt. Das Holz dreht sich längs der Faserrichtung. Solche Werkstücke werden aus Nadelholz gefertigt. Es werden feine Konturen und in der Mitte ein Loch gedreht. Danach wird das Werkstück von der Drehbank genommen. Der dadurch entstandene „Kranz“ wird in kleine Stücke aufgespalten. Dadurch präsentieren sich – wenn richtig gearbeitet wurde – kleine Tiere und ähnliches. Diese werden komplett in Wasser getränkt und dann in feuchtem Zustand fertig geschnitzt.

Erstellt werden mit dieser Methode:

  • Tiere
  • Figuren
  • Zubehör für Spielzeug

Normalerweise ist die Sendung mit der Maus ja für Kinder. Aber die folgende Sendung erklärt einfach einmalig gut, was die Arbeit eins Reifendrehers ist. Viel Spaß!

 

Passigdrehen

Auch dieses Verfahren wird sehr selten gebraucht. Es gibt Längs- und Querpassigdrehen, wie auch eine Mischung der beiden. Dabei muss die Drehbank umgebaut werden. Die Spindel bewegt sich dabei in Längsrichtung vor und zurück und das Werkzeug schneidet oder schabt an einem feststehenden Punkt. Dabei werden Schablonen und Kurvenscheiben verwendet, um das Maß der Ablenkung zu bestimmen. So werden Artikel hergestellt wie z. B.:

  • Dosen
  • Tischbeine
  • Treppensprossen

Gewindestrählen (auch Gewindestrehlen)

Ein fast ausgestorbenes Verfahren ist das Gewindestrählen. Damit können Innen- und Außengewinde geschnitten werden. Dabei soll pro Umdrehung ein Gewindegang geschnitten werden. Das ist in der Praxis nicht so leicht umzusetzen und erfordert viel Übung und eine ruhige Hand. Heutzutage werden Gewinde eher so geschnitten wie es in der Metallindustrie gebräuchlich ist. Hergestellt werden können mit dem Gewindestrählen:

  • Drehbankfutter
  • Pfeifen
  • Gefäßverschraubungen

Fazit

Für die Arbeit eines Drechslers benötigst du auf jeden Fall eine Drehbank. Mit verschiedenen Dreheisen kannst du dann das gewünschte Ergebnis erzielen. Wichtig ist dabei, dass deine Werkzeuge immer scharf sind. Diese kannst du selbst immer wieder nachschärfen. Welches Verfahren du anwenden musst kommt darauf an, was du drechseln möchtest. Ich wünsche dir nun viel Spaß beim ausprobieren.

Zum Abschluss eine selbst gebaute Drechselmaschine:


Kommentare


Marko 7. Mai 2017 um 9:45

Vielen Dank für den sehr informativen Beitrag. Beim drechseln gibt es ja doch einiges zu beachten 🙂

Antworten

Samuel Schneider 7. Mai 2017 um 15:46

Hallo Marko,

das freut mich. Viel Spaß beim drechseln…

Antworten

Peter 8. März 2017 um 7:27

Nein habe ich nicht. Ich habe etwas Erfahrung im drehen an der Drehbank (Ausbildung als Maschinenschlosser) und arbeite viel mit Holz. Gehe jetzt in Rente und möchte mich mal ans drechseln wagen.

Antworten

Samuel Schneider 15. März 2017 um 15:55

Hi Peter,

ja dann bist du mit Berlan gut bedient.

Antworten

Peter 7. März 2017 um 10:07

Hallo Samuel,
was für eine Drechselbank würdest Du einem Anfänger empfehlen?

Antworten

Samuel Schneider 7. März 2017 um 16:02

Hi Peter,

die von Berlan* ist ganz gut. Hast du schon mal gedrechselt?

Antworten

Hannes Ruf 16. Dezember 2016 um 22:11

Hallo,

Sehr guter und ausführlicher Artikel. Die Informationen sind praktisch und gut…

Antworten

Samuel Schneider 17. Dezember 2016 um 12:50

Hallo Hannes,

danke für deinen Kommentar. Das animiert weiter zu machen.

Antworten

Jasmin 19. Oktober 2016 um 12:03

Hy Samuel,

daaaaanke für den Beitrag. Das war bestimmt viel Arbeit! Hast du mir einen Buchtipp zum Thema „Drechseln“?

Antworten

Samuel Schneider 19. Oktober 2016 um 13:33

Hallo Jasmin,

ja folgenden Bestseller: Grundkurs Drechseln.

Antworten

Julius 19. Oktober 2016 um 12:01

Welches Holz kann man gut drechseln?

Gruß

Antworten

Samuel Schneider 19. Oktober 2016 um 13:31

Hallo Julius,

weiches Holz rate ich ab (z.B. Fichte und Tanne. Das macht damit kein Spaß). Versuche es mit Buche und Ahorn. Erle ist zwar weich aber eignet sich auch.

Hilft dir das weiter?

Antworten

Günther 11. Oktober 2016 um 13:39

Hallo Samuel,

erstmal danke für diesen Artikel. Das hat mir schon sehr viel gebracht. Ich habe aber noch eine Frage: Welche Sicherheitsvorkehrungen sind beim Drechseln (vor allem für einen Anfänger wie mich) unbedingt zu beachten?

Danke im Voraus!

Antworten

Samuel Schneider 11. Oktober 2016 um 13:55

Hallo Günther,

das freut mich. Zu deiner Frage. Schau dir die Videos nochmal an und lies dir bitte nochmal diesen Bereich genau durch: https://baubeaver.de/drechseln-lernen-anfaenger/#Drechseln_8211_die_Anleitung

Dann möchte ich noch folgendes hinzufügen: die Drechseltechnik selbständig zu erlernen ist nicht einfach. Vor allem wenn man vorher nie etwas mit Holz am Hut hatte. Autodidaktisch das Drechseln zu lernen ist keine leichte und ungefährliche Sache. Aber ich gehe einfach mal davon aus dass du schon etwas über Holz weißt.

Also: achte als erstes auf sehr scharfes Werkzeug. Das Schleifen ist gar nicht so ohne. Als nächstes solltest du darauf achten, dass das Werkstück ordentlich und im axialen bereich mittig eingespannt ist. Das Werkstück darf niemals „flattern“. Am besten du überprüfst vor dem Einschalten per Hand ob alles sauber läuft. Der nächste wichtige Schritt: starte langsam und nimm nicht zuviel Material auf einmal weg. Das Werkzeug sollte immer (!) auf der Auflage liegen.

Das sind mal ein paar Hinweise. Trotzdem empfehle ich dir einen Kurs zu absolvieren. Sicherheit geht wie immer vor.

Antworten

Hubert 11. Oktober 2016 um 13:32

Hallo Samuel,

ich habe eine Frage zum Gewinde: Ist das Gewinde des Drechselfutters und dem Shaft am der Drechselbank immer das selbe?

Antworten

Samuel Schneider 11. Oktober 2016 um 13:36

Hallo Hubert,

das ist eine gute Frage und je nach Hersteller und Qualität der Drechselmaschine unterschiedlich. Ein Beispiel: billige Modelle haben in der Regel durchweg ein M18 Gewinde (was meiner Meinung nach, viel zu klein ist). Hochwertigere Maschinen haben beidseitig ein M33 Gewinde. Aber bitte Nagel mich nicht fest: das ist je nach Hersteller anders.

Hilft dir das weiter?

Antworten

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